BLOG
23/11/2015 11:32 CET | Aktualisiert 23/11/2016 06:12 CET

Merkel 4.0 - 5 Gründe, warum die Kanzlerin sich und unsere Gesellschaft neu erfinden sollte!

Nikada via Getty Images

Zum 10-Jährigen von Angela Merkels Kanzlerschaft wird in diesem Beitrag motiviert, warum sich eine eigentlich bisher erfolgreiche Kanzlerin ("Merkel 1.0") trotzdem neu erfinden sollte ("Merkel 4.0"). Immer komplexere Herausforderungen für Gesellschaft und Politik erfordern neue Antworten der Politik. Eine lineare und top-down-orientierte Politik wie bisher ist nicht mehr adäquat, wenn die Umwelt sich mit einer Dynamik wandelt, die nur noch eine kollaborative Zivilgesellschaft gemeinsam meistern kann.

Für diese neue Vision kann Politik selber Vorbild sein und zugleich die breite Transformation zur Gesellschaft 4.0 unterstützen. Wenn die etablierte Politik daran scheitert, werden Krisen eskalieren und andere Netzwerke die Lücken füllen. Mehr denn je ist Merkel 4.0 gefragt und vielleicht überrascht uns die Kanzlerin mit einem nachhaltigen Lebenswerk für unsere Zukunftsfähigkeit.

---

Es freut mich, dass das Team der Huffington Post aufgefordert hat, die 10 Jahre Kanzlerschaft Merkel zu reflektieren. 10 Jahre Merkel sind 10 Jahre Politik der Mitte und in der Gesamtbilanz ein Erfolg: Hier könnte der Beitrag eigentlich enden ;-).

Eine erfolgreiche Merkel 1.0!

Das würde aber nicht nur das Huffington-Team wenig befriedigen, zugleich würde es nicht dem Ernst der Lage gerecht. Bis vor wenigen Monaten wäre das aber auf jeden Fall das Urteil der „Mitte" über ihre Kanzlerin und ihrer Kanzlerschaft gewesen und auch die Bewertung des Autors zu „Merkel 1.0".

Deutschland und die Welt wertschätzten damals zurecht ihre ruhige, sachorientierte und vertrauenserweckende Art, die weder Brandts oder Kohls Visionen noch Schröders Basta kopierte, dafür aber zur rechten Zeit effektiv war. Die Elefantenrunde 2005 (siehe Video) verewigte den Wettbewerb der damaligen Politikstile ikonisch. Da, wo Agenda-2010-Schröder als Alpha-Mann vor allem in der Ich-Form spricht und vor Selbstbewusstsein fast nicht sitzen kann, ist ihre Ruhe fast unwirklich.

Merkel bleibt ruhig, auch in der Elefantenrunde 2005 (Quelle: Youtube)

Wenn man Politik 1.0 als „lineare" Top-Management-Aufgabe, als Aufgabe für besonnene Ingenieure und Physiker versteht, hat sie nach Ansicht des Autors zurückblickend einen idealen Job gemacht und uns erfolgreich durch die Krisen geführt unter anderem, weil sie auch auf internationaler Top-Management-Ebene immer wieder richtige Entscheidungen kühl getroffen und konsequent durchgesetzt hat.

Sogar Flüchtlinge in Slowenien sollen Merkel „Mama" nennen, was sicherlich Ausdruck eines großen Vertrauens ist. Die „sich kümmernde Mama", eine Metapher, die auch in Deutschland eine gewisse Popularität genießt, ist aber auch Ausdruck eines Staats, der eher Nachtwächter für besorgte Bürger ist, und eines Staats, der Politik eher top-down losgelöst von der Zivilgesellschaft managt.

Hier spricht nicht der Bürger als wahrer Souverän über seine Mandatsträger und noch weniger ein co-kreativer Kollaborateur einer zukünftigen Netzwerk-Gesellschaft!

Die neuen Probleme werden wir aber nicht alleine

durch einen fürsorglichen „Mama-Staat" und eine

lineare Top-Down-Politik gelöst bekommen.

Das muss der Bürger, das muss aber vor allem die Politik verstehen, wenn wir eine nachhaltig zukunftsfähige Gesellschaft möchten.

