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02/06/2015 12:24 CEST | Aktualisiert 02/06/2016 07:12 CEST

Die neue Huffington Post 4.0 - vier Dimensionen für den Wandel zur Transformations-Plattform

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Zum 10-jährigen Jubiläum der Huffington Post hat der Autor sich eine Huffington Post 4.0 für die Gesellschaft 4.0 bzw. die digitale Gesellschaft gewünscht, aber offen gelassen, was das denn sein soll. Wie also kann eine noch kollaborativere Huffington Post eine noch größere Tiefe und Breite der Inhalte und Kommunikation, ein größeres Engagement von Bloggern und Lesern, eine noch größere Reichweite und damit schließlich einen größeren gesellschaftlichen Impact realisieren?

Hier wird das Geheimnis in Richtung Huffington Post als Transformations-Plattform für die Gesellschaft 4.0 gelüftet ;-)

Eine unverständliche "4.0"

„Was ist denn 4.0 und was hat das mit der Huffington Post zu tun?", wird sich der ein oder andere beim Titel fragen, der sich bisher erfolgreich vor der großen Industrie 4.0-Welle weggeduckt hat. Nun in aller Kürze: Die Welt wird sich durch neue Technologien, aber vor allem auch durch mögliche neue Formen der Wertschöpfung dramatisch, natürlich zum Besseren, wandeln.

Das ist das Versprechen der Digitalen und auch der Industrie 4.0 / Ökonomie 4.0. Wenn aber in vielen Beiträgen immer wieder von Cyper Physical Systems oder Transportsystemen als autonomen Schwarmsystemen gesprochen wird, dann bleibt die Idee „4.0" für viele Leser der Huffington Post außerhalb der Produktions- und Logistik-Community abstrakt.

Damit bleibt auch abstrakt, was denn eine kollaborative Netzwerk-Ökonomie sein wird. Wenn im Folgenden erläutert wird, wie "4.0" die Huffington Post verändern könnte bzw. wie die Leser der Huffington Post in Zukunft in neuer Form Teil dieser spannenden "Netzwerk-Plattform" werden könnten, dann wird "4.0"- so hofft der Autor - greifbar.

Die Huffington Post ist heute schon anders bzw. Best of 2.0

Vorweg ein großes Lob: Die Huffington Post ist heute schon anders und strukturell zukunftsorientierter ("Best of 2.0") als viele Medien. Noch pointierter: die Huffington Post ist heute in der Gegenwart relativ auch schon Zukunft, weil sie aufzeigt, was andere Medien noch vor sich haben.

Vor der Huffington Post waren die meisten Medien geschlossene Systeme mit illuminierten Redakteuren als Wahrheits-Verkünder und Content-Monopolisten. Die Huffington Post setzte an die Stelle dieses Paradigmas eine Demokratisierung der Content-Erstellung bzw. des Bloggens und so wurde aus einer geschlossenen Wagenburg ein offenes Netzwerk.

Damit ist die Huffington Post quasi idealtypischer Vertreter des „Paradigmas 2.0", jenen Paradigmas, das für das „Social Web", „User Generated Content" und „Networks" steht. Die Kraft des Netzwerks - die Huffington Post lebt sie schon lange. Jetzt folgen ihr andere Medien und öffnen sich auch. Damit ist jetzt die Zeit reif für das nächste Kapitel ...

Zwei Hintergrundgeschichten von Klaus und Ralf

Wie aber kann ein vorbildliches, zukunftsorientiertes Konzept, das vielleicht sogar dem Axel-Springer-Konzern eine Milliarden wert ist, noch zukunftsorientierter werden? Stellen Sie sich zwei vielleicht nicht ganz typische Nutzer vor, nennen wir sie Klaus („der Leser") und Dr. Ralf („der Blogger").

Klaus, 35, Fußball-Fan und Leiter der Produktion bei Meier & Söhne

Klaus ist Leser der Huffington Post. Er erwartet von ihr nicht nur spannende kontroverse Einzelbeiträge, die man in klassischen Medien oft so nicht findet. Gerne würde auch er in Specials eine möglichst umfassende Sicht auf sein Themen (wie "Industrie 4.0") vermittelt bekommen.

