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11/12/2015 11:38 CET | Aktualisiert 11/12/2016 06:12 CET

Leben auf dem Land: Pendleralltag statt Bauernhof-Idylle

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Morgens noch im Wahlkreis und Stunden später bereits in Berlin vor Ort im Deutschen Bundestag. Nicht nur für Abgeordnete gehört Flexibilität zur Tagesordnung. Gerade für den Großteil der Menschen auf dem Land, wie beispielsweise in den Landkreisen Kusel, Kaiserslautern oder dem Donnersbergkreis, bestimmt ein solches Leben den Alltag.

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In Rheinland-Pfalz liegt der Pendleranteil bei 53 %. Das ist mit leichtem Abstand der Spitzenwert in Deutschland. Wer demnach heute in dieser ländlichen Region ein ruhiges Familiendomizil sein Eigen nennen möchte, ist schon fast zwangsweise dazu verpflichtet hunderte von Kilometern Arbeitsweg auf sich zu nehmen.

Wenn das Pendeln zur Nervenprobe wird

Doch die Fahrt nach Frankfurt, Ludwigshafen, Saarbrücken oder Trier kann schnell zur reinen Nervenprobe werden - vor allem wenn Staus durch Autobahnbaustellen zum Alltag gehören, Züge überfüllt sind oder der Zeitdruck einfach nur unermesslich hoch erscheint.

In Rheinland-Pfalz wurden in den vergangenen Jahrzehnten diese Entwicklungen nicht bekämpft oder schlichtweg verkannt. Viele Städte und Landkreise gehören zur traurigen Spitzengruppe der Städte und Kommunen in ganz Deutschland mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung.

Im Fall Kaiserslautern führt die Stadt das Ranking sogar an. Hilfestellung und Lö-sungsvorschläge durch die Landesregierung bleiben aus und die Spielräume der Bürgermeister oder der Landräte sind auf Grund der Kassenlage erheblich beschnitten.

Anreize zur Entstehung von Firmen oder deren Ansiedlung in ländlichen Gebieten sind auf diese Weise einfach nicht möglich. Die Folge scheint unausweichlich: Die Bevölkerung nimmt ab und das Durchschnittsalter zu.

Wir müssen zügiger handeln

Wollen wir der Landflucht entschlossen entgegentreten, ist ein zügiges Handeln aller Beteiligter gefragt. Hier spielt die ausreichende finanzielle Ausstattung der Kommunen durch das Land Rheinland-Pfalz eine erhebliche Rolle, damit sich finanzielle Spielräume auftun, mit denen gezielt Anreize gesetzt werden können.

Mit dem milliardenschweren Bundesförderprogramm zum Breitbandausbau müssen wir verstärkt abgeschnittene und ländliche Regionen beim Ausbau unterstützen. Schnelles und flächendeckendes Internet gehört heute zum menschlichen Grundbedarf wie etwa fließendes Wasser oder elektrischer Strom.

Erhaltungs- und Ausbaumaßnahmen können zur besseren Erreichbarkeit der ländlichen Regionen beitragen. Damit passen wir uns nicht nur den sich veränderten Mobilitätsansprüchen an, sondern sorgen zugleich für ein stressreduzierteres Pendeln.

Der Landflucht entgegenwirken

Schließlich können wir nur durch Minimierung des Standortnachteils in allen Ebenen der Landflucht entgegenwirken und dafür sorgen, dass die Stress-Spitzen der zahlreichen Pendler reduziert werden.

Es wird also Zeit, dass sich was dreht. Und nicht nur wie im Song von Herbert Grönemeyer der Ball auf dem Fußballplatz, wie beispielsweise auf Deutschlands höchstem Fußballberg in Kaiserslautern. Nein, es müssen sich unsere Einstellung und unser aller Einsatz zum ländlichen Raum drehen. Denn was bringt die Entspannung durch die idyllische Stille mit der Familie auf dem Land, wenn das Pendeln alles wieder in einem Bruchteil von Sekunden zunichtemachen kann.

Dieser Text ist Teil der Reihe "Wie geht es uns?" Ein Jahr lang hat die Politik in Berlin, die Krise in Syrien und der Konflikt mit Moskau die Schlagzeilen beherrscht. Wie aber geht es Ende dieses irren Jahres den Menschen in Deutschland? Wie blicken die Menschen in unserem Land in die Zukunft? Das will die Huffington Post herausfinden - und hat alle Redakteure als Reporter durch das Land geschickt. Sie führen Interviews, besuchen Menschen, denen sonst niemand zuhört - und berichten über Menschen, die dabei helfen, die größten Probleme zu lösen.

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