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15/09/2015 14:17 CEST | Aktualisiert 15/09/2016 07:12 CEST

Auswirkungen von 9/11 auf die Muslime - Die Folgen des Terrors

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Hätten die Muslime in Deutschland und der Welt bereits damals gewusst, was durch die schrecklichen Ereignisse des 11. September 2001 in den kommenden Jahren auf sie zukommt, sie hätten sich gewünscht, in einer anderen Zeit zu leben.

Zunächst einmal herrschte eine Art Schockstarre. Muslime wie Nicht-Muslime wurden durch großformatige Bilder, Videos und seitenlangen Zeitungsartikeln medial überrollt. Die ununterbrochene Berichterstattung, Eilmeldungen in Sekundenabständen, Kommentare von Journalisten, „Experten" und Politikern zu begreifen und zu verarbeiten war nicht einfach: Es glich wie einem Medientsunami, der auf einen angerollt kam und im Begriff war, alles bisher Dagewesene zu überschwemmen.

Als dann George W. Bush - gerade bei einem Schulbesuch - mit Kindern vor die Kamera trat und in einem und demselben Atemzug von „Al Qaida", „islamistischem Terror" sowie einem „Kreuzzug" sprach, konnte noch nicht einmal erahnt werden, was diese Begriffe miteinander zu tun haben sollten und wie sich die Welt nach diesem Tag - auch und insbesondere für die Muslime - ändern würde. Was danach unter dem Begriffspaar „war on terror" geschah, ist bezeichnend und hat gravierende Veränderungen mit sich geführt.

Bezeichnend für diese fragile Politik war die Rede Colin Powells, des damaligen Außenministers in der Bush-Regierung, der aufgrund angeblich vorhandener „mobiler Massenvernichtungswaffen" in den Händen von Saddam Hussain, ein „alter Freund", der nun zu einem gefährlichen „Diktator" mutiert war, einen Einmarsch in den Irak forderte. Powell titulierte 2005 diesen denkwürdigen Auftritt vor dem UN-Weltsicherheitsrat als „Schandfleck" seiner Karriere, weil bekannt wurde, dass es diese „Massenvernichtungswaffen" überhaupt nicht gab.

Nach den Anschlägen des 11. September 2001 mussten sich neben den USA auch ihre Verbündeten, u.a. beispielsweise Deutschland entscheiden, ob sie diesem Krieg beitreten sollen. In Deutschland herrschte eine rot-grüne Regierung unter Gerhard Schröder, die ebenso wie Frankreich und Russland nicht gewillt waren, bei einer Invasion des Irak teilzunehmen.

Dies wiederum provozierte den damaligen US-Verteidigungsminister Donald Rumpsfeld dazu, abfällig vom „alten Europa" zu sprechen und die Kriegsgegner zu ermahnen. Durch einen nicht vom Völkerrecht legitimierten „Präventivkrieg", was in diesem Fall als Euphemismus für einen „Angriffskrieg" diente, wurde im März des Jahres 2003 der Irak angegriffen und der ehemalige Verbündete Saddam Hussein gestürzt. Die Allianz unter der Führung der USA, die mit dem Anspruch in den Irak marschierte, Demokratie und Freiheit einzuführen, stürzte das Land in einen heute noch andauernden Bürgerkrieg.

Mit ähnlichen Schwierigkeiten sieht sich Afghanistan konfrontiert, wo immer noch Chaos herrscht und die USA und die NATO im Moment gezwungen sind, mit den Taliban zu verhandeln. Auch in Afghanistan wurden ehemalige „Freunde", die man in Zeiten des „Kalten Krieges" gegen die „bösen Sowjets" noch mit allen Mitteln unterstütze, plötzlich zu Feinden erklärt. Auch in Afghanistan gab es wie im Irak wichtige Bodenschätze und Rohstoffvorkommen zu ergattern. Der Irak war reich an Öl. Afghanistan hatte „Seltene Erden" und Edelmetalle zu bieten.

Muslime und Islam als neues Feindbild nach Ende des Kalten Krieges?