Die „Mitte" wird bereits untreu ...

Die „Mitte" ahnt unterbewusst vielleicht auch schon, dass ein lineares Weiter-So unter Umständen keine nachhaltige Option ist, um die Probleme der Zukunft zu meistern, und wird nun „Mama" untreu. Wen wundert ein neuer Gegenwind angesichts der übermächtigen Parallelität von Flüchtlingskrise, Terrorgefahr und von Schicksalsprojekten wie Digitalisierung und Industrie 4.0, die zu scheitern drohen? Unsicherheit, Angst oder bereits Wut - sie treiben jetzt in der Extremform schon viele auf die Straße, natürlich vor allem viele "Spinner" (Rechtsradikale, ...).

Zugleich ist es aber auch Ausdruck einer Entwicklung der neuen Entfremdung. Der Ü60-Wutbürger ist ja kein neues Dresdner Phänomen, sondern artikulierte sich auch schon aus anderem Anlass, zum Beispiel in Stuttgart. Viel kritischer ist die Heerschar der Nichtwähler, die sich in stiller Form von der etablierten Politik entfremdet haben.

Die Verschärfung der gesellschaftlichen Konflikte und die kreisende Erregung der neuen und alten Medien werden sicherlich weitere Entfremdungen zur Folge haben. Die Gegner von Merkels Kanzlerschaft (t)wittern daher auch Morgenluft und sollen sogar über Putschpläne nachdenken. Dabei kann man die neuen Probleme nicht personalisieren, vielmehr geht es um einen jetzt notwendigen paradigmatischen Wandel von Gesellschaft und Politik, der unabhängig von Merkel ist.

Wir müssen unser Paradigma = Denk- und Handlungsmuster, das der Politik zugrundeliegt, ändern, um der neuen Problemlage gerecht zu werden. Das verstehen viele nicht, die glauben, dass ein Merkel-Nachfolger mit gleichen Mustern die Probleme der Zukunft grundsätzlich besser lösen würde, nur, weil er vielleicht jetzt Grenzen schneller dichtmacht und Obergrenzen für Flüchtlingszahlen definiert. Durch neue Köpfe bei gleichbleibender Logik meistert man die uns erwartenden Krisen nicht.

Wer so denkt, erkennt nicht wirklich die Natur des Wandels ...

Merkel muss Gesellschaft, Politik und sich neu erfinden?!

Angesichts der Problemlage sollten wir auf jeden Fall weniger die Vergangenheit Merkels und Merkel 1.0 als ihre Zukunft bzw. Merkel 4.0 reflektieren. Mancher wird einwerfen: Never change a running system!? Im Widerspruch zur Leitphilosophie der Veränderungsunwilligen hält der Autor dieses Beitrags den Wandel für dringend notwendig, aber nicht wegen der wankelmütigen Mitte und negativer Umfragen, sondern wegen eines wirklich wichtigen Grundes: „Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient". Dieses Zitat von Churchill oder de Maistre muss man normativ und positiv umformulieren:

Jedes Volk und jede ZEIT

sollten idealerweise die REGIERUNG haben, die

den jeweiligen HERAUSFORDERUNGEN optimal gerecht wird.

Und unsere neue Zeit und ihre neue Qualität der Probleme, der neue Kontext, sie erfordern eine neue „Merkel 4.0". Es sind nicht nur die Flüchtlingskrise und Digitalisierung & Co, sondern eben auch die zum Teil immer wütenderen und politikentfremdeteren Bürger, die einen Wandel erfordern und die alte Politik-Logik des Top-Down-Managements der notwendigen Transformationen und der begleitenden Verkündungspolitik immer anachronistischer erscheinen lassen.

Die Politik der ikonischen Raute, die Besonnenheit ausdrücken sollte und vor allem auch die Fähigkeit signalisierte, dass Merkel als Kanzlerin auf nationaler und internationaler Top-Ebene die Dinge zusammenführt, wie einst die Welt stolz schrieb, reicht nicht mehr aus. Heute muss Gesellschaft insgesamt mitgenommen und mobilisiert werden.