Zugleich wünscht er sich eine Verdichtung (und Bewertung) bottom up von allem Wichtigen oder aber top down eine Aggregation, indem z.B. mehrere Experten sich äußern. Im Idealfall werden die Themen und Blogger auch mit anderen Plattformen i.w.S., z.B. auch Events vernetzt, so dass man die Blogger persönlich kennenlernen könnte.

Dabei wünscht sich Klaus auch, selber aktiver zu sein und nicht nur einzelne Beiträge zu diskutieren. Er würde sich gerne Beiträge merken können und sich selbst in seinen Themen-Communities mit anderen einbringen, z.B. durch Themen-Vorschläge an die Redaktion oder die einzelnen Teil-Communities. So wird dann aus dem bisher eher passiven Leser Klaus sukzessiv ein immer aktiverer „Kollaborateur".

So wie die Huffington Post 2.0 als offenes Blogger-Netzwerk die „journalistische" bzw. schreibende Kompetenz geöffnet und demokratisiert hat und dadurch auf der Seite der Mitteilenden ein Mehr an Souveränität geschaffen hat, müssten in einer neuen Huffington Post 4.0 auch „die Leser" souveräner und „Blogger" und „Leser" kollaborativer werden. So würde aus Medium 2.0 eine Plattform 4.0.

Dr. Ralf, 45, Fußball-Fan und Fachholschul-Professor für Produktion

Damit kommen wir zur zweiten „Persona", Dr. Ralf: Dr. Ralf ist wie Klaus begeisterter Fußball-Fan und neuerdings FIFA-Gegner. Er ist aber vor allem anerkannter Industrie 4.0-Experte und berichtet gerne aus der Community. Dabei freut er sich über seine Einzelberichte, würde aber gerne auch abgestimmt mit anderen Experten ein Thema beleuchten wie er es z.B. aus den Blogparaden mancher Fachzeitschriften kennt.

Zudem freut er sich über Likes und Feedbacks auf seine Beiträge. Seine Beiträge auf der Huffington Post würde er auch gerne in anderen Kontexten, insbesondere Themen-Communities, verankert sehen, und zugleich auf seine Beiträge in anderen Portalen hinweisen können, wenn Leser mehr zu ihm erfahren möchten.

Er würde aber auch gerne nicht nur seine Mitblogger, sondern auch seine Leser besser kennen lernen. Im Idealfall möchte er mit beiden in einen echten Dialog treten. Er ärgert sich, dass manches bei Industrie 4.0 trotz aller ministerieller Aktivitäten nicht so voran geht, wie er das möchte, und bräuchte dafür eigentlich eine Plattform zu einer „digitalen APO", am besten auch für eine „FIFA APO" ;-) Am Ende des Tages hätte er gerne Transparenz über den eigenen Erfolg und neue Chancen des Dialogs.

Erst durch eine Huffington Post 2.0 konnten Experten wie Ralf ein Forum für sich finden. Der „soziale" Dialog ist aber im Zeitalter von 4.0 in Richtung einer kollaborativen Co-Produktion weiterzuentwickeln. Dann wird aus einem Medium 2.0 eine kollaborative Netzwerk- bzw. Transformations-Plattform 4.0.

Vier Verbesserungsdimensionen in Richtung "4.0"

Wie aber schaffen wir es konkret, dass Klaus und Ralf noch umfassender glücklich werden? Hier gibt es vier Veränderungsdimensionen, die heute schon mit verschiedenen Versionen des Webs assoziiert werden und ihre Wünsche abdecken.

Dabei wird das Ergebnis nicht nur eine andere Technologie sein, sondern auch eine komplementäre Meta-Organisation erfordern und eher als Netzwerk (von Plattformen) und weniger als isolierte Insel zu denken sein. Danach ist eine Huffington Post 4.0:

• X.5 - OPEN: Offener und vernetzter

• 2.0 - SOCIAL: Sozialer und interaktiver

• 3.0 - SMART: Smarter, semantischer und analytischer

• 4.0 - COLLABORATIIVE: Kollaborativer und co-produktiver

X.5 OPEN/META/API:

Damit Ralf und Klaus noch glücklicher sind, muss die Huffington, die heute schon eine sehr offene und vernetzte Plattform ist, noch offener und vernetzter werden. Das Internet entwickelt sich in Richtung eines Internets der API (Application Programming Interface), so dass z.B. Inhalte von Partner-Plattformen importiert und zu solchen Plattformen exportiert werden können.

