BLOG
29/10/2015 07:12 CET | Aktualisiert 29/10/2016 07:12 CEST

Warum einfühlsame Menschen länger leben

GettyImages

Es ist eine schon länger bekannte Erkenntnis, gerade in diesen Tagen erscheint sie aber brandaktuell, sehr interessant in verschiedene Richtungen:

Von der eigenen Freundlichkeit und Mitgefühl profitiere man auch gesundheitlich. "Aus der Hirnforschung wissen wir, dass das Geben bestimmte Hirnregionen anregt"

Das bezeugte der Professor für Psychologie an der University of California Dacher Keltner im Gespräch mit der Frauenzeitschrift FÜR SIE (12/09).

Weiterhin erläuterte der Wissenschaftler dort:

"Es werden chemische Stoffe ausgeschüttet, die uns glücklich machen."

Geben und Helfen stärke nachweislich das Immunsystem, man lebe länger und gesünder.

Mitgefühl sei insofern keineswegs ein Zeichen von Schwäche, wie man im Westen gern glaube (und das dort ja oft sogar mit "Helfersyndrom" oder dergleichen gleichsetzt).

Östliche Kulturen dagegen hielten es für eine dynamische und mächtige Emotion.

Und auch z. B. ein Artikel in der "Kölner Rundschau" vom 10. 8. 2015 ist überschrieben mit

Mitfühlende Menschen leben gesünder

Darauf folgend heißt es dort:

Mitgefühl nützt nicht nur dem anderen: Wer sich in andere hineinversetzen kann, lebt länger - wie jetzt zahlreiche Studien beweisen

Vielleicht logisch aber eben doch, da wissenschaftlich belegt, dabei auch sehr interessant:

Ferne Schicksale berühren die Menschen dabei weniger

Das ist ja beispielsweise auch gut ersichtlich, wenn man betrachtet was in Deutschland passierte als die "Flüchtlingskrise" offensichtlicher in Deutschland "ankam", am Hauptbahnhof von München usw. Man die Gesichter hinter Zahlen sehen konnte, einem das eben wirklich auch doppeldeutig näher gehen konnte.

Und beispielsweise auf RTL kam neulich ein Bericht über eine Frau, die früher auch über "die" Flüchtlinge hetzte, schimpfte. Bis sie einmal welche kennen lernte - und seither fast ihre ganze Freizeit nutzt um diesen zu helfen.

Das wäre sicher auch für einige andere Menschen empfehlenswert, "die" erst einmal genauer kennen zulernen, die dann vielleicht auch nicht mehr so fernen Schicksale, fremde Menschen.

Natürlich gehören da beide Parteien dazu. Nur ist es ja in Deutschland nicht so üblich- wie in anderen Ländern - einfach mal beim Nachbarn zu klingeln. Zumal wenn man in oft isolierten Flüchtlings-unterkünften wohnt und zu Beginn auch kaum die Sprache sprechen kann.

Für Helfer ist dabei zudem sicher auch nicht uninteressant (nicht zu vergessen), wie es dort auch heißt:

So haben Forscher aus den USA und Kanada jüngst zeigen können, dass Stress negative Auswirkungen auf das Mitgefühl hat

Was ja auch z. B. bedeutet, dass von Seiten der Politik Helfende natürlich auch unterstützt werden müssen- zumal wenn sie Aufgaben übernehmen, die eigentlich staatliche wären - wie ja inzwischen unzählige Helfer etwa vor dem Berliner LaGeSo oder in München usw. zurecht kritisieren.

Auch wenn dort weiterhin bewundernswertes Mitgefühl und praktische Hilfe gezeigt wird, sollte man das natürlich nicht überstrapazieren, sonst wäre das für die (auch psychosoziale) Gesundheit der Helfenden zumindest auf Dauer natürlich auch nicht gut, diese und natürlich auch traumatisierte Flüchtlinge brauchen auch profess. Hilfsangebote und natürlich auch ausreichend materielle Mittel und Fachkräfte vor Ort.

Und natürlich muss vieles auch behutsam(er) geschehen. An Orten, an denen bisher z. B. noch kaum Menschen ausländischer Herkunft wohnen plötzlich und ohne ausreichend Miteinbeziehen der Bürger sehr viele Flüchtlinge vorzufahren ist natürlich auch kontraproduktiv, erzeugt Stress und verhindert so in der Regel viel besser mögliches Mitgefühl.

