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28/12/2015 09:39 CET | Aktualisiert 28/12/2016 06:12 CET

Warum gerade in Hamburg immer wieder Kinder grausam sterben - Untersuchungsausschuss gefordert

thinkstock

Wieder wurde ein kleines Kind - erst 1 Jahr alt - in Hamburg tot geprügelt. Grausam und schockierend, zumal so etwas in Hamburg immer wieder vorkommt und das auch völlig unnötigerweise:

Der Chef der Deutschen Kinderhilfe, Rainer Becker, sieht erhebliche Versäumnisse des Hamburger Jugendamts.

(wie u. a. in der FAZ vom 22.12.2015 zu lesen). Und nicht nur er kritisiert Hamburger Ämter und Behörden:

Das Sozialamt wusste, dass der kleine Tayler in großer Gefahr war. Bereits im August war er mit schweren Verletzungen in der Klinik. Da war er gerade neun Monate alt. Doch schon wenig später, im Oktober, entschieden die Sozialarbeiter, den Jungen zurück zu seiner Mutter und ihrem Lebensgefährten zu bringen

berichtete beispielsweise nun die Bild am Sonntag dazu - wo es auch weiter heißt:

WARUM?

Es ist der sechste Fall in zehn Jahren! Das Versagen der Behörden

In der Tat! Denn auch beispielsweise die Welt titelte in einem Artikel bereits am 5. 2. 2012 mit

Diese toten Mädchen klagen Hamburgs Behörden an

Nach dem Tod von Chantal und weiteren Mädchen geht es um die Frage, warum ein 200 Millionen Euro teures Jugendhilfe-System versagt und Kinder in der Hölle lässt

.

Auch dort wird zudem vom Versagen von Ämtern, Behörden

und dergleichen berichtet, die immer wieder mit bekannten Kindeswohlgefährdungen falsch umgehen. "Auch Bürgermeister Olaf Scholz sei stinksauer, heißt es aus dem Rathaus" ist dort noch zu lesen. Es sollte natürlich Alles aufgearbeitet werden und besser werden damals ... Natürlich.

Warum geschah dann aber nun der neue "Fall" des kleinen Jungen, ausgerechnet auch wieder in Hamburg?

Ja, Hamburg ist eine große Stadt, da kann natürlich auch Einiges passieren. Aber warum passiert gerade (nur) dort so oft so, auch verhältnismäßig, viel? Warum kam auch gerade (nur) dort ein jugendlicher Asylbewerber in diesem Jahr zu Tode? Auch das beklagte der Bürgermeister Olaf Scholz- es liege "ein Schatten auf Hamburg" deshalb.

Ja - nur müsste man dann ja endlich wirklich Licht ins Dunkle bringen

damit endlich einmal allseitig Ursachen für all das aufgedeckt werden (und damit auch beseitigt) werden können!

Nach dem Tod des jugendlichen Asylbewerbers in Hamburg geschah letztlich kaum etwas.

Und nach den fünf toten Kindern zuvor offensichtlich auch (zumindest) viel zu wenig.

Aber besteht daran wirklich Interesse?

Wie es auch in o. g. Welt - Artikel heißt, geht es offensichtlich darum

das System zu ändern

Besteht aber wirklich ein Interesse daran, dass da grundsätzlich etwas geändert und aufgearbeitet wird?

Wenn ja, gerade auch in Hamburg,

"Der Fisch stinkt vom Kopf her"

gelten könnte - also u. a. der klagende Oberbürgermeister und dessen Politik zumindest Teil des unguten Systems ist.

Wenn man nun erfährt, dass der Familienausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft am 6. Januar über den "Fall Tayler debattieren" will sind auch dazu Erfahrungen interessant, die man macht, wenn man sich etwa mit einer Petition an die Hamburger Bürgerschaft wendet - wie z. B. mit einer mir vorliegenden aus diesem Jahr.

Dort wird gebeten, dass endlich Jahre lange Versäumnisse in der Hamburger Flüchtlingspolitik aufgearbeitet werden, auch mittels einem Untersuchungsausschuss. Versäumnisse, die auch unzählige (Flüchtlings-) Kinder treffen, die in offenen Briefen zuletzt leitende Angestellte von Flüchtlingsunterkünften ebenso scharf kritisierten wie diverse Sozialverbände, Experten, Ärzte usw. in Hamburg.

Die (mir vorliegende) Antwort? Wie ein (sich selbst lobendes) Werbeschreiben der Presseabteilung der Regierenden in Hamburg. Auf die Kritiken, Forderungen bzw. Versäumnisse wird überhaupt nicht eingegangen - viel mehr werden die Verantwortlichen gelobt ... Und "eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus" denken viele Leser dieser Antwort.

