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14/12/2016 06:08 CET | Aktualisiert 14/12/2017 06:12 CET

Unsere Unkultur des Jahres 2016: Das Wegschauen

Saudi-Salafisten, Aleppo, Gewalt gegen Frauen: Wo etwas falsch läuft, ducken wir uns - weil es uns nicht betrifft, denken wir. Nur wird uns das später auf die Füße fallen.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Ein paar Legenden über unser Land gehen so: Da wohnen die Problemlöser. Nicht vielleicht die Witzigen vor dem Herrn, aber dafür geradeaus und ehrlich. Verlässlich. Sehen sie einen Missstand, zeigen sie mit dem Finger drauf und ruhen nicht, bis er behoben ist...

Leider ist die Erde kein Baumarkt und wir Deutschen sind keine leidenschaftlichen Hingucker. Eher das Gegenteil.

Wir kennen das vom Straßenverkehr, unterläuft einem ein kleiner Fehler - wegschauen. Sei es eine genommene Vorfahrt, ein zu harter Bremser - wegdrehen. Souverän vermeiden wir jeden Augenkontakt, nach dem Motto: Was ich nicht seh, das ist auch nicht. Man könnte ja Gefahr laufen, sich entschuldigen zu müssen. Was die Kommunikation angeht, sind wir Deutsche wandelnde Kühlschränke.

Diese holprige Strategie übertragen wir auf die Politik, und da wird es kriminell. Ein paar Beispiele von heute?

Echt dialektisch: Hier laut, dort still

Gern wird über Salafisten gelästert. Salafisten stehen bei der gefühlten Bedrohung ganz oben auf der Liste, und nicht wenige dieser Radikalislamischen wirken tatsächlich nicht zum Wohle unseres Landes: Sie präsentieren sich als Besserwisser, setzen andere Muslime unter Druck, predigen Engstirnigkeit und Ignoranz; ganz zu schweigen von der offenen Flanke hin zum Terrorismus.

Gegenüber Salafisten geben wir uns besorgt und lautstark, drehen ein paar von diesen Kopfhalbstarken auf und verkleiden sich eine Nacht lang als "Scharia-Polizei" wie einmal in Wuppertal, sehen wir das nicht als schlechten Scherz, sondern als Gefahr für Rechtsstaat und Abendland. Geht es aber ans Eingemachte, schauen wir weg.

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