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28/03/2016 13:00 CEST | Aktualisiert 29/03/2017 07:12 CEST

Flüchtlingshelfer und AfD-Wähler: Gemeinsam für Frieden, soziale Gerechtigkeit!

dpa

Kürzlich war in einem Film der endlose Streit der Gebrüder Dasler zu sehen, aus deren Trennung "Adidas" und "Puma" entstanden sind. Aus einem ursprünglich gemeinsamen, weltweit führenden Unternehmen wurden zwei - beide gingen dann zwischenzeitlich fast zugrunde.

Wegen immer weitergeführten Fehden wurde übersehen, dass es mit der Zeit auch noch andere Unternehmen auf dem Markt gab - und inzwischen andere Weltmarktführer. Hass macht aber blind ... Und richtet den Blick mehr auf Trennendes anstatt, trotz aller möglichen Differenzen, mehr gemeinsame Interessen.

Ich musste heute daran denken, als ich auf Ostermärschen nur recht wenige Teilnehmer sah.

Während ansonsten, alltäglich, Millionen Deutsche Flüchtlingen helfen oder AfD wählen, in Deutschland Wut(bürgertum) zunimmt, ein

sich gegenseitiges verbales "Bekriegen" - und das durchaus nicht nur von einer Seite!

Sicherlich wird auch von beispielsweise vielen AfD- Vertretern oft Öl ins Feuer gegossen, provoziert ...

Aber was von vielen sogar sich "christlich", "sozial", "demokratisch" nennenden Menschen, Parteien und Flüchtlingshelfern geantwortet (oder provoziert) wird ist oft ebenfalls sehr ungut. Pauschal werden dann zum Beispiel fast alle AfD- Wähler in einen Topf- etwa auch mit Rechtsradikalen - geworfen, als "Pack" oder Flüchtlingsfeinde stigmatisiert- obwohl sie (verständlicherweise) nur gegen die deutsche Flüchtlingspolitik sind.

Was man jedoch sicher verstehen kann, zumal diese Kritik ja inzwischen von sehr vielen Menschen, Gruppen, Parteien geteilt wird. Was wirklich die beste "Alternative für Deutschland" ist muss sicher demokratisch diskutiert, geklärt werden. Allerdings natürlich mit dem Grundsatz "Freiheit ist die Andersdenkender".

Auch wenn einem - wie etwa mir - viele Argumente der AfD nicht passen. Viele Argumente oder Taten anderer Parteien sind doch aber auch kritisch zu hinterfragen. Und findet jeder SPD, CDU/CSU - Wähler alles gut, was "ihre" Parteien so tun - beispielsweise mit geduldeten Waffenexporten mit Fluchtursachen schaffen- und auch nicht tun (etwa viel zu wenig gegen Armut und soziale Ungerechtigkeiten auch in Deutschland)?

Liebe AfD- Wähler und Flüchtlingshelfer, hört euch doch bitte endlich mehr zu ...

- und hört mehr, dass auch viele Flüchtlingshelfer (wie etwa ich) die Politik durchaus sehr kritisch sehen. Ebenso wie AfD- Wähler, die auch nahezu alle Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte verurteilen.

Und zurecht fordern, dass auch für bedürftige Deutsche mehr getan werden muss - was Flüchtlingshelfer zugestehen, in der Tat folgt dafür dann allerdings meistens herzlich wenig.

Wenn man AfD- Wählern vorwirft, dass die AfD doch aber keine echten Alternativen bietet, muss man sich zudem fragen lassen, ob das andere Parteien tun - und ob nur individuelle Flüchtlingshilfe wirklich hilft.

Denn die Fluchtursachen wirken so ungebremst weiter, durch die Flüchtlingshelfer wird ein System aufrecht erhalten, das der deutschen Wirtschaft billige Fachkräfte beschert, die dafür an der Ausbildung deutscher Jugendlicher (und Erwachsenen) sparen. Deutsche Unternehmen profitieren ferner an Waffenexporten, Fluchtursachen ... Menschen in Syrien, Afghanistan und so weiter wird ihre Lebensgrundlage zerstört, sie werden zur Flucht gezwungen und zum Wiederaufbau der Länder mangelt es dann zunehmend an Fachkräften, Jugend und Erfahrung dort. Ist das wirklich eine Alternative für (Deutschland und) die Welt?

Wenn kürzlich auch etwa die Bundesregierung wieder zugestimmt hat, dass deutsche Rüstungskonzerne unter anderem Maschinengewehre und Hubschrauber auch an die Vereinigten Arabischen Emirate, von wo der "IS" Unterstützung bekommt, liefern?

Und wenn im Interesse der Profite internationaler Konzerne und Banken ganzen Kontinenten die Lebensgrundlage genommen, auch Umwelt zerstört wird, was immer mehr Menschen zur Flucht zwingt zeigt das doch die politische Dimension des Ganzen, da reicht individuelle Hilfe nicht- das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein ...

Warum gehen wir nicht gemeinsam auf die Straße

- zu Ostermarsch, Friedensdemonstrationen, für mehr soziale Gerechtigkeit in Deutschland und der Welt, gegen Radikalismus - sowohl als "Protestwähler", als auch als Flüchtlingshelfer? Wo bleibt der Massenprotest in und außerhalb der Parteien, Kirchen, Gewerkschaften ... Gegen eine Politik, die etwa Georg Restle, der Leiter von Monitor (WDR) bereits .2015 zutreffend kritisierte:

" Aber wir sollten uns nicht täuschen: Klar, die rechtsextremen Gewalttäter und ihre brav-biederen Unterstützer sind eine Schande für dieses Land. Die eigentliche Schande aber ist die deutsche und europäische Flüchtlingspolitik. Eine Flüchtlingspolitik, die die Ursachen für die Flucht von Millionen Menschen nicht bekämpft, sondern sie immer wieder aufs Neue schafft".

