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14/12/2015 05:57 CET | Aktualisiert 14/12/2016 06:12 CET

Flüchtlingshelfer: Wir sollen gar nicht optimal helfen!

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Fast unglaublich aber, leider, wahr: Mitarbeitern in Flüchtlingsunterkünften wird wiederholt untersagt sich (noch) besser für Flüchtlinge einzusetzen!

Immer wieder ist davon zu hören, dass Beschäftigte in Flüchtlingsunterkünften und ehrenamtliche Flüchtlingshelfer nicht mehr können. Dass sie am Ende ihrer Kräfte sind, ausgepowert.

Deshalb müssen angeblich verschärfte Maßnahmen wie Abschiebungen und Grenzschließungen, "Grenzen dicht" ergriffen werden. Das ist dann ja auch eine "zwangsläufige" Schlussfolgerung, zweifellos. Oder?

Hört man Geschichten wie die folgenden muss man eher daran zweifeln, dass das wirklich eine so "zwangsläufige" Schlussfolgerung ohne Alternativen ist:

Ein Mitarbeiter einer der größten deutschen Flüchtlingsunterkünfte (in Hamburg) wollte bereits im Frühjahr eine Petition als Reaktion auf diverse Missstände in Hamburger Unterkünften schreiben - inklusive vieler Verbesserungsvorschläge aus dem Mitarbeiterkreis, damit Vieles besser laufen könnte.

Das wurde ihm von einer Vorgesetzten schriftlich - wie mir vorliegend - untersagt (obwohl er dies als Privatperson durchführen wollte- was eigentlich ein u. a. durch das Grundgesetz geschütztes Recht ist)!

Ebenso untersagt wie die Anregung, vor der Riesen- Unterkunft endlich öfters einen Bus fahren zu lassen, was für mehrere Tausende Flüchtlinge dort - darunter hunderte kranke, ältere, gehbehinderte, schwangere usw. (die ansonsten ca. 30 Minuten zur S-Bahn gehen müssen, wenn sie zu Ärzten, Rechtsberatungen oder auch nur zum Einkaufen müssen) eine große Erleichterung wäre.

Und dies nach nun Jahre langem Bestehen der Einrichtung- mit unmittelbarer Nähe zu einem der größten Busparkplätze in ganz Hamburg ...

Und selbst der Vorschlag eines großen Benefizkonzertes für Flüchtlinge in Hamburg durfte nicht gemacht werden (schriftliche Nachweise zu all dem liegen vor), was beispielsweise einige Zeit später in München sehr erfolgreich veranstaltet wurde.

Vorschläge einiger Mitarbeiter, dass die Container der Flüchtlinge bunter gestaltet werden könnten, um sie wenigstens etwas lebensfroher zu gestalten, wurden auch einfach abgelehnt.

Und am Geld lag all das nicht - aber vielleicht daran, dass in Hamburg zumindest von Seiten des Bürgermeisters dort eine ähnliche Politik verfolgt wird wie etwa von der bayerischen CSU (was dem OB Olaf Schulz, SPD, auch schon von vielen SPD- Mitgliedern und selbst von der Opposition von CDU und FDP wiederholt Kritiken einbrachte)?

Zudem berichteten zuletzt auch wiederholt in Hamburg leitende Angestellte von Flüchtlingsunterkünften in einem "Brandbrief" von, auch anhaltenden, Jahre langen Versäumnissen von Stadt, Land und Bund, die auch immer wieder viele Vorschläge für Verbesserungsvorschläge, oft auch sogar mit Kosten- Ersparnissen (!), ignoriert hatten. Diese Kritiken teilen dort in Hamburg, einer der reichsten Städte der Welt, auch mehrere Sozialverbände und die Diakonie, Opposition usw.

Was "zu schaffen" ist hängt also offensichtlich nicht (nur) vom Geld ab, sondern auch vom (auch politischen) Willen, welche Lobbys es gibt und welchen Einfluss diese haben

.

Während etwa kleine Orte, wie etwa das dafür mittlerweile bekannt gewordene Hardheim (mit etwa 4000 Einwohnern), nun ja sogar über die Hälfte oder sogar ein Vielfaches ihrer Einwohnerzahl an Flüchtlingen aufnehmen, wurden etwa im vermögenden Hamburger Stadtteil Harvestehude (mit über 17 000 Einwohnern) erst nach Protesten Hamburger Bürger (nur) weniger als 200 Flüchtlinge akzeptiert.

Zum Unmut vieler anderer weitaus ärmeren Stadtteile, die gerne Tausende Flüchtlinge aufnahmen - aber sich dann verständlicherweise auch über ungerechte Verteilungen ärgerten.

Zumal auch o. g. leitende Angestellten in ihrem "Brandbrief" zurecht vor einer "Ghettoisierung" warnten, wenn Flüchtlinge wie nun geplant perspektivisch in Stadtrandbezirke oder sowieso schon soziale Brennpunkt- Stadtteile verbannt werden, obwohl es ja bei besserer Verteilung auch ganz anders ginge. So seien auch die Akzeptanz der Flüchtlinge und deren Sicherheit und Integration zunehmend gefährdet, die Gefahr zunehmender Fremdenfeindlichkeit könnte so ja auch zunehmend wachsen. Und das wiederum eigentlich auch völlig unnötig.