Wundert das, wenn in dem Petitionsausschuss - ebenso wie in einem Familienausschuss - letztlich die Parteien, deren Vertreter das Sagen haben, die ja auch in der Regierung sitzen. Und letztlich verantwortlich sind für auch Ämter und Behörden - deren Anleitung und Kontrolle (bzw. Versäumnisse dabei).

Grundlegende Konsequenzen, irgendein Gedanke zu unzähligen Vorschlägen in der Petition und von o. g. Personen und Verbänden? Fehlanzeige!

Und alleine die Tatsache, dass sich selbst leitende Angestellte im Hamburger öffentlichen Dienst nur anonym äußern können, aus Angst vor Repressalien, spricht ja für sich - anstatt deren Wissen, Einschätzungen und wiederholte Warnungen zu nutzen wird das ignoriert, Gefahren verkannt oder schwer fahrlässig in Kauf genommen - kein Wunder, dass gerade auch in Hamburg dann immer wieder etwas passiert.

Hamburg rühmt sich in offiziellen Werbebroschüren als "schönste Stadt der Welt" und rühmt sich oft für seine vorbildliche Politik (z . B. auch bezüglich Flüchtlingen), als "Tor zur Welt" usw.

Das sehen allerdings unzählige, zunehmend mehr Menschen, Experten, Verbände auch in Hamburg selbst anders- aber das kümmerte die regierenden, selbstverliebten, Politiker bisher wohl kaum.

Allerdings wachsen zunehmend Proteste gegen diese Politik bzw. das Versagen der Politiker und Behörden.

Nicht "nur" wegen der nun unfassbar vielen toten Kinder. Auch die Ablehnung der Olympia-Bewerbung von der Mehrheit der Hamburger war sicher auch ein Denkzettel für die geplante "Hamburg ist toll" - Show der Regierenden. Denn natürlich hat Hamburg auch viele tolle Seiten, Menschen, ...

Aber die Politik dort ist sicher sehr suboptimal - und der Vorwurf u. a. auch von Sozialverbänden, dass die Politik dort auf Jahre z. B. den sozialen Wohnungsbau vernachlässigte betrifft ja nicht "nur" Flüchtlinge, sondern auch Deutsche - ungute Wohnverhältnisse erzeugen so ja auch familiäre Spannungen (mit evtl. fatalen Folgen).

Aber auch hier ist der Trend sogar negativ, gerade auch in Hamburg!

In einem Welt - Artikel vom 21.12.15 heißt es dazu (in der Überschrift, als Fazit) :

Flüchtlingsheime

"Hamburgs Sonderweg schafft die Gettos von morgen"

Weiterhin ist dort zu lesen:

Hamburg gehe mit den Plänen von Rot-Grün einen gefährlichen Sonderweg, so Fraktionsvize Karin Prien am Montag im Rathaus. Großunterkünfte mit 800 Wohneinheiten und entsprechend bis zu 4000 Flüchtlingen sei in der Form im Vergleich mit anderen deutschen Großstädten einzigartig. "Aus unserer Sicht gibt es keine Nachweise für die Notwendigkeit dieser Massenunterkünfte", betonte Prien.

Und diese Kritik ist wirklich begründet, wie auch dort zu lesen:

Um "Gettos von morgen" zu vermeiden, fordert die CDU bei der Unterbringung eine "integrationsfreundliche Durchmischung" - Bauten ausschließlich für Flüchtlinge lehnt die CDU ab. Der Wohnungsbau soll nach Willen der Christdemokraten verdreifacht werden, das Personal in den Bauämtern massiv aufgestockt werden.

Auch gegen Kürzungen an Mitteln und Personal im sozialen Bereich und bei vielen Ämtern (mit ebenso evtl. fatalen Folgen), Behörden usw. protestieren schon seit Jahren Gewerkschaften, Sozialverbände usw.

eben auch gerade in Hamburg - einer der reichsten Städte der Welt! Das ist ja auch mit der größte Skandal. Ebenso wie eine fatale

Schönrederei!

Offiziell bekundet gilt unter anderem "Ehrlichkeit" als Teil der Hanseatischen, also auch Hamburger, Mentalität.

Ein bekannter Unternehmensberater nannte als Teil der Mentalität vieler Verantwortlichen in Hamburg neulich aber eher

"Selbstverliebtheit" ... Was eben auch verhindert, dass man Dingen selbstkritischer auf den Grund geht.

Ja, das trifft wohl wirklich auf die "schönste Stadt der Welt" (?) zu, zumindest auf deren führenden Politiker - die, wie auch die Ablehnung ihrer Olympia- Bewerbung durch die Mehrheit der Bürger zeigte, auch zunehmend abgehoben sind von Nöten und Bedürfnissen der Hamburger Bürger.

