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12/03/2016 12:35 CET | Aktualisiert 13/03/2017 06:12 CET

Die Renaissance des Populismus

dpa

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Es bestimmen die, die dafür sind, dagegen zu sein, und die vereinfachen, wo Erklärungsbedarf herrscht. Wo Prinzipientreue Grund für Kritik ist und Konsequenz in einer Sache als Haltungs- und Hilflosigkeit verurteilt wird, ist Platz für Populismus und Sehnsucht nach Utopia.

Die Angst geht um vor dem Fremden, um den sich der Staat vermeintlich mehr kümmert als um die eigene Person. Vor der Überfremdung, die dazu beiträgt, dass Deutschland seine Werte und Traditionen verliert. Und schließlich die Scharia als Rechtsform einführt. So einfach. So kompliziert. So aussichtsreich für demagogische Politik. So lähmend für etablierte deutsche Volkparteien.

Union, SPD, Grünen und FDP fällt es schwer, Teilen der deutschen Bevölkerung die Angst zu nehmen und ihnen Sicherheit zu vermitteln. Nationale und internationale Entwicklungen werden manchen Wählergruppen nicht mehr verständlich gemacht.

Vor langer Zeit angestoßene Integrationsprozesse versanden. Parallelgesellschaften entstehen mancherorts. Gleichzeitig verliert in einigen Teilen und Gesellschaftsschichten Deutschlands das berichtende, erklärende, kommentierende und damit meinungsbildendende Organ Medien an Vertrauen. Diese Entwicklung ist fatal.

Wer es in dieser Zeit schafft, zu vereinfachen, zu erklären und eine klare Linie zu ziehen, der schöpft die ab, die sich alleingelassen und vernachlässigt fühlen. Einfachheit verändert sich dabei geschwind in Radikalität.

Wir befinden uns in einer Renaissance des Populismus.

Mehr und mehr Menschen sympathisieren mit Aktivisten und Strömungen, die opportunistisch und dramatisierend aktuelle Entwicklungen schildern und damit auf Wählerfang gehen. Ihre Netze füllen sich mit Protestwählern. Die Volksparteien sind nervös, wirken komatös.

Ob es ein amerikanischer Präsidentschaftskandidat ist, den die Tea Party lange belächelt hat und der nun mit Utopien auf dem direkten Weg ins Oval Office ist. Ob es einmal eine Piratenpartei war, die aus dem Nichts kam und genauso schnell wieder verschwand. Oder ob es die Bayern-SPD ist, die mosert, wenn der Freistaat Bayern stolz verkündet, keine neuen Schulden gemacht zu haben.

Sie alle sind konsequent gegen aktuelle Zustände. Dafür bieten sie schnelle und einfache Alternativen. Sie mindern damit Ängste und versprechen Sicherheit und Klarheit. Es ist an der Zeit, dass die großen deutschen Parteien sich besinnen und zu ihren Stärken zurückkehren.

Die Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt werden am kommenden Sonntag zeigen, welches Stimmungsbild die wahlberechtigten Bürger in diesen Bundesländern zeichnen. Es herrscht Nervosität wie vor einer Zeugnisvergabe. Die Befürchtung ist groß, dass die etablierten Volksparteien der Bundesrepublik dort Wählerstimmen verlieren an weit rechts von der Union angesiedelte Strömungen.

Ein Präjudiz für ein Eintreffen dieser Vorahnung gaben am vergangenen Wochenende die ersten Auszählungen zur Kommunalwahl in Hessen. Die etablierten Parteien verlieren in großem Umfang Stimmen.

Die AfD geht aller Voraussicht nach als Gewinner aus dem Rennen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist ein Fels in der aktuellen Brandung. Sie bleibt ihren Prinzipien treu. Und konsequent auf Kurs. Genau diese Art Leadership braucht unser Land.

Dürfte ich eine Wahlempfehlung aussprechen, so würde sie wie folgt lauten: Wenn Sie dagegen sind, bleiben Sie zu Hause. Sollten Sie dafür sein, gehen Sie bitte wählen und gestalten Sie damit einen konstruktiven und konsequenten Veränderungsprozess in diesem Land mit.

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