Nach dem Zusammenbruch des real existierenden Kommunismus und des Sowjetimperiums prägte ein neuer „Ost-West-Konflikt" die Agenda. Die Welt wurde erneut in eine bipolare Zone aufgeteilt. Es galt sich zu entscheiden, auf welcher Seite man seinen Platz nehmen wollte: Freiheit oder Totalitarismus? Gut oder böse?

Zahlreiche Wissenschaftler, nicht nur aus dem Bereich der internationalen Beziehungen und Geo-Strategen wiesen schon in den 90ern darauf hin, dass im neuen Jahrtausend eine „New-World-Order" und „Greater-Middle-East-Strategie" der USA zur Sicherung der Energieressourcen für die nächsten Jahrhunderte nötig sei. Der Politstratege und langjährige Berater für die US-Außenpolitik, Samuel P. Huntington veröffentlichte bereits 1993 in der Zeitschrift „Foreign Affairs" einen Artikel, in dem er seine These des „Kampfs der Kulturen („clash of civilizations")" heraufbeschwor.

Auf diese Thesen bezogen sich später immer mehr Autoren und Islamkritiker. So veröffentlichte die 2006 verstorbene italienische Journalistin Oriana Fallaci direkt nach den Anschlägen vom 11.September 2001 ein Werk mit dem Titel „Die Wut und der Stolz". Die Autorin wirft dort den westlichen Regierungen vor, durch ihre naive und zu nachsichtige Politik der Beschwichtigung („Appeasement") dem Islamismus den Weg bereitet zu haben.

Parallel zu Huntington, der eine Gefahr in der demographischen Entwicklung der lateinamerikanischen Einwanderer für die nationale Identität der USA sieht, warnt Fallaci vor den sich vermehrenden Muslimen in Europa, die das Abendland angeblich „unterwandern" wollten. Sie seien nicht nur eine physische, sondern auch eine Gefahr auf geistig-kulturellem Terrain. So wie Huntington vor einem „Amexiko" warnt, tut Fallaci dies vor „Eurabien".

Ihre kollektive Zuschreibungen an die Muslime, dass sie „aggressiv", „expansiv" , „rückwärtsgewandt", „unvernünftig", „demokratie- und frauenfeindlich" seien, lassen einen latenten Rassismus erkennen, der sich seitdem immer mehr in der Mitte der Gesellschaft etabliert und wiederfindet. Wie ist es sonst zu erklären, dass jemand ein Buch schrieb, es "Deutschland schafft sich ab" nannte und sich dieses Buch millionenfach verkaufte und zum absoluten Bestseller in Deutschland avancierte?

Studien deuten auf latent rassistische Einstellungen hin

Dass der Rassismus sich zunehmend weiter in der Mitte der Gesellschaft etabliert, spiegelt sich auch in immer mehr empirischen Untersuchungen - auch in Deutschland - wider: So werden die so genannten „Heitmeyer-Studien" zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit oder die „Mitte"-Studien der Universität Leipzig von Fachleuten als „Alarmsignal" gedeutet, da rechtsextreme- und antidemokratische Einstellungen überraschend stark in der Mitte der deutschen Gesellschaft ausgeprägt sind.

Wenn knapp 60 Prozent der Deutschen den Muslimen verbieten wollen, ihre Religion voll auszuüben und jeder Zehnte sich einen „Führer" wünscht „der Deutschland mit starker Hand regiert", dann befinden sich die demokratischen Werte in unserem Land in ernsthafter Gefahr.

Wenn mehr als jeder Dritte (36 Prozent) der Aussage zustimmt: „Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden" und 43 Prozent sich „durch die vielen Muslime (...) manchmal wie ein Fremder im eigenen Land" fühlen, könnte das vage formuliert, einen Riss im gesellschaftlichen Frieden bedeuten. Eine weitere neue Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes macht darüber hinaus deutlich, dass Sinti und Roma sowie Muslime in diesem Land auf Ablehnung stoßen.