Sowohl älterer, deutschen, als auch neuen Bürgern der Stadt. Während Hamburg sich derzeit offiziell wiederum rühmt und feiern lässt, dass die Gesundheitsversorgung für Flüchtlinge ja so vorbildlich wäre

kritisierte u. a. Deniz Celik (von der Hamburger Linksfraktion) in einer Pressemitteilung dazu am 20. 12. 2015:

Viele Geflüchtete haben massive Gewalt erfahren, sind traumatisiert und brauchen dringend eine umfassende medizinische Versorgung. Ziel muss daher der vollständige Zugang zur regulären Gesundheitsversorgung und somit Gleichbehandlung sein. Die Einführung der Gesundheitskarte in Hamburg ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, aber die derzeitige Zustellung mit einer Verspätung von bis zu sechs Monaten ist völlig inakzeptabel. Sie führt zu Versorgungslücken, die mit schweren Gesundheitsrisiken für die Geflüchteten verbunden sind. Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden

Und auch die Betreuung von psychisch traumatisierten Flüchtlingen sei ein riesiges Problem

Ja, in der Tat. Ebenso wie offensichtlich die psychosozialen Angebote auch für andere (deutsche) Familien.

So berichtete unter anderem (am 3. Juni 2014) die SHZ von

Harte Kritik an Hamburger Sozialdienst

Dort ist auch zu lesen:

Der Leiter des Allgemeinen Sozialen Diensts (ASD) im Bezirksamt Hamburg-Eimsbüttel hat katastrophale Zustände bei der Betreuung von Kindern aus Problem-Familien offenbart

Und weiter:

„So wie der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) im Moment aufgestellt ist, ist er eigentlich nicht arbeitsfähig", bezeichnete Matthias Stein, leitender Mitarbeiter im Jugendamt Eimsbüttel, die aktuelle Situation in seiner Behörde

Der Anlass seiner dort zitierten Aussage ist ebenfalls schockierend, nämlich der Tod der kleinen Yagmur in Hamburg letztes Jahr:

Das dreijährige Mädchen war kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres nach schweren Misshandlungen an inneren Blutungen gestorben - obwohl sie seit ihrer Geburt in der Obhut verschiedener Jugendämter stand

Und Herr Stein ist eben auch nur einer von unzähligen Kritikern.

Auf dementsprechende Kritiken wird aber auch schon seit Jahren nicht eingegangen, auch völlig verantwortungslos - und das scheint wirklich in Hamburg "System zu haben", ebenso wie Probleme einfach zu verharmlosen

Das zeigte nicht zuletzt z. B. neulich auch die Reaktion der Sozialbehörde in Hamburg auf öffentliche Warnungen von (auch international anerkannten, wie etwa Herr Dr. Trautmann ) Ärzten in Hamburg, dass in Flüchtlingsunterkünften und Zelten Infektionskrankheiten grassieren - die wahrlich fatale Folgen haben könnten. Die Antwort der Behörde?

Der Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde sagte dazu, dass nun halt Erkältungszeit sei, die Lage in den Zelten nicht so dramatisch, trotz aller o. g. Wahrheiten, Brandbriefen usw. ist das ja unfassbar (zu sehen in einem Bericht, Video der Welt vom 14. 10. 15 "Kranke Flüchtlinge wollen raus aus den Zelten").

Also kein besonderer Handlungsbedarf - es sei halt nur gerade Erkältungszeit ...

Es scheint viel mehr Zeit, dass das ganze "System" in Hamburg, die Politik dort, noch viel mehr hinterfragt und kritisiert werden, bevor noch mehr Kinder völlig unnötig getötet werden!

Denn auch wenn es einige schöne, gute Seiten in Hamburg gibt ­ - Vieles wird von Verantwortlichen einfach nicht gut genug, im Interesse des Kindeswohls und aller Hamburger, gemacht­ - zumal ja auch hier A. Einsteins Einschätzung gilt:

Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, 

solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt.

Und (gerade) auch in Hamburg gibt es unzählige unglückliche -  bzw. sogar ermordete - Kinder, zumindest mit großer Mitverantwortung von der Politik daran! 

Die auch auf Kosten der Leistungen und Hilfen für Familien und Sozialleistungen spart, aber sich (dafür) protzige Milliarden- Denkmäler wie die Elbphilharmonie oder Olympia setzen will.

Auf solch eine Politik sogar (selbstverliebt) stolz zu sein ist erbärmlich !

Und anstatt nun wieder einen Ausschuss untersuchen zu lassen, der wieder nur an Symptomen herum doktert bedarf es endlich einen Untersuchungsausschuss, der die ganzen, grundsätzlichen politischen Versäumnisse und Gefährdungen des Kindeswohls von den Regierenden untersucht und transparent macht, was aber auch (politisch) den Kopf des "stinkenden Fisches" kosten könnte - zumindest muss der Oberbürgermeister und alle Regierenden in Hamburg endlich wirklich zur Rechenschaft gezogen werden.

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