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22/12/2016 07:02 CET | Aktualisiert 23/12/2017 06:12 CET

Wo bleibt denn nun die Angst?

Nach dem Anschlag von Berlin zeigt sich die Stadt erschüttert, aber nicht panisch. Der Plan der Angstmacher geht nicht auf.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Reporter haben in der Hauptstadt derzeit eine undankbare Aufgabe. Sie sollen der Angst nachspüren. Doch womit sie Bekanntschaft machen, ist die Berliner Schnauze. Mit der Gewissheit im Herzen, dass es bei einem Anschlag einen jeden treffen kann, gehen die Berliner Weihnachten entgegen. Man fragt sich, wer die Opfer vom Breitscheidplatz sind, ob Bekannte im Krankenhaus liegen.

Doch, so banal das klingt, das Leben geht weiter.

Die Glühweinstände sind voll, die Leute schlendern nicht schneller oder langsamer - nur am Kanzleramt stehen sich einige die Beine in den Bauch, sie protestieren gegen die Kanzlerin und wünschen sie zum Land, wo der Pfeffer wächst. Doch was als Mahnwache, als stiller Aufschrei von Rechts und Rechtsrechts gedacht war, verfängt nicht, verhallt in diesem Moloch Berlin, der schon einiges gesehen hat.

Berlin zeigt sich ruhig. Die großen Letter der „Bild"-Zeitung, die „Angst!" titelt, wirken komisch. Trauer, Mitgefühl - ja. Aber die Angst, welche die Boulevardzeitung meint, lässt sich nicht einmal herbeischreiben.

Und selbst Gegner der staatlichen „Flüchtlingspolitik" runzeln die Stirn ob der Instrumentalisierungsversuche aus dem Süden. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zimmerte schon den Zusammenhang zwischen dem Anschlag und der Einwanderung Fliehender, als über den Täter kaum etwas bekannt war. Und dass es sich beim Hauptverdächtigen nicht um einen „Flüchtling" handelt, sondern um einen illegalen Migranten - egal, wird ein Seehofer oder einer seiner Lakaien seufzen.

Was von diesen politischen Profilierungsversuchen zu halten ist, lesen Sie bei Yahoo! Deutschland