2015-11-22-1448214675-1304840-Aufnahme_2013_by_Moritz_Kosinsky170.jpeg.jpeg

Die Raute als Ikone für Merkel 1.0 (Quelle: Wikipedia, Moritz Kosinsky)

Um die Pointe vorweg zu verraten: Merkel wird Deutschland nur als Kanzlerin einer neuen kollaborativen Netzwerk-Gesellschaft, einer Gesellschaft 4.0, wirklich nachhaltig in eine blühende Zukunft führen können. Das ist der paradigmatische Wandel unserer Gesellschaft, dem sich auch Politik anpassen muss oder - besser - den Politik 4.0 vorleben und begleiten sollte.

Was wäre das für ein Abschluss von Merkels Kanzlerschaft, nicht nur für die Transformationsprojekte wie Industrie 4.0! Merkel als Neugestalterin des politischen Paradigmas. Das absehbare Scheitern des alten Politik-Paradigmas, einer Politik des Weiter-So und des Stillstands wird hingegen im schlimmsten Fall zu eskalierende Krisen apokalyptischen Ausmaßes führen.

Um es beispielhafter zu machen. Wenn wir nicht gemeinsam zum Beispiel die Dualisierung der Gesellschaft, den Kampf der Kulturen, die ökologische Krise und vieles mehr als kollaborative Netzwerk-Gesellschaft überwinden, kann keine Mama es für uns richten, egal wie sehr sie es auch selbst möchte.

Fünf Gründe für eine Transformation in Richtung Merkel 4.0

Eine solche Generalaussage geht natürlich auch etwas konkreter. Daher sollten wir im Detail die Gründe beleuchten, die im Endergebnis „Merkel 4.0" bzw. „Politik 4.0" alternativlos machen:

1. Die gesellschaftlichen Probleme werden immer komplexer

2. Nur kollaborative Netzwerke ("4.0") lösen komplexe Probleme

3. Politik muss sich und die Gesellschaft transformieren!

4. Wenn Politik 4.0 scheitert, füllen andere die Lücke!

5. Gesellschaft 4.0 als das, was über die Zeit von Merkel 4.0 bleibt ...

1. Die gesellschaftlichen Probleme werden immer komplexer

Merkels Kanzlerschaft war in der Vergangenheit sicherlich nie wirklich einfach. Lehman-Krise, Griechenland-Krise, Ukraine-Krise, ... sie alle forderten die Physikerin der Politik und die meditative Raute. Nun aber werden die Probleme gleichzeitiger und komplexer. Flüchtlingskrise, Terror-Gefahr und der ökonomische und technologische Wandel weisen eine neue Komplexität auf.

Noch wichtiger aber: Die Bewältigung dieser Probleme und vor allem die Vermittlung und Diskussion neuer Lösungen (Flüchtlingskrise) gelingt nicht mehr "linear" und "top-down" oder in den Hinterzimmern der großen Politik, sondern nur noch im Netzwerk beziehungsweise in enger Zusammenarbeit mit einer engagierten Zivilgesellschaft, die es mehr denn je abzuholen und zu mobilisieren gilt.

Da, wo an anderer Stelle einige Banker oder IWF-Mitarbeiter zu überzeugen waren, müssen jetzt in der Breite Pegida-Anhänger für eine offene Gesellschaft begeistert oder auch ein veränderungsunwilliger Mittelstand für Digital missioniert werden. Mein Lieblingsbeispiel: Industrie 4.0 ...

Das Industrie 4.0-Projekt: Ein Beispiel für ein tiefrotes Problem!

Management-Vordenker Niels Pflaeging spricht von blauen, komplizierten und roten, komplexen Problemen, um die neue Qualität von Problemen zu beschreiben, die auch Unternehmen bedrohen. Rote Probleme sind so unvorhersehbar, multidimensional, dynamisch, ... dass sie nur im Netzwerk kompetenter Problemlöser zu lösen sind, Komplizierte, blaue Probleme kann man hingegen weitgehend linear managen.

Vielleicht waren auch früher politische Probleme schon oft rot, jetzt nimmt das Rot aber zu und manche Probleme werden sogar dunkelrot werden. „Industrie 4.0" und „Digitalisierung" sind tiefrote Probleme. Seit 2-3 Jahren versucht die Politik zusammen mit der Forschung Deutschland als zukunftsfähigen Standort zu retten.