Auch z. B. aus Berlin weiß man, dass viele "Ausländer" früher gerne in ganz Berlin wohnhaft geworden wären - ihnen wurde aber auferlegt das primär etwa in Berlin- Kreuzberg oder - Neukölln zu tun, das heute ja oft auch als Sinnbild unguter Integration und "Parallelgesellschaften" genannt wird. Aber das wurde ja von der Politik eben so erzeugt, nun auch wieder in der aktuellen Situation in Hamburg usw.

Aber vielleicht will man das ja auch gar nicht anders? Vielleicht will man ja Konflikte erzeugen, damit man Rechtfertigung für mehr "Abgrenzung" hat?

Auch - aber auch nicht nur - in Hamburg. 

Wo z. B. auch der Vorsitzende des Grundeigentümerverbandes H. Stüven im Hamburger Abendblatt - Interview ( am 13. 10. 15) nicht "nur" kritisierte, dass dort

viel zu wenig Unterstützung von Hilfsorganisationen in Anspruch genommen wird.

Sondern er dort auch noch bemängelt hatte, dass Tausende für Flüchtlinge angebotene Immobilien erst gar nicht angeschaut wurden von Verantwortlichen dort, - darunter sicher nicht nur alles "Schrott- Immobilien". Während nach Zeitungsberichten ein Containerplatz pro Flüchtling etwa 20 000 Euro kostet werden weitaus bessere und günstigere Wohnungs- Angebote ignoriert ... Herr Stüven sagte dazu weiter in dem Interview:

„Leider hat die Verwaltung derartige Initiativen der Eigentümer nicht ernst genommen und viele Angebote stattdessen mit Formschreiben abgelehnt. Man hat sich die Immobilien nicht einmal genauer angeschaut. Damit wird Willkommenskultur kaputt gemacht."

Ja, in der Tat. Und so natürlich auch Flüchtlinge - auch Kinder, Kranke, Schwangere usw.- und auch Helfer, Mitarbeiter überfordert und (noch) kränker gemacht bzw. auch depressiv oder aggressiv - was dann sogar noch schamlos genutzt wird um diese zum Sündenbock zu machen für "nötige härtere Maßnahmen" (und natürlich erst Probleme schafft, so auch Helfer zunehmend entnervt werden).

Zunehmend mehr Menschen, Experten, Flüchtlinge, Flüchtlingshelfer usw. fragen sich deshalb nun, ob überhaupt gewollt ist, alles Mögliche zu tun um Flüchtlingen zu helfen und diese aufzunehmen.

Und das ja auch nicht nur in Hamburg, sondern auch z. B. in München - (ausgerechnet) ebenso wie Hamburg ja eine sehr reiche Stadt- mit auch, ebenso wie z. B. Hamburg, Tausenden ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern. Aber zuletzt ging dort wohl auch gar nichts mehr. Wirklich? Ein Bericht in der Süddeutschen Zeitung vom 23. 10. 15 lässt da doch auch Fragen aufkommen, wenn dort zu lesen ist, dass Tausende Helfer alleine in München und viele Ressourcen gar nicht genutzt werden

- Etwa 5000 Münchner haben sich demnach derzeit bei der Flüchtlingshilfe am Bahnhof registriert.

Die Situation sei

demotivierend für die Freiwilligen

sagt Dominik Herold vom Koordinationsteam der Flüchtlingshilfe am Hauptbahnhof.

Und

"Es spielen sich dramatische Situationen an den Grenzen ab, die Menschen stehen im Regen, während wir hier weiterhin im Stand-by-Modus sind"

sagt er - und weiter heißt es dort

Aber vielleicht sei das ja so gewünscht. Dadurch werde das Bild vermittelt, dass die Kommunen völlig überfordert sind, sagen viele Helfer, während in München Kapazitäten und vorhandenes Engagement nicht genutzt werden. "Wenn wir sehen, was in anderen Städten und an der Grenze los ist, dann können wir nicht nachvollziehen, warum hier alles leer ist", sagt Karim vom Koordinationsteam der Flüchtlingshilfe am Hauptbahnhof.

Soll so ein falsches Bild von Verantwortlichen erzeugt werden, um eine bestimmte Politik zu rechtfertigen- Asylbewerber-bzw. Abschiebungs- Beschleuniger- Gesetze und dergleichen?

Vieles, auch der zuvor genannten Erscheinungen, spricht doch zunehmend dafür!

Wenn etwa in Hamburg viele ärmere Stadtteile wirklich überfordert werden, während ein Stadteil wie Harvestehude dort sich weigert auch mehr Menschen aufzunehmen und dort einige Bürger zugegeben haben, dass sie einfach nicht so viele Flüchtlinge dort haben wollen ist das wirklich beschämend. Zumal dort viele Unternehmer wohnen, die später auch noch von Fachkräften aus Syrien usw. profitieren, Sprachkurse für diese von Steuergeldern bezahlt werden und gleichzeitig an Ausbildungen von auch Deutschen sowie mehr sozialem Wohnungsbau (für Deutsche und Flüchtlinge) gespart wird usw.

In einem so reichen Land wie Deutschland, in dem auch aufgrund ungerechter Steuerpolitik immer mehr Menschen immer ärmer werden und dafür einige Menschen immer reicher, die auch eine große Lobby für (ungute) Politik haben. In der anscheinend gar nicht gewollt ist, dass Vieles (besser) geschafft werden kann - was mit zunehmend mehr Protesten gegen all das beantwortet werden sollte, im Interesse der Flüchtlinge aber auch sonstigen Bevölkerung.

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