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02/11/2015 07:10 CET | Aktualisiert 02/11/2016 06:12 CET

Liebe Flüchtlingshelfer, lasst euch nicht missbrauchen!

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Ja, auch ich habe gerne ehrenamtlich Flüchtlingen geholfen (und tue das auch weiterhin).

Wie unzählige andere Menschen u. a. in Deutschland auch.

Als eine wahrlich tolle, gute, nötige Sache- darauf kann man sicher auch zurecht stolz sein.

Nur ist spätestens jetzt auch Vorsicht geboten-

die Gefahr, dass Hilfsbereitschaft ausgenutzt wird für gar nicht gute Zwecke wächst

Und das wird zunehmend fragwürdig - vor allem mit weiterhin zunehmend mehr Flüchtlingen.

Dass viele Fragen bislang eher unterdrückt wurden ist da doch auch sehr kontraproduktiv.

Wenn nun schon Politikern von den Grünen bis zur CDU "Maulkörbe" auferlegt werden, wie vielen Oberbürgermeistern, und nun schon Partei- Ausschlüsse gefordert werden für Kritiker des "wir schaffen das" ist wirklich eine fatale Grenze erreicht. Und das ist nicht nur ein gefundenes Fressen für z. B. Pegida- Anführer, die Unmut aufgreifen. Sondern hilft auch, eine Politik weiter fortzuführen, die wahrlich auch nicht im Sinn der Gründungsväter und -mütter der Grünen, von Christen (auch in CDU und CSU) und Sozialdemokraten ist ...

Kritische Stimmen da gleich in rechte Richtungen einzutüten ist kaum hilfreich. Und wohl nicht zu Unrecht nennt so etwa ein (FAZ-) Blog- Beitrag von "Don Alonso" am 25. 10. 15

Verschweigen und Stigmatisierung: Einstiegsdrogen für Pegida

Zumal viele kritische Stimmen ja nur sagen, dass es SO (wie es derzeit läuft) nicht zu schaffen ist. Und dass man sich andere Lösungen überlegen muss.

Zumal wirklich, was nun schon mehrere kritische Stimmen sagten, auch erst einmal mehr zu fragen wäre: W a s genau wollen wir eigentlich schaffen?

Es hört sich gut an: Alle Flüchtlinge integrieren, auch in den Arbeitsmarkt.

Aber was wäre denn dann eigentlich erreicht, wenn das so weiter geht?

Viele deutsche Unternehmer hätten (fast) fertige Fachkräfte aus Syrien usw. - fast umsonst.

Sprachkurse für diese werden aus Steuergeldern bezahlt.

Die Fachkräfte fehlen aber in ihren Ländern- Syrien, Afghanistan, in Afrika, Kosovo usw. - zum (Wieder-) Aufbau der Länder dort. Ebenso wie ein Großteil der Jugend, jungen Menschen dieser Länder.

Damit werden sie aber zu großen Teilen auch ihrer Zukunft beraubt!

Und in Deutschland setzt sich weiter fort, dass es eine international mit führende ChancenUNgleichheit gibt - arme Menschen haben hier bekanntlich kaum Chancen aus der Armut herauszukommen und gute Bildung, damit eine gute Zukunft zu haben.

Wenn gefordert wird, dass endlich Milliarden- Profite der Unternehmer in bessere Ausbildung und (durch andere Steuerpolitik) auch Bildung investiert wird, auch mehr für Deutsche, ist das ja eine berechtigte Forderung (die man nicht nur Pegida und Co. überlassen sollte).

Und es sollte auch endlich mehr in den sozialen Wohnungsbau investiert werden - für Deutsche und Flüchtlinge.

Statt sich hierfür gemeinsam einzusetzen bekriegen sich aber derzeit, zumindest verbal, unzählige Flüchtlings-und Pegida- Gegner und Anhänger

Man sollte sich aber ja nicht vor die Karren unguter Politiker - nicht nur von Pegida- spannen lassen.

Und außer Pegida und dergleichen muss man da auch viele andere weitaus kritischer betrachten.

Unter anderem darauf wies z. B. Georg Restle (der Leiter von ARD- Monitor) am 25.08.2015 in einem Tagesthemen - Kommentar hin, leider zu später Stunde gesendet, obwohl genau diese Sachen sehr wichtig auch für echte Lösungen sind:

Aber wir sollten uns nicht täuschen: Klar, die rechtsextremen Gewalttäter und ihre brav-biederen Unterstützer sind eine Schande für dieses Land.