Das Problem ist aus vielen Gründen tiefrot:

• Das Allerkritischste: Die Zeit drängt. Wir wollen nicht die zweite Spielhälfte der Netzwerk-Ökonomie verlieren und zu Zulieferern degradiert werden, zerquetscht zwischen den Kreativen in Kalifornien und den Effizienten in China.

• Dieser Zeitdruck wird verschärft durch eher bescheidene Mittel im Vergleich zu den milliardenschweren Kaliforniern wie Google und Apple und dem ambitionierten Milliardenprogramm Chinas.

• Dabei soll schlank im Rahmen des Projekts „der ganze industrielle Mittelstand" in Deutschland transformiert werden, wo Mittelstand alles von 3 Mann bis 3 Milliarden Umsatz sein kann

• Mit kaum Zeit, kaum Geld und mit viel zu vielen Kunden gilt es gleichzeitig eine Vielzahl von Problemen zu lösen, angefangen von den für viele immer noch unklaren Nutzenversprechen über den unzureichenden Willen zur Transformation bis hin zu 145 immer noch ungeklärten Teilproblemen (Standards, Security, ...).

Das Industrie 4.0-Projekt ist daher in seiner Komplexität

ein ideales Beispiel für ein Scheitern des alten Paradigmas

2. Nur kollaborative Netzwerke ("4.0") lösen komplexe Probleme

Was tun? Das hätte Lenin zurecht im Kontext Industrie 4.0 gefragt. Bisher verpuffen aber alle Versuche von Politik 1.0 das Projekt erfolgreich auszurichten, selbst wenn Gabriel im Wettbewerb mit Wanka aktiv wird. Ein angriffslustiger Gabriel stichelt daher - seine eigene Verantwortung vergessend - beim IT-Gipfel und forderte in alter Top-Down-Denke und Appellations-Politik ein Mehr an Engagement von DAX-Unternehmen und Mittelstand. Angriff ist die beste Verteidigung, vielleicht fragte daher niemand, was denn ein Jahr Gabriel 4.0 nach den Ankündigungen bisher mehr gebracht habe als eine Landschaftskarte mit ein paar Hundert Projektskizzen.

Diese Appellations-Politik zeigt für Gabriel, dass er zumindest an dieser Stelle weiterhin Politik 1.0 lebt, wo eigentlich Politik 4.0 gefordert ist. Die Veränderung oder neudeutsch Transformation wird weder einer Mama noch einem strengen Papa durch ex cathedra-Verkündung gelingen, da kann er noch so viel Commitment einfordern. Dabei ist Gabriels Kritik besonders unangebracht, weil er nicht einmal im eigenen Stall vorbildlich die Transformation vorgelebt hat.

Die "Plattform" der Industrie 4.0 ist online zum Beispiel weiterhin eine typische Web 1.0-Seite, nur halt jetzt mit Dank an Gabriel mit neuem Logo und Landschaftskarte aufgehübscht. Das ist schön. Nicht schön ist, dass sie aber weiterhin keine eigene Kollaborationsfähigkeit über ein Vorschlagsformular hinaus aufweist und auch keinen überzeugenden Anschluss an die sozialen und Business-Netzwerke unterstützt, der mehr ist als Share-Buttons im Footer.

Das zeigt: Trotz Gabriels Basta-Politik im vergangenen Jahr hat sich paradigmatisch nicht wirklich viel in den verantwortlichen Institutionen geändert. Wo bleibt: Eat your own dogfood im Kontext des Industrie 4.0-Projekts. Ich fürchte, darauf warten wir bis zum Projektende. Theseus, Metora, .... wir haben Erfahrung mit gescheiterten Projekten.

Der Autor ab "30m:0s": Mobilisierung der „Community" für I4.0

Das alte Politik-Management ist ungeeignet für die neue Problemlage und war es eben früher auch schon. Aber insbesondere Industrie 4.0 - das ist ein so komplexes Thema, dass wir es nur kollaborativ bzw. in offenen, miteinander verbundenen Netzwerken lösen können, die auch technologisch durch kollaborative Plattformen unterstützt werden. Der Autor dieses Beitrags forderte daher in einem der ersten Web-TV-Beiträge zum Industrie 4.0-Projekt eine solche Kooperation beziehungsweise neudeutsch Kollaboration, vor allem auch außerhalb der inneren Community, um wirklich alle mitzunehmen.

