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07/07/2015 08:48 CEST | Aktualisiert 07/07/2016 07:12 CEST

Liebe Neu-Mami, es ist in Ordnung

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Liebe Neu-Mama,

Ich habe dich im Supermarkt gesehen. Ich habe gesehen, wie du versucht hast, einen Einkaufswagen und einen Kinderwagen zu schieben. Es ist in Ordnung, dass du das in diesem Moment für eine gute Idee gehalten hast. Es ist in Ordnung, dass du nicht weißt, ob du zuerst das Baby oder den Einkaufswagen in der Schlange voranschieben sollst. Es ist in Ordnung, dass du nicht alle Einkäufe unten im Kinderwagen unterbringst und dass am Ende der Einkaufswagen so voll ist, dass du ihn nicht mehr schieben kannst und den Menschen im Weg bist. Das ist in Ordnung.

Wir haben das vielleicht nicht alle schon mal gemacht, aber ich habe es getan und ich bin weinend und schluchzend nach Hause gekommen. Es ist in Ordnung.

Ich sehe dich im Café, mit deinem weinenden und unruhigen Baby. Knatschiges Gesicht, geballte Fäustchen und Kleidung, die einfach nicht passt. Leicht nach den Ausscheidungen eines Neugeborenen und Muttermich riechend. Du hast deinen Kaffee bereits bestellt, ihr zwei seid alleine. Es ist eine neue Welt für euch beide. Ich höre, wie du deinen kleinen Liebling zu beruhigen versuchst. Ich sehe, wie du seinen Hintern tätschelst.

Ich sehe deinen Gesichtsausruck, der "Warum kann ich dieses Kind nicht beruhigen? Ich bin so eine schlechte Mutter" oder "alle starren mich an" bedeutet. Ich will dir sagen, dass das in Ordnung ist. Meine Kinder haben mich auch ins Schwitzen gebracht. In einem Café sitzend, nach Kinderkacke riechend, schaffe ich es nicht, den Kinderwagen in die Toilette zu buchsieren und hierlassen kann ich ihn auch nicht. Wenn sie so frustriert sind, dass keine Milch, keine Umarmung, kein Schaukeln und kein Spielzeug hilft: Dann ist das in Ordnung.

Als mir das passierte, verkroch ich mich zu Hause und weinte. Ich will, dass du weißt, dass das in Ordnung ist.

Stillende Mama, ich sehe dich in der Ecke sitzen, dein kleiner Engel in dein Shirt gedrückt. Dein Baby ist ein wenig eingeklemmt und du bist dir nicht ganz sicher, was du da überhaupt machst, ob dein Baby die richtigen Geräusche macht und ob es gleich den ganzen Laden in Grund und Boden brüllt, wenn du absetzt.

Du weißt nicht, ob du das richtige machst. Du hast keine Ahnung, ob du genug Milch hast und eigentlich bist du so müde, dass du jede Sekunde in Tränen ausbrechen könntest. Es ist in Ordnung. Du hast genug Milch, keine Sorge. Wenn es nicht weh tut, machst du es richtig und es ist in Ordnung, dass du müde bist.

Einmal habe ich die Haustür geöffnet, mit meinem Baby in einer Trage und meiner raushängenden Brust aus der Milch tropfte. Es ist in Ordnung.

Nicht stillende Mama, ich sehe, wie du dich verurteilt fühlst, weil du einen anderen Weg gewählt hast. Beim Elternsein wird das nur eine von vielen sehr schwierigen Entscheidungen sein, die du treffen musst. Du wirst dich von dem Moment an, in dem du das Krankenhaus verlässt bis zu dem Tag, an dem du keine Entscheidungen mehr für dein Kind triffst, verurteilt fühlen.

Ich möchte, dass du weißt, dass das in Ordnung ist. Ich weiß, dass es nicht einfach ist, mitten in der Nacht auf den Beinen zu sein und zu warten, dass die Milch abkühlt. Ich weiß, dass du Angst hast, dein Baby zu verbrühen, wenn die Milch zu heiß ist und ich will, dass du weißt: Das ist in Ordnung.

Beim Milch machen ist einer Freundin von mir mal ein ganzes Fläschchen in ihre Teetasse, auf ihren Teebeutel gefallen, weil sie so müde war. Das ist in Ordnung.

Du sitzt alleine, morgens um vier am Bettchen deines Kindes, das nicht schlafen will. Dein Partner schnarcht in einem tiefen, entspannten Schlaf, aber du bist wach in der Dunkelheit. Dein Baby atmet diese sanften blubbernden Atemzügen, die es macht, wenn es aufgehört hat zu weinen. Du riechst seinen Duft, du tätschelst seinen Po und du streichst über seinen Rücken - du hast dich in deinem Leben noch nicht so allein gefühlt. Das ist in Ordnung.

Finde deine Leute, ob online, in Facebook-Gruppen, oder um die Ecke auf dem Spielplatz. Finde deine Leute. Das ist in Ordnung.

Du bist dir sehr sicher, dass es eigentlich unmöglich ist, dass dein Baby komplett an seiner Winden vorbei seinen Darm entleert. Du bist dir sehr sicher, dass du ihm die Windel richtig angezogen hast. Du bist dir sehr sicher, dass du mehr als genug Windeln eingepackt hast, doch dann sind sie alle aufgebraucht.

Du hast zwei Möglichkeiten: Mit deinem Baby nach Hause fahren und in der Badewanne die ganze Kacke abwaschen oder du ziehst deinem Kind seine Kleider und Windel aus und wickelst es in deinen Schal und verwendest deine Socken als Windel, wickelst alles zusammen und fährst DANN nach Hause.

Das ist in Ordnung. Es gibt viele schwierige Entscheidungen. Wie mit Babykacke umzugehen ist, sollte KEINE sein, ist es aber.

Es gibt viele andere Dinge, die ich als Mutter getan habe, die vielleicht nicht ganz fair waren. Manchmal muss man eben das beste aus dem machen, was man zur Verfügung hat, um noch ein bisschen Würde zu behalten. Es kommt nur eben manchmal vor, dass das, was man zur Verfügung hat, 50 Cent, ein paar Pflaster, drei alte Socken und eine Sicherheitsnadel sind.

Leibe Neu-Mama,

Du wirst verurteilt werden, es wird über dich gesprochen werden, du wirst von Menschen ausgeschlossen und von anderen aufgenommen werden. Vielleicht wirst du dich Wochen nach der Geburt noch nicht wieder gut fühlen, dich allein fühlen und viel weinen. Das ist in Ordnung.

Es gibt Menschen, mit denen du reden kannst. Vielleicht wirst du dich stärker und bekräftigt fühlen. Das ist in Ordnung. Gib dieses Gefühl weiter und verbreite Freude. Vielleicht wirst du in ein paar Monaten feststellen, dass du gar nicht mehr nach Babykacke riechst, dass dein Baby ruhig schläft, du ganz entspannt bist und gar nicht mehr weißt, was eigentlich das Problem war.

Liebe Neu-Mami,

Willkommen zum Muttersein, willkommen zu all der Trauer, der Freude, dem Schmerz, der Erschöpfung, der Euphorie, den vor Liebe überschäumenden Emotionen.

Wir sind für dich da, falls du uns brauchst,

Liebe von Müttern rund um die Welt.

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Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post UK und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.


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