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16/02/2016 12:02 CET | Aktualisiert 16/02/2017 06:12 CET

Bitte vergesst deutsche Kinder und ihr Wohl nicht

Ute Grabowsky via Getty Images

Letztes Jahr hat uns das Bild des von einem Polizisten an der türkischen Küste gefundenen toten, ertrunkenen Flüchtlingskindes erschüttert. Das brachte viele Menschen in Deutschland dazu, dass sie Flüchtlingen geholfen haben. Das ist sicher aller Ehren wert. Nur fragt man sich aber manchmal, warum nicht auch Berichte und Bilder von deutschen Kindern in Not uns mehr aufrütteln.

Davon gibt es ja auch mehr als genug. Beispielsweise auch an der deutschen Küste, Ostsee.

In den letzten Jahren war die Polizei in Kiel, der Hauptstadt von Schleswig-Holstein, und ander Behörden dort schon öfters in der Kritik. Zuletzt auch, weil dort wohl angeordnet wurde, dass Kriminalität von Flüchtlingen eher verschwiegen werden sollte.

Gefährliche "Schönfärberei" gilt aber auch für andere Bereiche

Gerade auch für Gefährdungen des Kindeswohls, wo auch immer wieder die Polizei und Behörden in der Kritik stehen. Es gab zwar zuletzt Untersuchungsausschüsse, aber da immer wieder etwas passiert werden doch anscheinend kaum tief und gründlich genug Konsequenzen getroffen.

So dass schreckliche Vorfälle - etwa brutale Misshandlungen von Kindern und Jugendlichen in Pflegefamilien und Einrichtungen - manchmal sogar schon verjährt sind, weil Ämter und Behörden viel zu lange Hilferufe (auch von Nachbarn und Pädagogen) nicht wirklich verfolgt haben. Und wenn geholfen wurde, dann oft nur mit angekündigten Besuchen, die natürlich wenig brachten. All das natürlich mit brutalen psychischen, physischen und sozialen Folgen für die Opfer.

Und gemessen beispielsweise an der Aufregung, die (natürlich völlig zurecht) etwa die Schandtaten in Köln und anderen Städten zum Jahreswechsel hervorgerufen haben, führen diese Skandale - by the way auch nicht in nordafrikanischen, sondern deutschen (Pflege-) Familien und Einrichtungen- eher zu wenig öffentlichem "Aufschrei".

Obwohl bundesweit darüber berichtet wurde. Etwa über den jüngsten Fall mit dem Titel

"Kindesmissbrauch in Kiel" in der FAZ vom 6. 2. 2016 zu lesen, wo es unter anderem heißt:

Die Kieler Behörden stehen nach dem Missbrauch eines siebenjährigen Mädchens in der Kritik. Nach einem Schulleiter erhebt nun auch die Mutter des Tatverdächtigen schwere Vorwürfe
.

Weiter heißt es dort:

„Ich habe überall um Hilfe gebeten"

sagte die 50 Jahre alte Frau den „Kieler Nachrichten". Ihr 30 Jahre alter Sohn soll ein Mädchen von einem Schulhof gelockt und missbraucht haben.

Die sich rechtfertigende Antwort der Polizei - man hätte nicht den Bedarf gesehen - wird dort vom Schulleiter und der Kriminologin Monika Frommel von der Kieler Christian-Albrechts-Universität kritisiert.

Und wenn man sich etwa eine Petition anschaut, die derzeit dem Landtag von Schleswig - Holstein vorliegt, fragt man sich auch, ob da nicht vieles tiefer gehende Ursachen hat:

Ein Pädagoge wirft dort der Kieler Polizei vor, dass diese kein Eingreifen nötig sah, als er sie um Unterstützung bat: Eine Mutter ließ ihre kleine Tochter über 10 Minuten schreien, nachdem sie gestürzt war und immer wieder um Hilfe der Mutter bat. Eine freundliche Bitte an die Mutter, nach dem Kind zu schauen, wurde zurückgewiesen ("ich bin die Mutter, das geht Sie gar nichts an- und das Kind hat den Schmerz verdient, wenn es zu doof ist und hinfällt").