Das hat Gabriel zumindest verstanden, wenn er auf dem IT-Gipfel die Idee von Tobias Kollmann bzw. dem BITKOM aufgreift und nun auch Hubs bzw. regionale Netzwerke als Träger des Wandels fordert. Und genau das ist übrigens auch die Essenz von einer Gesellschaft 4.0. Viele, leider selbst innerhalb der Industrie 4.0-Community haben "4.0" missverstanden als Hightech-Projekt, wo es darum geht als Selbstzweck komplexe technologische Lösungen zu schaffen.

Gerade daher wurde der Mittelstand verloren, der keine Budgets für Hightech als Selbstzweck hat. In Wirklichkeit - und diese Überzeugung setzt sich glücklicherweise durch - wird die Essenz der Gesellschaft und der Industrie 4.0 eine neue agile Kollaboration im Netzwerk sein - in Organisationen wie auch in Branchen und Regionen!

Wer das "Thema 4.0" als bessere Kollaboration in Netzwerken versteht

- wozu uns das Internet und neue Technologien befähigen -

wird auch verstehen, dass wir natürlich auch das Projekt Industrie 4.0

und alle anderen komplexen Probleme in kollaborativen Netzwerken

auf Basis kollaborativer Plattformen i.w.S. lösen müssen!

3. Politik 4.0 muss sich und die Gesellschaft transformieren

Diese Vision aufzugreifen und selbst vorzuleben, ist also ein Muss, weil wir - wenn überhaupt - nur so die Chance haben, die Komplexität der Zukunft meistern zu können. Es ist aber auch eine enorme Chance, die Entfremdung von Politik und Gesellschaft zu reduzieren, weil Zivilgesellschaft die entscheidende Komponente von gelebter, umsetzungsorientierter Politik wird.

Dafür muss sich Politik transformieren und zum Vorbild 4.0 jenseits der Basta-Ansagen und des Durchwurschtelns werden. Auf dieser Basis kann dann Politik auch Gesellschhaft transformieren und zukunftsfähig machen, nicht nur im Kontext des Industrie 4.0-Projekts, sondern auch im Kontext der Flüchtlingskrise, der Terrorgefahr oder der Überwindung der drohenden Dualisierung.

4. Wenn heutige Politiker scheitern, füllen andere die Lücke

Falls die etablierte Politik diese Lücke nicht füllt, werden andere sie füllen. Zurecht ruft ein kluger Vordenker wie Thomas Sattelberger, zuletzt auf der #NEO15, zur digitalen APO auf. Es bleibt zu hoffen, dass ein so wichtiger Transformator wie er Heimat in einer der etablierten Parteien findet.

Aber auch andere kluge Köpfe sehen alternative politische Strukturen entstehen, wenn die etablierte Politik bei dieser historischen Transformation an altem Denken und alten Strukturen und Lösungsansätzen scheitert. Eine Piratenpartei der Mitte, also ohne Spinner, aber dafür mit fundierter ökonomischer Kompetenz - sie würde mit zunehmender Dramatik und zunehmend transparentem Transformations-Versagen der bisherigen Parteien sicherlich an Popularität gewinnen.

Sattelberger auf der #NEO15 - u.a. Aufruf zur digitalen APO!

Es wird aber auch Strukturen geben, die indirekt vom Scheitern profitieren und nicht demokratisch sein werden. Das möge Gott bewahren. Zukunftsforscher zeichnen hier schon eine gespaltene Gesellschaft. Vielleicht sollten wir uns öfters das Worst Case Szenario verdeutlichen, damit wir jetzt endlich handeln. 

5. Merkel 4.0 und Gesellschaft 4.0 - mehr als nur Krisenmanagement!

Was wäre die Alternative? Wenn "Merkel 4.0" nach 10 erfolgreichen Jahren jetzt die Energie hätte, das große Zukunftsprojekt einer Gesellschaft 4.0 anzugehen, dann würde sie sich jenseits des Krisenmanagements mit einem Lebenswerk verewigen, so wie es Kohl mit der Wiedervereinigung oder Brandt mit der Ostpolitik getan hat. Das ist doch eine echte Alternative ...