Die eigentliche Schande aber ist die deutsche und europäische Flüchtlingspolitik. Eine Flüchtlingspolitik die die Ursachen für die Flucht von Millionen Menschen nicht bekämpft, sondern sie immer wieder aufs Neue schafft.

Ja, in der Tat. Und er nennt auch einige Beispiele, wie

im Kosovo, wo auch diese Bundesregierung ihr Versprechen gebrochen hat, dem Land nach dem Krieg wieder auf die Beine zu helfen und stattdessen ein hochkorruptes Regime unterstützt, das die Menschen in die Flucht treibt.

oder

Zum Beispiel in Syrien, wo diese Bundesregierung die Politik eines türkischen Präsidenten unterstützt, der islamistische Mörderbanden mit Waffen versorgt. Mörderbanden, vor denen hunderttausende nach Europa fliehen.

Oder Afrika, wo der deutsche Außenminister einen Pakt mit den schlimmsten Despoten des Kontinents schließen will. Einen Pakt, der verhindern soll, dass politisch Verfolgte ihr Land verlassen können und sie stattdessen ihren Verfolgern ausliefert.

Und er schlussfolgert dort

Diese Politik ist eine Schande für dieses Land. Daran müsste etwas geändert werden. Mit kernigen Parolen allein ist jedenfalls niemandem geholfen.

Ja. Und diese Politik läuft ungehindert weiter - produziert Millionen Flüchtlinge. Um die sich netterweise nun wohl auch schon Millionen Deutsche toll kümmern. Aber die schändliche Politik aus deutschen Landen wird so eben auch nicht unterbunden

Solange diese Politik, das System funktioniert und nicht zusammen bricht und nicht genug Widerstand dagegen entwickelt wird ist auch eine Änderung nicht zwingend nötig

Natürlich sind die Flüchtlingshelfer nicht Schuld an der Politik, tragen deren "Funktionieren" aber ungewollt mit, denn ohne sie wäre ja schon lange vieles zusammen gebrochen.

Das bedeutet sicher nicht, dass man Flüchtlinge im Regen (und Kälte usw.) stehen lassen sollte. Aber dass man fordernder gegenüber der Politik werden muss (sonst wird man letztlich doch auch für eine grundsätzlich schlechte Politik missbraucht). Auch aber nicht nur im Sinn der Flüchtlinge, sondern noch weitaus mehr Menschen.

Und wie viele Menschen sagen heute "ja, klar, man müsste auch mehr gegen Ursachen tun" oder "klar muss man auch deutschen Obdachlosen helfen" usw. Aber tatsächlich, in der Tat? Da setzen sich nun wahnsinnig viele Menschen in der alltäglichen Hilfe für Flüchtlinge ein. Spenden Geld, enorm viel Zeit.

Aller Ehren wert!

Sie reden nicht nur "man müsste denen helfen". Sie helfen, tun etwas für Flüchtlinge.

Aber wie viele tun auch wirklich etwas gegen Ursachen?

Auch gegen Chancenungleichheit, zu wenig sozialen Wohnungsbau usw. in Deutschland? Das muss dringend wieder mehr auf die Agenda. Für Flüchtlinge UND Deutsche.

Denn ohne das wird es natürlich zu "Verteilungskämpfen" um ansonsten zu wenig Wohnungen usw. kommen. Was Pegida und Co. zugute kommt. Und nicht zuletzt eine schlechte Politik duldet.

Und nicht nur Flüchtlinge kamen ja unverschuldet in Not- das taten auch Millionen Deutsche wegen zumindest sehr suboptimaler Politik, zu wenig sozialem Wohnungsbau usw. seit zig Jahren.

Und natürlich wäre viel geholfen, wenn endlich Flüchtlinge früher arbeiten dürften. Sie könnten dann selbst sogar noch Steuern zahlen und Wohnungen mieten - anstatt dass völlig überteuerte Container zu Traum- Profiten für Hersteller, Unternehmer gekauft werden und Menschen dort (oder sogar in Zelten) menschenunwürdig wohnen müssen, krank werden.

