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15/12/2015 12:19 CET | Aktualisiert 15/12/2016 06:12 CET

Bringt Künstliche Intelligenz Star Wars oder das Paradies?

Javier Pierini via Getty Images

Die Vorführung durfte nicht gefilmt werden, Smartphones wurden vorher eingesammelt: dann kam "robot-dog", der Soldat der Zukunft. Nicht zufällig in der Größe eines deutschen Schäferhundes - wegen der perfekten Proportionen - , nur ungleich intelligenter, endlos ausdauernd und aus beliebiger Entfernung gehorchend.

Zunächst soll "Robby" nur Waffen und Munition tragen, im schwierigen Gelände, wo selbst Jeeps nicht mehr weiterkommen. Der aus Stahl und Carbon gefertigte "Hund" kann über Felsbrocken klettern, ohne dass die bis zu sechs Maschinenpistolen in der Rückenhalterung verloren gehen und auch die Munitionskiste wird ohne Murren transportiert.

Er sieht noch nicht jede Gefahr, aber über eine ausgereifte Wärmebildkamera sucht der Roboter selbsttätig Schutz, wenn voraus nicht zuordbare Menschen auftauchen. Auf die Frage, ab wann Robby auch eigenständig auf solche "Wärmebilder" schießen wird, gibt es erwartungsgemäß keine Antwort.

Technisch gesehen wäre das schon jetzt möglich, Star Wars ist in vielen Details umsetzbar.

Die Künstliche Intelligenz wird Robby immer weiter perfektionieren: unterschiedliche Größen, Bewegungsmuster, Schweißbildungen und Körpertemperaturen lassen aus sicherer Distanz eine Analyse zu, ob der Roboter Freund oder Feind gegenübersteht. Fehlinterpretationen werden passieren, aber diese passieren in den altmodischen, von Menschen geführten Kriegen schließlich auch.

Gegen diesen Kampfhund wirkt selbst "BigDog" von Boston Dynamics wie eine Schmalspur-Variante von Darth Vader, dabei ist BigDog schon recht gut dressiert.

Robby wird noch etwas können, was kein menschlicher Krieger vermag: er kann aus einem unerschöpflichen Reservoir an Bewegtbild- und Fotosequenzen jede denkbare Situation in Millisekunden mit einer aktuellen Situation abgleichen und dann die bestmögliche Handlung daraus ableiten.

Wird es einem Staatschef leichter fallen, eine Maschinenarmee in den Kampf zu schicken als eine menschliche? Wer wird den Zugang zu solchen Waffen-Systemen kontrollieren und regulieren?

Auch das selbstfahrende Auto kommt technologisch gut ohne Moral und Ethik aus. Nur, sollte ein selbstfahrender Wagen mit hohem Tempo auf eine ungesicherte Unfallstelle zufahren, könnte die Entscheidung nötig sein, ob auf die versammelten Unfallhelfer oder auf die im Unfallfahrzeug liegenden Verletzten zugesteuert wird.

Der Mensch trifft vermutlich keine bessere Entscheidung als der autonome Wagen, aber reicht das als Grund, solche Entscheidungen einer Maschine zu überlassen?

Und trotzdem wird Künstliche Intelligenz im Wesentlichen einen positiven Beitrag leisten, vorausgesetzt, dass sich Politik, Forschung und Unternehmen intensiv darum bemühen.

Immerhin setzen sich mit Tesla-Chef Elon Musk und LinkedIn-Gründer Reid Hoffmann jetzt zwei unbestrittene Fortschrittsfanatiker mit Milliarden-Summen dafür ein, "KI" im Sinne der Menschen und ohne ethische Dammbrüche zu nutzen. Musk hatte bereits zu Jahresbeginn Schlagzeilen gemacht, als er Künstliche Intelligenz als "grösstes Risiko der Menschheit" bezeichnete.

Bei dieser düsteren Warnung beließ er es nicht, jetzt geht es ihm zusammen mit anderen Digital-Milliardären darum, für die künstliche Intelligenz möglichst viele positive Anwendungen zu unterstützen.

In der OpenAI-Gruppe um Musk und Sam Altmann werden alle Forschunbgsergebnisse öffentlich gemacht. Das Gegenteil also von dem, wie die militärische Forschung mit "articial intelligence" umgeht.

Forschungsleiter von OpenAI ist Ilya Sutskever, einer der wichtigsten (und jüngsten) Vordenker in diesem potentiell menschheitsverändernden Bereichen: im Google Brain Team hatte er bereits drei Jahre lang mit vielen der weltweit wichtigsten Forscher an Zukunftsfragen gearbeitet.

Dass nicht nur Google, sondern auch amazon mit seinen gigantischen Serverkapazitäten das Projekt nachdrücklich unterstützt, hat sicher nicht nur uneigennützige, sondern natürlich auch wirtschaftliche Gründe. Entscheidend ist aber, dass sich alle Mitstreiter zur absoluten Transparenz verpflichtet haben.

Ob die Überwindung vermeintlich unheilbarer Krankheiten, die exakte Vorausberechnung von immer gefährlicher werdenden Klimaauswirkungen oder auch einfach nur die intelligente Steuerung von Verkehrsströmen: ohne Zweifel kann KI wie einst Dynamit viele Menschheitsträume real werden lassen, wenn mit dem ungeheuren Sprengstoff an Möglichkeiten vorsichtig umgegangen wird.

Viele Anwendungen werden Grautöne bleiben: wenn in wenigen Jahren nur noch Algorithmen darüber bestimmen, ob man einen Immobilienkredit bekommt oder nicht kann man das für überaus fair und objektiv oder unmenschlich und technokratisch halten.

Der vielleicht letzte Bankberater in der letzten Filiale wird sicher keine mehr Möglichkeit mehr haben, den Computer umzustimmen. Auch nicht, wenn er von seinem menschlichen Bauchgefühl her den Kredit bewilligt hätte.

Computer und WarDogs haben bei aller Intelligenz einfach kein Bauchgefühl!

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