Zum 10-Jährigen wäre das vielleicht

das ideale Geschenk von Merkel an sich selbst:

Ihrer Kanzlerschaft durch die Gesellschaft 4.0

eine Perspektive über den Pragmatismus hinaus aufzuzeigen!

Das muss ja nicht heißen, dass die Gesellschaft dieses Projekt in ihrer Kanzlerschaft abschließt. Auch Brandts Ostpolitik und Kohls Wiedervereinigung waren eher Anfang als Ende.

Innovators Dilemma: Warum Merkel 4.0 wahrscheinlich Illusion bleibt!

So weit so gut, so unrealistisch! Warum wird die Kanzlerin sich und ihre Politik nicht neu erfinden und hat es bisher nicht getan, obwohl es dringend für Deutschland notwendig ist? Ganz einfach - weil sie zu lange mit ihrer Politik erfolgreich war.

In der Ökonomie beschreibt das „Innovators Dilemma" das Phänomen, das erfolgreiche Unternehmen gerade durch den Erfolg der Vergangenheit nur eingeschränkt bereit sind, radikal neue Wege zu gehen und neue Denk- und Gestaltungsmuster zu wagen. Hierin sehen auch viele einen der Hauptgründe für die verhaltene Digitalisierung von Deutschlands Mittelstand. Wir waren zu lange mit unseren alten Mustern zu erfolgreich.

Und dieses Schicksal der berechtigten Zufriedenheit mit Erfolgen der Vergangenheit teilt Deutschland mit der Kanzlerin. Eine Kanzlerin, die sich im innerparteiischen Wettbewerb so erfolgreich durchgesetzt hat (nur die Älteren erinnern sich an den Andenpakt) und bei der Finanzkrise und anderen globalen Ereignissen eine weltweite Wertschätzung genoss, wird leider sehr wahrscheinlich nicht das Wagnis eingehen, in den letzten Jahren ihrer Regentschaft auf unsichere Wege zu setzen, obwohl sie sich damit so verewigen könnte wie einst Brandt mit seiner Ostpolitik oder Kohl mit der Wiedervereinigung. Das ist tragisch, denn - wie gesagt - für Deutschlands Zukunft sind neue Wege mehr denn je keine Option mehr, sondern ein schicksalhaftes Muss.

Oder doch 4.0! Einladung der Politik zum #NextAct!

Oder ist das zu pessimistisch? Damit wir der Falle des Innovators Dilemma entkommen, treffen sich auf jeden Fall im kommenden Jahr führende Transformatoren in Köln, um die nächsten Schritte zu besprechen. Natürlich sind auch Thomas Sattelberger, Tobias Kollmann und Niels Pflaeging mit dabei und die führenden Köpfe für "4.0" wie Mittelstand 4.0-Kopf Professor Michael Henke, SEW-Eurodrive CTO Johann Soder und Unternehmer des Jahres 2015, Dr. Ralf Köster.

Mit Stephan Grabmeier, Marc Stoffel und Dr. Ralf Gräßler sind diejenigen mit dabei, die heute schon Unternehmen als kollaborative Netzwerk-Organisationen neu ausrichten. Vertreter aller wichtigen Fachmedien oder auch der neuen Medien (Huffington Post!) sorgen hoffentlich dafür, dass die Botschaft aus Köln hoffentlich breit vernommen wird.

2015-10-19-1445263585-180181-NextActLogo2015091070.jpg http://www.competence-site.de/nextact-meta-initiative-fuer-die-transformation-der-nexteconomy/

Bild 3: Treffen der führenden Köpfe für den #NextAct der Industrie 4.0

Hier ist natürlich auch die Politik herzlich eingeladen - zum Mitdenken und Mitgestalten einer Gesellschaft 4.0. Vielleicht schaffen wir es ja tatsächlich, dass hoher Besuch aus Berlin dabei ist. Dann diskutieren wir gemeinsam Gesellschaft 4.0 und den Weg dahin ...

Klöckner zu 10 Jahre Merkel: "Merkel war nicht laut, aber effektiv"

Diskussion bei Maybrit Illner: "Der Putsch gegen Merkel findet jetzt gerade statt"

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite