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03/03/2016 06:55 CET | Aktualisiert 02/03/2017 06:12 CET

Flüchtlingskonferenz: "Wir sind hier, weil Ihr unsere Länder zerstört!"

dpa

Wie unter anderem Focus online (am 26. 2. 2016) berichtete treffen sich Tausende Flüchtlinge und Unterstützer aus vielen europäischen Ländern derzeit auf einer Konferenz in Hamburg, auf dem Veranstaltungsgelände Kampnagel.

Mehr als 2000 Schutzsuchende und Unterstützer hatten sich zu der dreitägigen Veranstaltung angemeldet.

Themen der Diskussionsrunden und Workshops waren Gründe der Flucht, die verschärfte Asylgesetzgebung, die Lage an den europäischen Grenzen und die politische Selbstorganisation der Schutzsuchenden. Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard sagte dazu:

Immer wird über Flüchtlinge gesprochen, aber sie kommen kaum selbst zu Wort.

Die Konferenz, die am Sonntag endete, sei wohl das bisher größte Treffen von Flüchtlingen, Migranten und deren Unterstützern.

Auch die Welt berichtete, dass die erste "International Conference of Refugees & Migrants" zur größten Flüchtlingskonferenz des Kontinents geworden sein könnte, zur "Konferenz von Flüchtlingen für Flüchtlinge".

Rassismus, Sexismus - von Flüchtlingen und Deutschen - und die veränderte Asylgesetzgebung in Deutschland standen unter anderem auch auf der Tagesordnung.

Warum werden nicht endlich Waffenexporte in Krisenregionen gestoppt?

Nach einem Bericht des Deutschlandradios (vom 28. 2. 2016) wurde vor allem Kritik an der deutschen Asylpolitik geübt: an den schleppenden Verfahren, an der Residenzpflicht, an fehlenden Integrationsangeboten und daran nicht sofort eine Arbeit annehmen zu dürfen.

Viel zu lange müssten die Menschen in den Erstaufnahme-Unterkünften bleiben, ohne Kontakt zur Gesellschaft und deshalb ohne die Möglichkeit, mit der deutschen Gesellschaft überhaupt in Kontakt zu kommen.

Die deutsche Politik müsse sich auch fragen lassen, warum nicht endlich Waffenexporte in Krisenregionen gestoppt und lokale Konflikte auf diese Weise angeheizt werden.

Organisiert wurde die Konferenz von der Gruppe "Lampedusa in Hamburg" und anderen Flüchtlingsorganisationen.

"Wir stellen nur unsere Räumlichkeiten zur Verfügung und unterstützen die Veranstalter bei der Durchführung", sagte Claire Diraison, Sprecherin des Kulturzentrums in Winterhude.

Reisekosten und Verpflegung werden durch Spenden gedeckt, zudem konnte unter anderem der FC St. Pauli als Sponsor gewonnen werden.

Bei der Konferenz handelt es sich demzufolge um das bisher größte Treffen von Geflüchteten für Geflüchtete in Europa. Die Resonanz, das Interesse und Hilfe dabei war offensichtlich enorm.

Um Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste von außerhalb gewährleisten zu können, wurde in der Vorhalle des Veranstaltungsorts ein eigenes, temporäres Konferenzhotel errichtet. Zusätzlich hierzu konnten 700 private Schlafplätze organisiert werden.

Ziel der dreitägigen Veranstaltung sollte es sein, in Workshops und Podiumsdiskussionen die Netzwerke zwischen Geflüchteten zu stärken und weiterzuentwickeln. In diesem Rahmen sollten auch die aktuelle Flüchtlingssituation in Europa und Fluchtgründe, wie Vertreibung, Enteignung und Krieg thematisiert werden.

Die Flüchtlinge wollen für mehr Rechte kämpfen.

Laut Focus online (am 28.02.2016) wollen Flüchtlinge als Ergebnis der Konferenz für mehr Rechte kämpfen, dabei setzen sie vor allem auf den Aufbau von gegenseitiger Hilfe und Vernetzung.

"Wir sind hier, weil Ihr unsere Länder zerstört!" heißt es demnach auf einem Transparent der "Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und Migrantinnen" im Foyer der dicht bevölkerten Hamburger Kampnagelfabrik, wo unter anderem auch "Kein Mensch ist illegal" zu lesen war.

Rückhalt bekommen die kämpferisch auftretenden Asylsuchenden dabei auch von Helfern.

"Mir ist das Wichtigste, dass diese internationale Konferenz zu einem Zeitpunkt stattfindet, an dem ich mich für die europäische Flüchtlingspolitik schämen muss" sagte dort beispielsweise Beate Gleiser, 66- jährige Unterstützerin der Hamburger "Lampedusa"-Gruppe, dem Focus.

Und, dazu befragt: "Ihr Wunsch an die Politik?" - "Mehr Solidarität"

Das bedarf aber in der Tat auch Widerstand - gemeinsam mit solidarischen Deutschen, im gemeinsamen Interesse - gegen die Politik. Zurecht von dem Leiter von Monitor (WDR), Georg Restle, in den Tagesthemen vom 25.08.2015 als Schande kritisierte wurde.

Aber wir sollten uns nicht täuschen: Klar, die rechtsextremen Gewalttäter und ihre brav-biederen Unterstützer sind eine Schande für dieses Land. Die eigentliche Schande aber ist die deutsche und europäische Flüchtlingspolitik. Eine Flüchtlingspolitik, die die Ursachen für die Flucht von Millionen Menschen nicht bekämpft, sondern sie immer wieder aufs Neue schafft.

Dass die Geflüchteten durchaus großes Interesse haben mehr gehört, wahrgenommen und beteiligt zu werden, als Subjekte, Individuuen berichtete auch die Zeit online am 29. 2.2016. Sie nannte beispielhafte Stimmen dafür in ihrem Artikel "Bislang meist sprachlos".

"Endlich stellen wir mal Fragen"drückte es etwa der Marokkaner Mojib aus, dessen zerrüttete Heimat zum sicheren Drittstaat erklärt werden soll.

Helferin Sibylle aus Marseille, deren Aufnahmeeinrichtung dank Frankreichs rigider Einreisepolitik leerer sei als vor der "Krise", sagte: "Endlich nehmen Refugees ihr Schicksal in die Hand."

Flüchtlinge sollten nach ihrem Verhalten verurteilt werden - nicht nac ihrer Herkunft.

Dazu muss ihnen aber natürlich erst einmal mehr die Gelegenheit geboten werden.

Unterstützung, Hilfe auch zur Selbsthilfe- und Solidarität. Anstatt Spaltung zwischen Deutschen und Flüchtlingen oder sogar zwischen diesen.

So empfindet es etwa auch Abimbola Odugbesan von der Gruppe "Lampedusa Hamburg": "Endlich werden wir nicht in gute und schlechte Flüchtlinge gespalten."

Wie unter anderem in der Zeit und Welt zu lesen, sind dabei durchaus auch Kritiken über Flüchtlinge zu hören, die sich (etwa in Köln) nicht anständig benehmen. Nur sollten eben nach ihrem Verhalten beurteilt werden - und nicht nach ihrer Herkunft.

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