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13/11/2015 11:36 CET | Aktualisiert 13/11/2016 06:12 CET

Ich bin stolz, eine Schlampe zu sein. Hört auf, mich zu verurteilen

Gettystock

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von Alex Alexander

Dass ich eine Schlampe bin, bedeutet nicht, dass ich ein schlechter Mensch bin. Es bedeutet, dass du voreingenommen bist.

Vergangenes Wochenende bin ich ausgegangen. Eigentlich wollte ich mit ein paar Freundinnen Tanzen gehen. Aber am Ende verbrachte ich den Großteil des Abends damit, mit einem neuen männlichen "Freund" zu "tanzen", den ich gerade erst kennengelernt hatte.

Mit "tanzen" meine ich, dass ich mich auf der Tanzfläche an ihm rieb und ihn angrabschte.

Ich bemerkte erst, dass uns andere Menschen anstarrten, als er eine Hand an meinem Hintern und die andere an meiner Brust hatte und ich ihm den Hals leckte.

Es war mir nicht nur egal, dass uns völlig fremde Menschen für unseren Spaß verurteilten, es konnte mich auch in keinster Weise davon abhalten, weiterzumachen. Ich wusste, dass sie uns zusahen - und verurteilten - und es war mir einfach egal.

Genau so, wie es mir egal war, als ich die Sache noch ein bisschen anheizte und einen zweiten Typen mit ins Spiel holte. Weißt du, was schlimmer aussieht, als ein Kerl, der dir auf der Tanzfläche an die Brüste fasst? Zwei Typen, die dir auf der Tanzfläche an die Brüste fassen.

Am Ende ging ich mit dem zweiten Typen nach Hause. Als schließlich der Morgen anbrach, dachte ich an die vergangene Nacht zurück und hatte kein schlechtes Gewissen. Weil ich eine echt gute Zeit gehabt hatte.

Ja, ich bin eine Schlampe und ich liebe es.

Aber lasst uns erst einmal definieren, was ich meine, wenn ich "Schlampe" sage.

Zuallererst: Ich rede nicht von einem fehlgeleiteten Teenager-Mädchen, das "an den falschen Orten" auf der Suche nach Liebe ist.

Ich spreche nicht über jemanden, der versucht, sein Selbstwertgefühl zu steigern, indem er mit anderen Menschen Sex hat. Ich rede auch nicht von einer Doppelschlampe, also einer, die dir deinen Mann ausspannt, dich betrügt, Ehen zerstört, Krankheiten verbreitet und sonstige sozial- unverträgliche Sachen macht.

Ich spreche jedenfalls von einer Frau (oder einem Mann), die (oder der) sich dafür entschieden hat, ihre (oder seine) Sexualität auszuleben und zu teilen. Jemand der sich auf sexuelle Gefälligkeiten einlässt und keinerlei Problem damit hat, ein bisschen Haut zu zeigen.

Ich meine eine richtige Schlampe. Eine, ohne vorurteilsbehaftete Spitznamen. Das bin ich. Eine richtige Schlampe. (Nein, ich werde nicht mit deinem Ehemann schlafen - aber vielleicht werde ich mich für jeden einzelnen seiner Freunde ausziehen.)

Sind wir uns da einig? Großartig, dann können wir ja weitermachen.

Schlampen haben, wie ich bereits erwähnte, einen wirklich schlechten Ruf und ich verstehe einfach nicht, wieso. Wieso um alles auf der Welt, kümmert es irgendjemanden außer mir, was ich mit meiner Vagina mache? Warum interessiert es dich, was ich mit einem Penis anstelle, der dich nichts angeht?

Und dann wäre da noch die groteske Doppelmoral: Ein Mann kann mit 50 Frauen schlafen und dafür High-Fives kassieren. Eine Frau kann mit 7 Männern schlafen und als Schlampe abgestempelt werden. Das ist so archaisch, dass ich es schon nicht mehr witzig finden kann.

Ich bin eine 32 Jahre alte Frau, die den Spaß ihres Lebens hat. Meine Sexualität hat wenige, selbstauferlegte Grenzen nach denen ich mich zu leben entschieden habe (kein zwangloser Geschlechtsverkehr) aber Oralsex, nackt sein, Gruppenspiele, usw. da bin ich für alles zu haben - und wenn du davon nichts wissen willst, dann interessiere dich nicht dafür.

Kurz: Ich tue absolut nichts Falsches.

Eine Schlampe zu sein beginnt und endet nicht im Schlafzimmer. Es geht tiefer. Es beginnt damit, dass du dich selbst entdeckst und weißt, wer du bist und auch dazu stehst. Es beginnt damit, dass du dich selbst von dem Druck und der Erwartung befreist, wie alle anderen zu sein.

Ich habe kein Problem damit, das Mädchen zu sein, dass sich schamlos auszieht und rumblödelt. Genauso wenig habe ich ein Problem damit, aufzuhören, wenn meine Grenze erreicht ist (ja, auch Schlampen haben Grenzen. Abgefahren, oder?).

Nein, ich bin kein verspielter Teenager und nein, ich bin keine verwirrte Frau, die sich nach einer wirklich schlimmen Ehe austoben muss. Ich bin eine Frau, die ihre eigene Sexualität voll und ganz angenommen und akzeptiert hat.

Es hat lange gedauert, bis ich zu dem Punkt kam, an dem ich einfach zugeben konnte, dass ich eben gerne Sex habe. Ich bin gerne sexy, ich mache gerne die bereits genannten sexy Sachen mit vielen verschiedenen Menschen. Es hat noch länger gedauert, bis ich wirklich akzeptieren konnte, was andere Menschen davon halten.

Solange du nicht meine Vagina trägst, ist jedes Problem, das du mit ihr hast, dein Problem, nicht meins.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf YourTango

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