Auch dazu muss noch mehr politischer Wille, Widerstand organisiert werden - Initiativen, Proteste, Demonstrationen, gewerkschaftliches Engagement usw. Denn "nur" Menschen in Zelten usw. zu helfen hält, wenn es auch noch so gut gemeint und erst einmal nötig ist, ja doch ein System aufrecht, das nicht einmal suboptimal ist und ja eben auch ganz anders ginge

Aber selbst mit errungenem mehr sozialen Wohnungsbau usw. können natürlich auch nicht alle Flüchtlinge in Deutschland oder Europa unter kommen, wenn weiterhin ganze Kontinente ausgebeutet werden und durch die Zerstörung der Umwelt in vielen Ländern nun auch noch unzählige Milllionen "Umweltflüchtlinge" zusätzlich entstehen können

Das bedarf einer anderen Weltwirtschaftspolitik, für die wir uns hier gemeinsam mit den Betroffenen einsetzen müssen. Ebenso wie gegen nun auch noch gesteigerte Waffenexporte aus Deutschland auch in sehr heikle Gebiete usw.

Viele ehrenamtliche Flüchtlingshelfer in Berlin, München, Hamburg usw. kritisieren zunehmend mehr, dass sie Aufgaben erledigen die eher der Staat erledigen - oder zumindest mehr unterstützen- müsste.

Das stimmt sicherlich. Und an Geld mangelt es sicherlich auch nicht in einem der reichsten Länder der Welt. Zumindest nicht bei anderer Politik.

Aber zudem ist eben auch immer dringender, dass man auch die Frage stellt wem das überhaupt nützt - wenn es so weiter geht wie bisher. Und ob es nicht ganz anderer Politik und Ziele - etwa der oben genannten - bedarf. Wenn die Integration selbst wenn sie gelingen sollte eventuell dazu führen könnte, dass Deutschland Fachkräfte- Mangel (wenn es den überhaupt wirklich gibt) überwindet dank vieler Flüchtlinge.

Aber diese dem Balkan, Kosovo, Syrien usw. zunehmend entzogen werden, Kriege weiter wüten, die Umwelt weiter zerstört wird in (eigentlich reichen) "armen" Ländern.

Wirklich humanistisch gesinnte - und das sind ja sicher die meisten - Flüchtlingshelfer wollen das ja sicher nicht.

Und wenn es wohl auch selten so viele hilfsbereite Menschen in unserem Land gab - erfreulicherweise- so gibt es andererseits doch zu wenig o. g. politischen Proteste, Forderungen.

Dass diese ja durchaus erfolgreich sein können zeigte ja nicht nur die "friedliche Revolution" von Millionen von DDR- Bürgern. Auch etwa der brutale Krieg gegen Vietnam konnte durch internationale Massen- Proteste gestoppt werden. Natürlich war damals auch gut und nötig geflüchteten Vietnamesen zu helfen. Das alleine hätte aber natürlich auch nicht gereicht. Und auch heute muss endlich mehr gegen Waffenexporte, mit verursachte Kriege, o. g. schändliche Politik "made in Germany" getan werden.

"Nur" durch Hilfe für die einzelnen Opfer dieser Politik, Flüchtlinge wird das in der Tat leider nicht zu schaffen sein. Obwohl es ja doch ganz anders ginge. Wie nicht zuletzt ja auch der "Marshallplan" für Deutschland zeigte nach dem 2. Weltkrieg, mit dessen Hilfe ein zerstörtes Land ein Wirtschaftswunder erlebte. Warum sollte das nicht auch z. B. im Kosovo geschehen, zu Recht auch mit Geld aus Deutschland, wie ja auch schon lange versprochen?

Aber ohne dass man Politiker an ihre Versprechen erinnert passiert ja selten etwas.

Ebenso wie politische Proteste, Bewegungen - ohne die hätte sich weder in der DDR grundlegend etwas geändert noch in Vietnam, gäbe es auch heute noch wenig Rechte für z. B. auch Frauen auch in Deutschland usw. Und auch wie etwa in der DDR vor 1989 sollten auch Vertreter von Kirchen (und Gewerkschaften usw.) außer konkreten Hilfen noch mehr sich für o. g. grundsätzliche Lösungen engagieren.

Wenn etwa eine recht kleine christliche Gruppe in einer Petition endlich den Stopp von Waffenexporten forderte ist das zwar löblich - aber wo bleibt der Rest der Kirchen, Gewerkschaften usw.? Alleine kann man zwar auch viel bewegen - gemeinsam ist man aber bekanntlich stärker.

Und kann (s. oben) noch sehr viel mehr schaffen.

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