Viele der Befragten sind der Meinung, dass Sinti, Roma und Muslime „durch ihr Verhalten" für Feindseligkeiten selbst verantwortlich seien: Bei Muslimen denken das 51, bei Sinti und Roma 49 und bei Asylbewerbern 41 Prozent. Zum Vergleich: Die Äußerung, Juden seien „durch ihr Verhalten" selbst Schuld an antisemitischen Einstellungen, gilt anerkanntermaßen als Kernmerkmal des sekundären Antisemitismus.

Integrationsbemühungen auf beiden Seiten

Seit dem 11. September 2001 gibt es aber auch verstärkte Integrationsbemühungen - sowohl auf Seiten der Muslime wie auch der staatlichen Institutionen. So gibt es eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Behörden und muslimischen Akteuren. Die Deutsche Islamkonferenz (DIK) unter der Regie des Innenministeriums, der Integrationsgipfel unter Leitung der Staatsministerin für Migration, Flüchtlinge und Integration, ein sog. „Nationaler Integrationsplan" und verschiedenste Zusammenkünfte, „runde Tische" und Initiativen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene verdeutlichen, die gesellschaftlich-politische Relevanz der Integration der Muslime nach dem 11.September.

Auch wenn das Ziel eines „Dialogs auf Augenhöhe" manchmal durch einen Monolog ersetzt wird, geht der Weg in die richtige Richtung: Die Einführung des islamischen Religionsunterrichts als bekenntnisorientiertes und ordentliches Schulfach, die Einführung von islamisch-theologischen Fakultäten an staatlichen Universitäten sowie die Ausbildung von Imamen und islamischen Gelehrten in Deutschland, können als wichtige Reaktion auf die Debatte nach dem 11.September angesehen werden.

Zumindest haben die Debatten, die durch den 11.September ausgelöst wurden, diese gesellschaftlich-politischen Erneuerungen beschleunigt. Somit kann im Hinblick auf die Integration der Muslime in Deutschland auch von einer „Katalysatorfunktion" gesprochen werden. Es wurde zum ersten Mal öffentlich von „Deutschen Muslimen" oder vom „Deutschen Islam" gesprochen. Der damalige Bundespräsident Christian Wulff erklärte in seiner Rede vom zum Tag der Deutschen Einheit, dass der Islam zu Deutschland gehört. Es gab jedoch auch Innenminister und Politiker, die dies ausdrücklich ablehnten.

Identitätsschwierigkeiten und Freund-Feind-Denken

Es gibt aber auch negative Auswirkungen für die Muslime: Das Thema „Islam" wird nach dem 11.September stark politisiert und ideologisch diskutiert. Die muslimischen Einwanderer und ihre Religion werden, wie erwähnt, oft als Gegenpol zur christlichen oder deutschen Mehrheitsbevölkerung gestellt.

Es geht um simple „Freund-Feind-Denkmuster", um „Wir" und „Ihr", wobei der Versuch unternommen wird, durch die Abwertung des „Anderen" das „Eigene" zu stärken. Darin verdeutlicht sich auch ein eigenes Identitätsproblem der Mehrheitsbevölkerung. Durch die Ab- und Ausgrenzung des „Anderen" wird eine eigene „deutsche Identität" geschaffen und gestärkt.

Muslime in der „Identitätsfalle"

In Deutschland und Europa hat ein Wandel in der Wahrnehmung von Minderheiten stattgefunden: Vor dem 11.September wurden Einwanderer eher mit ethnische Zuschreibungen wie „Türke", „Marrokaner", „Indonesier" oder „Albaner" behaftet. Heute spricht die Mehrheitsbevölkerung öfter von „Muslimen", anstatt von „Türken". Die Muslime werden somit auf ihre Religion reduziert, so als ob sie überhaupt keine andere Identität als die ihrer Religion besäßen. Der Soziologe Amartya Sen bezeichnet dieses Dilemma als „Identitätsfalle".

Islamhass auf dem Vormarsch?