Der im Artikel auch zitierte bekannte Arzt Werner Bartens. berichtet dort auch über zahlreiche Studien zum Thema, mit seinem Fazit daraus

Der Mensch ist von Natur aus in der Lage, Mitgefühl zu empfinden. Im Grunde ist es eine Art Instinkt

Den man zudem auch trainieren kann. Dieser muss aber natürlich auch ausgelöst werden, oft auch bewusst. In mehreren ARD- Reportagen wurde so z. B. berichtet, dass viele Menschen, die früher Obdachlose für (asoziale) "Penner" hielten (vielleicht weil ihnen das so anerzogen wurde oder warum auch immer), "Alkoholiker" usw. fast immer ganz anders über diese dachten, als sie sich einmal die Mühe machten diese etwas besser kennen zu lernen.

Zumindest mit ein paar Stunden Mithilfe bei der Bahnhofsmission oder dergleichen. Sie sahen, dass nahezu jeder dieser Menschen ein wirklich schweres Schicksal hinter sich hat, tragische Schicksalsfälle, die auch nahezu jeden von uns treffen können

Aus vielen Gründen auch eine sehr bereichernde Erfahrung.

Zumal "asozial" ja auch nichts damit zu tun hat, wie viel Geld man hat, welche Klamotten usw. Sondern damit, ob man sich sozial verhält oder nicht.

Und in der Tat sollte man Obdachlose und andere Bedürftige auch heutzutage nicht vergessen neben der natürlich auch aller Ehren werten Hilfe für Flüchtlinge. Denn deren aller Gesundheit ist ja, gerade auch in Wintermonaten, oft sehr gefährdet- auch in einem der reichsten Länder der Welt (wie Deutschland), wo schändlicherweise die Schere zwischen "arm" und "reich" sogar nach wie vor zunimmt, selbst die Lebenserwartung extrem mit dem Einkommen zusammen hängt und dergleichen. Was auch eine andere Politik, auch das Eintreten dafür, erfordert.

Und das natürlich auch nicht "nur" für Obdachlose und Flüchtlinge, sondern auch grundsätzlich für mehr sozialen Wohnungsbau, weniger Chancen-Ungleichheit auch bei Bildung usw., gerade auch in einem reichen Land wie Deutschland, wo ja Vieles auch viel sozialer, gerechter möglich wäre.

Für das Einsetzen für bessere gesellschaftliche Umstände, Strukturen, Systeme macht hierbei auch Mut, was u. a. auch Dacher Keltner erforschte:

" Nur die Stärksten überleben" lautet das Motto in unserer Gesellschaft. Eine These, der US-Wissenschaftler Dacher Keltner energisch widerspricht. "Meine Forschungen belegen, dass nicht nur die individuelle Stärke in der Evolution entscheidend ist, sondern vielmehr Eigenschaften wie Mitgefühl, Dankbarkeit, und Großzügigkeit"

Und das alles eben auch im eigenen Interesse, nicht "nur" aus humanistischen Erwägungen.

In o. g. Kölner Rundschau- Artikel wird dann auch abschließend festgehalten, bilanziert:

Immer mehr Studien deuten zudem darauf hin, dass Mitgefühl nicht nur für denjenigen, dem es zuteil wird, positive Auswirkungen hat. Es nutzt auch dem, der es empfindet. Gleich mehrere Untersuchungen haben sich damit beschäftigt, welchen Einfluss positive Gefühle wie Zufriedenheit, Verständnis und Mitgefühl auf die Gesundheit haben. So ermittelten Forscher, dass zufriedene, empathische Menschen im Schnitt siebeneinhalb bis zehn Jahre älter werden als unglückliche Zeitgenossen. Unter anderem werde durch Empathie das Immunsystem gestärkt und das Herzinfarktrisiko gesenkt. Jede Spende für einen Obdachlosen ist also auch eine Investition in die eigene Gesundheit.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Milliardär will Insel für Flüchtlinge kaufen - und sie nach totem Aylan benennen

Lesenswert:

Hier geht es zurück zur Startseite