Der deshalb unter "110" angerufene Polizist sah aber keinerlei Anlass, jemanden dorthin zu schicken und die Personalien aufzunehmen, damit nachgesehen werden kann (etwa vom Jugendamt), ob hier nicht akuter oder zumindest grundsätzlicher Hilfsbedarf für das Kind (und die Mutter) besteht.

Der Polizist sagte - was ein Tonbandmitschnitt des Telefonats bestätigt- sogar "ich habe mein Kind früher auch schreien lassen, das ist doch normal"

(Eine Beschwerde dazu wurde von Vorgesetzten des Beamten als unbegründet zurückgewiesen!).

Nein, das ist heute natürlich alles andere als normal, sondern eine Kindeswohlgefährdung!

Zumindest seelisch ist so das Wohl von Kindern - was nun auch gesetzlich so gesehen wird - gefährdet! Aber:

Gesetze müssen natürlich auch eingehalten werden, wozu aber natürlich auch entsprechendes Bewusstsein bei Ämtern, Behörden und nicht zuletzt der Polizei vorhanden sein muss

(weshalb oben genannte Petition auch dringend entsprechende Fortbildungen für Polizisten fordert).

Denn schlimmer geht es ja fast nicht mehr, wenn Betroffene oder Nachbarn und andere, die bei - zumindest möglichen - Gefährdungen, Vernachlässigungen, Missbrauch sich an die Polizei wenden dort hören, dass das "normal" sei!

Zumal man im Vorfeld, bevor etwas noch schlimmer wird und eskaliert ja auch - z. B. durch Familienhilfe- intervenieren, helfen könnte. Aber natürlich nur, wenn man nicht die Augen verschliesst vor Schandtaten bzw. Gefährdungen.

Und das auch nicht nur in Kiel, Schleswig- Holstein, sondern auch beispielsweise im benachbarten Hamburg. Wo vor Kurzem auch zum wiederholten Male ein kleines Kind - erst 1 Jahr alt - tot geprügelt wurde. Grausam und schockierend, zumal so etwas auch in Hamburg immer wieder vorkommt und das auch völlig unnötigerweise. Und u. a. auch der Chef der Deutschen Kinderhilfe, Rainer Becker, sieht erhebliche Versäumnisse des (Hamburger) Jugendamts.

Auch das mag, ebenso wie bei der Polizei, zudem an Unterbesetzung dort liegen.

So berichtete unter anderem (am 3. Juni 2014) die SHZ von

Harte Kritik an Hamburger Sozialdienst

Dort war auch zu lesen:

Der Leiter des Allgemeinen Sozialen Diensts (ASD) im Bezirksamt Hamburg-Eimsbüttel hat katastrophale Zustände bei der Betreuung von Kindern aus Problem-Familien offenbart

Und weiter:

„So wie der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) im Moment aufgestellt ist, ist er eigentlich nicht arbeitsfähig", bezeichnete Matthias Stein, leitender Mitarbeiter im Jugendamt Eimsbüttel, die aktuelle Situation in seiner Behörde

Zurecht fragte zudem beispielsweise die Bild am Sonntag dazut:

WARUM?

Es ist der sechste Fall in zehn Jahren! Das Versagen der Behörden

In der Tat! Denn auch beispielsweise die Welt titelte in einem Artikel bereits am 5. 2. 2012 mit

Diese toten Mädchen klagen Hamburgs Behörden an

Nach dem Tod von Chantal und weiteren Mädchen geht es um die Frage, warum ein 200 Millionen Euro teures Jugendhilfe-System versagt und Kinder in der Hölle lässt

.

Genau ...

Und das in Hamburg, einer der reichsten Städte der Welt.

Und eben auch sonst in Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt - wo auch einige Reiche bekanntlich immer reicher werden auf Kosten immer ärmer werdenden armen Menschen, nicht zuletzt auch Kinder! Und das, auch Armut und Hunger von Kindern in Deutschland oder wo auch immer, dürfen wir einfach nicht mehr so zulassen.

Zumal ja beispielsweise auch Berichte der UNESCO immer wieder darauf hinweisen, dass ein Bruchteil der Rüstungsausgaben - die zudem ja auch Fluchtursachen schaffen - auf der Welt ermöglichen könnten, dass kein Kind mehr hungern muss.

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