Überdies wird der Ge- und Missbrauch des Themas Integration und Islam seit dem 11.September zu Wahlkampfzwecken immer stärker von Parteien und Eliten betrieben. Eine Clique von Pseudowissenschaftlern, die sich die „Islamkritik" zu ihrer Hauptaufgabe gemacht haben, werden von immer mehr rechtspopulistischen Parteien und Internetseiten hofiert. Die Hauptdarsteller dieser „Industrie" bewegen sich im Terrain der „Islamophobie" und „Islamfeindlichkeit", des „Antimuslimischen Rassismus" und der „Muslimfeindlichkeit" bis hin zum „Islamhass".

Anschläge auf Moscheen und Menschen

Die Übergriffe auf Moscheen nehmen in den letzten Jahren signifikant zu. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor. Lagen die Übergriffe zwischen den Jahren 2001 und 2011 noch im Schnitt bei jährlich 22, stiegen diese im Jahr 2012 auf durchschnittlich 35 bzw. im Jahr 2013 auf 36. Ferner kann man der Antwort entnehmen, dass von Anfang 2012 bis März 2014 insgesamt 78 Anschläge auf islamische Gebetshäuser verübt wurden, davon allein 13 in dem Bundesland Niedersachsen.

Anschläge von Oslo und Utoya sowie „NSU-Morde"

Erschreckenderweise gibt es auch Anschläge, die Menschenleben kosten. So tötete der Norweger Anders Behring Breivik im Jahr 2011 77 Menschen, weil er einen Hass auf den Islam, Multikulturalismus und wie er es nannte, den "Kulturmarxismus" hatte. Hierfür wurde er in zahlreichen - auch deutschen - Internetportalen, gelobt.

Eine sogenannte rechtsextremistische Terrororganisation, die sich "Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)" genannt habe, soll darüber hinaus - angeblich unerkannt - jahrelang mehrheitlich Einwanderer, Muslime und deren in Deutschland geborene Nachfahren kaltblütig ermordet haben. Der dubiose Fall wurde und wird in zahlreichen Untersuchungsausschüssen erleuchtet. Eine mutmaßliche Verdächtige steht derzeit in München immer noch vor Gericht.

"Salafisten" und „Neo-Salafisten"

Auf der anderen Seite war nach dem 11. September 2001 plötzlich von "Salafisten" die Rede. Vorher hatten die Menschen kaum etwas von dieser Gruppe gehört. Die sogenannte "Sauerlandgruppe", der Kölner "Kofferbomber" oder die derzeit in Düsseldorf vor Gericht stehenden Bonner Terroristen, die einen Anschlag auf den Bonner Hauptbahnhof geplant haben, sollen alle Anschläge vorbereitet haben.

Zum Glück wurden diese Personen alle vorher verhaftet oder ihre Konstruktionen waren immer so zusammengesetzt, dass es nie zu einem realen Anschlag kam. Eine große Gefahr für unsere Sicherheit und Gesellschaft geht laut Verfassungs- und Staatsschützern aus der "jihadistischen" Fraktion dieser Gruppen aus, die für Kämpfe nach Syrien, Afghanistan, Irak, Libyen oder andere Staaten reisen und radikalisiert zurück kommen. Bleibt zu hoffen, dass diese kleine Minderheit nicht mit Hilfe der Medien die gewünschte Deutungshoheit übernimmt und das mehrheitlich negative Ansehen des Islam in Deutschland noch weiter befleckt.

Rechtspopulistische Parteien

Auch wenn die „charismatischen Führer" von rechtspopulistischen Parteien wie Pim Fortyn (†), Jörg Haider (†) oder Geert Wilders es nicht schaffen, an die Macht zu kommen bzw. dauerhaft an der Macht zu bleiben, so ist es doch unverkennbar, dass das Phänomen der rechtspopulistischen Parteien nicht von kurzer Dauer ist. In immer mehr europäischen Staaten schaffen es diese Gruppierungen, Wahlerfolge zu feiern, ins Parlament zu gelangen oder gar mitzuregieren (Dänemark, Frankreich, Niederlande, Belgien, Norwegen, Österreich, Schweiz).

Rechtspopulisten haben in ganz Europa an Macht gewonnen und sitzen derzeit auch im Europaparlament. Auch in Deutschland kommen rechtspopulistische Parteien in die Landtage sowie Stadt- und Gemeinderäte hinein. Teilweise ersetzen sie hier rechtsextremistische Parteien.