Das belegte er dort nachfolgend eindrücklich:

"Zum Beispiel im Kosovo, wo auch diese Bundesregierung ihr Versprechen gebrochen hat, dem Land nach dem Krieg wieder auf die Beine zu helfen und stattdessen ein hochkorruptes Regime unterstützt, das die Menschen in die Flucht treibt.

Zum Beispiel in Syrien, wo diese Bundesregierung die Politik eines türkischen Präsidenten unterstützt, der islamistische Mörderbanden mit Waffen versorgt. Mörderbanden, vor denen Hunderttausende nach Europa fliehen.

Oder Afrika, wo der deutsche Außenminister einen Pakt mit den schlimmsten Despoten des Kontinents schließen will. Einen Pakt, der verhindern soll, dass politisch Verfolgte ihr Land verlassen können und sie stattdessen ihren Verfolgern ausliefert.

Diese Politik ist eine Schande für dieses Land. Daran müsste etwas geändert werden. Mit kernigen Parolen allein ist jedenfalls niemandem geholfen".

Und dies gilt für Parolen von Vertretern aller Parteien! Weder die Außenpolitik der Bundesregierung, noch die Innenpolitik (mit zunehmenden Ungerechtigkeiten, Armut und Not auch in Deutschland) ist ja heute noch wirklich sozial, christlich, demokratisch. Und wenn beispielsweise UNICEF immer wieder darauf hinweist, dass schon ein Bruchteil der Rüstungsausgaben dafür sorgen könnten, dass kein Kind auf der Welt mehr (auch an Bildung) hungern müsste zeigt dies, dass es natürlich Zusammenhänge zwischen Innen-und Außenpolitik gibt (denn damit könnten weniger Kriege geführt werden und weniger Menschen müssten aus ihrer Heimat flüchten).

Nur von "christlichen Werten" zu reden (oder die im Parteinamen zu führen) reicht sicherlich nicht, in der Tat muss man diese auch aktiv verteidigen. Warum demonstrieren dann aber nicht mehr Menschen etwa zu Ostern (und sonst) dafür, für Frieden, gegen Waffenexporte, für eine bessere, sozialere Politik?

Sowohl als AfD- Wähler als auch Wähler anderer Parteien, als Kirchenmitglied, Flüchtlingshelfer und so weiter? Gemeinsam ist man stark, einzeln oder gespalten nicht.

Wir müssen endlich wieder mehr miteinander reden und tun

Anstatt dass sich immer mehr Menschen verbale Grabenkämpfe liefern, sollten wir wirklich endlich wieder mehr aufeinander zugehen, zuhören und miteinander reden. Vor allem über unsere Sorgen, Ängste!

Egal, ob Flüchtlingshelfer, Flüchtling, AfD-Wähler oder was auch immer. Man muss den Menschen hinter "dem" Flüchtling oder "dem" AfD-Wähler ansehen, zuhören und ansprechen, und gemeinsam nach einer besseren Lösung, Gesellschaft und Politik suchen. Zumal viel zu lange eine viel zu schlechte Lösung geduldet wurde, die weltweit Menschen vor Kriegen, Hunger und Not flüchten und sterben ließ und auch Millionen Kindern in Deutschland geschadet hat.

Das sich gegenseitig "Bekriegen" (etwa von Flüchtlingshelfern und "den" AfD- Wählern, ohne besser zu differenzieren) schadet so auch letztlich allen berechtigten Anliegen und Sorgen, hilft nur Interessen der Waffenindustrie und deren Lobby. Und auch Hitler kam letztlich nur an die Macht, nachdem sich damals SPD, KPD, "Rechtskonservative" und so weiter heillos zerstritten hatten - und dabei auch die größte Gefahr außer Acht gelassen, zugelassen haben.

Dass eine gemeinsame Massenbewegung durchaus zu sozialem Fortschritt, besserer Politik führen kann zeigte ja die Entwicklung gerade auch in Deutschland um 1989. Wo auch Vertreter (ursprünglich) sehr unterschiedlicher Ansichten sich mehr auf gemeinsame Anliegen besonnen haben, letztlich sehr erfolgreich. Das ist ein langer Weg, der anstrengend ist und oft erfordert, dass man über seinen Schatten springt. Aber das ist möglich, nötig - und jedenfalls auch sinnvoller, als sich zunehmend mehr nur verbal "ins Gesicht zu springen".

Nach sehr, sehr langer Zeit wurde übrigens vor einiger Zeit auch die Fehde zwischen Adidas- und Puma-Mitarbeitern begraben, obwohl daran kaum noch einer glauben konnte. Und warum, auch wenn das zunächst merkwürdig erscheint, sollte das aus genannten Gründen nicht auch den meisten Flüchtlingshelfern und AfD-Wählern gelingen können?

Und nicht etwa Flüchtlinge oder AfD-Wähler, die auch die Sorge um die Zukunft ihrer Kinder antreibt, sind der Feind. Das Problem sind die besagte Politik und ihre Politiker, die diese Sorgen für ihre Interessen ausnützen.

Dagegen sollten wir mit vereinten Kräften vorgehen, anstatt uns zu spalten und gegeneinander aufhetzen zu lassen, mit "lachenden Dritten" beispielsweise in der Rüstungsindustrie und deren Lobby in der Politik.

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