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22/02/2016 13:23 CET | Aktualisiert 12/02/2017 06:12 CET

Ökonom und Bestsellerautor: Deutschland geht es in Syrien nicht um die Menschen!

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Dirk Müller, ein international bekannter deutscher Börsenmakler und Buchautor, war gestern bei Markus Lanz (ZDF) zu Gast. Und was er dort sagte war wirklich sehr interessant - und

entlarvte viel an Heuchelei von, unter anderem deutschen, Politikern.

Er kritisierte unter anderem die weit verbreitete Ansicht - oder Heuchelei- dass es Ziel der militärischen Einsätze in Syrien sei dort Bürgerrechte, Menschenrechte und dergleichen zu schützen und sagte weiterhin dazu:

Es geht immer, auch Deutschland, nur um geostrategische Interessen

Natürlich würde dies nicht nur für Deutschland zutreffen, sondern auch für alle anderen Länder.

Müller, dem manchmal vorgeworfen wird etwas zu "Pro Russland" gesinnt zu sein, sagte dazu unter anderem - viel mehr sehr differenzierend klingend:

"Natürlich ist es aus strategischer Sicht so, dass der Russe seinen einzigen Mittelmeerhafen dort halten will. Wir machen aber auch immer nur das, was unseren geostrategischen Interessen des Westens gerade so hilft. Das kann man gut finden, das kann man schlecht finden - aber man muss doch Dinge beim Namen nennen. Und wenn wir dem Russen ankreiden "du darfst keine geostrategischen Interessen haben", dann dürften wir das auch nicht. Es geht doch aber nie um Bürgerrechte oder Menschenrechte, sondern immer nur um geostrategische Interessen".

Er vertrat ferner die Ansicht

"Unsere Bomben sind auch nicht besser". Und "es ist ein beiderseitiges Spiel um Macht"

Unter großem Applaus des Publikums sagte er zudem:

Unsere Bomben treffen auch nicht besser als die der Russen, uns kümmert auch nicht, wie viel Kinder draufgehen. Jede Bombe ist eine zu viel dort unten

Und:

"Im Moment machen beide Seiten etwas auf dem Rücken einer Bevölkerung, die sich überhaupt nicht wehren kann und die wir gegeneinander aufhetzen"

Müller, dessen zweites Buch "Cashkurs" bereits vor einiger Zeit kurz nach Erscheinen Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste erreicht hatte. war bereits mehrmals bei Ausschusssitzungen des Deutschen Bundestages (unter anderem am 27. Juni 2011) eingeladener Sachverständiger. Derzeit sollte man seine Argumente sicherlich auch mehr beachten ...

Zumal er mit seinen Ansichten sicher nicht alleine ist. Dass alle aktuellen Konflikte letztlich durch geostrategische Interessen, Kampf um Ressourcen und dergleichen zu erklären sind, wurde beispielsweise auch neulich in einem Vortrag eines Experten der IPPNW ( Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.) in Hamburg belegt.

Auch Markus Lanz pflichtete Herrn Müller in der Sendung bei und sagte, dass man ja Vieles wirklich mehr hinterfragen müsste - etwa Waffenlieferungen in sehr heikle Gebiete (wie Saudi- Arabien).

Und auch Georg Restle, Leiter von Monitor (WDR) sagte bereits in seinem Tagesthemen- Kommentar am 25. 8. 2015:

Die eigentliche Schande aber ist die deutsche und europäische Flüchtlingspolitik. Eine Flüchtlingspolitik, die die Ursachen für die Flucht von Millionen Menschen nicht bekämpft, sondern sie immer wieder aufs Neue schafft.

Und das belegte er dort weiter: "Zum Beispiel im Kosovo, wo auch diese Bundesregierung ihr Versprechen gebrochen hat, dem Land nach dem Krieg wieder auf die Beine zu helfen und stattdessen ein hochkorruptes Regime unterstützt, das die Menschen in die Flucht treibt.

Zum Beispiel in Syrien, wo diese Bundesregierung die Politik eines türkischen Präsidenten unterstützt, der islamistische Mörderbanden mit Waffen versorgt. Mörderbanden, vor denen Hunderttausende nach Europa fliehen.

Oder Afrika, wo der deutsche Außenminister einen Pakt mit den schlimmsten Despoten des Kontinents schließen will. Einen Pakt, der verhindern soll, dass politisch Verfolgte ihr Land verlassen können und sie stattdessen ihren Verfolgern ausliefert".

Er zog dann dort das Fazit:

Diese Politik ist eine Schande für dieses Land. Daran müsste etwas geändert werden. Mit kernigen Parolen allein ist jedenfalls niemandem geholfen

Ja - und mit Bomben für mehr als zweifelhafte Interessen - auch der Waffenindustrie- sicher auch nicht!

Wie beispielsweise in der Zeit vom 4. 12. 2015 zu lesen warnten auch Grüne und Linke wiederholt vor "planlosem" Syrien-Einsatz der Bundeswehr, der Jahre dauern kann mit unkalkulierbarem Risiko.

Und selbst wenn nach Umfragen die Mehrheit der Deutschen für solche Einsätze sein sollte, könnte - und sollte - sich dies ja bald ändern, wenn die genannten Hintergründe bekannter werden!