Einseitige Berichterstattung, Sensationsjournalismus und Generalverdacht

Viele Muslime beklagen sich, durch die öffentliche Wahrnehmung und der Debatten nach dem 11. September unter Generalverdacht gestellt zu werden.

Nach dem 11. September haben sich zudem die sog. „Leitkulturdebatten", Kopftuch- und Burkadebatten, Themen wie „Zwangsheiraten", „Ehrenmorde", „Frauenunterdrückung", „Gewalt und Machogehabe" „Terror", sowie Diskussionen um „Moschee- und Minarettbauten" verstärkt. Fast täglich gibt es Berichte über gelungene, im Verhältnis dazu aber mehr über gescheiterte Integration, in den Medien. Fast jährlich gibt es Sicherheits- und Integrationsdebatten, die sich über Wochen, ja Monate hinziehen und so Themen immer wiederkäuend darstellen.

Auch auf dem Arbeitsmarkt nehmen Diskriminierungen aufgrund der Religion (vgl. Studie von Mario Peuker: Diskriminierung aufgrund der islamischen Religionszugehörigkeit im Kontext Arbeitsleben) immer weiter zu. Nicht zuletzt hat der 11. September auch dazu geführt, dass bestimmte liberale Freiheitsrechte revidiert wurden: Was mit den Sicherheitspaketen I + II von dem damaligen Innenminister Otto Schily begann, wurde später mit der Verlängerung der damaligen Befugnisse für die Nachrichtendienste, um Auskünfte über Terrorverdächtige bei Banken, Post oder Fluggesellschaften einzuholen, verlängert.

Die Vorratsdatenspeicherung dagegen wurde aufgrund von verfassungsrechtlichen Bedenken durch das Bundesverfassungsgericht begrenzt und erst vor einigen Monaten erneut aufgeweicht, obwohl der Europäische Gerichtshof (EuGH) bereits im April 2014 die Richtlinie aufhob, wonach alle Bürger ohne konkreten Verdacht überwacht werden dürfen.

Ziel: Allianz der Kulturen und friedliches Zusammenleben

Eine Zukunftsfrage, das sich für die Muslime in Deutschland stellt, ist die nach der Anerkennung des Islam als Körperschaft des öffentlichen Rechts. Der Zusammenschluss der vier großen muslimischen Verbände unter dem Dach des Koordinationsrates der Muslime (KRM) war eine Reaktion auf die Forderung des Staates, nur mit einem einzigen Ansprechpartner verhandeln zu wollen.

Bedauerlicherweise werfen die Behörden dem KRM vor, sie vertrete lediglich 20 Prozent der Muslime und könne daher nicht für die Mehrheit dieser sprechen. Auch die innermuslimische Kooperation und Kommunikation lässt zu wünschen übrig. Die Mitglieder im KRM sind eher mit sich selbst beschäftigt als mit professioneller Arbeit. Die Welt hat sich nach dem 11. September gewandelt. Auch und gerade für die Muslime in Deutschland. Einen „Kampf der Kulturen und Zivilisationen" wird es zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen aber niemals geben.

Ganz im Gegenteil: Unsere vorrangige Aufgabe für das 21. Jahrhundert ist eine „Allianz der Kulturen und Zivilisationen", mit dem Ziel, Kulturen und Gesellschaften zu verschmelzen, um kulturelle, religiöse und soziale Hürden abzubauen, so dass Extremismus und Intoleranz keine Chance mehr bekommt. Wir sitzen alle im selben Boot. Wir schaden unserer Gesellschaft und uns selbst, wenn wir das nicht begreifen. Gerade heute, wo täglich tausende von Flüchtlingen bei uns Schutz suchen, benötigen wir mehr Eintracht.

Autoreninfo:

Yasin Baş ist Politologe, Historiker, Autor und freier Journalist. Zuletzt erschienen seine Bücher: „Islam in Deutschland - Deutscher Islam?" sowie „nach-richten: Muslime in den Medien".

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