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15/12/2016 12:36 CET | Aktualisiert 16/12/2017 06:12 CET

Scharfe Russland-Sanktionen würden keine neue Eiszeit bedeuten

Aleppos Fall ist ein Wendepunkt. Unsere Beziehungen zu Russland sind zu wichtig, um sie durch Nichtstun zu zerlöchern.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Als unsere Eltern noch Kinder waren und „Angst vorm bösen Mann" spielten, meinten sie „den Russen". Wenn sie ihre Linsen nicht aufaßen, drohte man ihnen mit „dem Russen". Russen - das waren in der Naziwelt unserer Großeltern Menschen minderer Kategorie; russische Kriegsgefangene ließ man in Lagern in Deutschland schlicht verhungern und verrecken; kein Wunder, dass man sich fürchtete vor deren Rache.

Unsere Liebe für Klischees und Stereotype hat eine lange Tradition in Deutschland, und es dauerte lang, bis sich unser Russland-Bild änderte. Russen waren es, die uns von uns selbst befreiten. Die beendeten, wozu die Deutschen nicht in der Lage waren oder es nicht wollten: die Herrschaft der Nazis.

Später prägte die Besetzung Ostdeutschlands durch sowjetische Truppen unser Bild, weil sie ein unfreies System, die DDR, etablierten und erhielten. Mit dem Fall der Mauer konnte sich ein freieres Verhältnis zu Russland entwickeln, um das man in diesen Tagen ringt.

Lügen bleiben Lügen

Denn es vergeht keine Woche, in der nicht Gräuliches dem Kreml angelastet oder zugemutet wird. Donald Trump wird US-Präsident? Die Russen waren's. Die kommenden Bundestagswahlen sehen Manipulationsvorwürfen entgegen? Die Russen werden's sein. Das Traurige ist dabei, dass sich ernste und auf Fakten ruhende Bedenken mit den alten Stereotypen und Hassbildern vermengen. Dabei müssen wir genau aufpassen und differenzieren. Russland ist uns ein zu teurer Nachbar.

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