Plattform-Partner wie XING oder Medien könnten so zum Eco-System der Huffington Post werden. Es würde verstärkt auf externe Inhalte dieser Partner verwiesen, zugleich würden externe Inhalte kuratiert und im Netzwerk eingebunden, sie könnten in Themen-Specials wie auch auf Experten-Seite sichtbar sein. Umgekehrt könnten eigene Themen-Specials in passenden XING-Gruppen erscheinen.

2.0 SOCIAL:

Durch dieses Öffnen erhöhen sich Content-Breite und Reichweite. Zugleich sollte die Huffington Post interaktiver bzw. sozialer werden. Auch wenn die Huffington Post eben wiederholt als das Medium 2.0 bezeichnet wurde, kann das Gute heute noch verbessert werden, weil sich mittlerweile das Web weiterentwickelt hat.

So können Leser zwar den Bloggern folgen, warum können aber Blogger nicht ihre Netzwerke aus Facebook und Xing einladen, damit sie ihre Follower / Kontakte auf der Huffington Post werden? Ein Mobilisieren von Netzwerken von Co-Bloggern und Lesern wäre auch für Themen-Communities und Kampagnen wünschenswert (s.u).

Zudem sollte Referenzierung von Beiträgen auf anderen Portalen (Likes, ...) einen Meta-Dialog über alle Portale hinweg ermöglichen. Sinnvollerweise sind heute schon Kommentare an Beiträgen über Facebook möglich, warum nicht auch Anfragen an Experten und warum nicht transparent machen, was ansonsten im Web interaktiv zu den Beiträgen an Dialog erfolgt?

Heute müssen Experten dafür spezielle Tools nutzen, um anschlussfähig zu sein. So würde die Huffington Post zum interaktiven Netzwerk in einem Netzwerk der Netzwerke/ Plattformen.

3.0 SMART/ANALYTICS:

Mit einem Mehr an Öffnung und Interaktivität entsteht auch ein Mehr an Komplexität, die nur mit zusätzlicher Intelligenz und Automatisierung gemeistert werden kann. Mit dem Web 3.0 wird normalerweise das semantische Web bezeichnet, aber Semantik ist nur ein Aspekt für eine bessere Komplexitätsfähigkeit.

Smartness und Analytics stehen ebenso für das intelligentere Web. Konkret bedeutet das, dass z.B. Inhalte (und Experten) automatisiert qualifiziert (#Hashtag), nach Relevanz bewertet und mit Themen-Communities vernetzt werden. Semantische Analytik unterstützt das Matchmaking von Experten und Lesern und ermöglicht anschlussfähige Erfolgs- und Chancen-Reports.

4.0 COLLABORATIVE:

Wenn so die Huffington Post offener, vernetzter, meta-interaktiver und smarter ist, bildet das eine ideale Grundlage für wirkliche Kollaboration. Kollaboration braucht als Rahmen Struktur. Long-Tail-Themen-Communities würden nachhaltig Communities bündeln, kollaborative Kampagnen-Formate wie Blogparaden, Roundtables, Best-Of-Listen / Rankings / Abstimmungen,... bilden innerhalb dieser Nachhaltigkeit komplementär die agilen Strukturen.

Strukturen alleine sorgen aber noch nicht für Dynamik. Moderatoren (Team der Huffington Post und Externe!) und automatisierte Agenten sorgen laufend für diese Dynamik und den „Content-Fortschritt". Ein Top-Down und Bottom-Up orientiertes Kollaborations-Management unterstützt dabei die Zielorientierung aller Aktivitäten der Plattform 4.0.

Quintessenz: Mit der Huffington Post 4.0 gelingt der Wandel 4.0

Einer der bekanntesten Huffington-Post-Blogger und Ex-Telekom-Vorstand, Thomas Sattelberger, beklagt den Stillstand in Deutschland bei der Digitalen Transformation und wünscht sich wie der fiktive Dr. Ralf (den es real aber sicherlich oft gibt) eine „digitale" APO.

Wer Veränderungen durch Netzwerke will, braucht dafür aber im Zeitalter 4.0 auch geeignete Plattformen 4.0. Eine weiterentwickelte Huffington Post könnte eine solche Lücke schließen. Generell würde sie aber jeden Fortschritt in Themen-Communities maßgeblich vereinfachen. Damit wäre der gesellschaftliche Impact enorm.

Im Rahmen des Barcamps Arbeiten 4.0 der Bertelsmanns Stiftung wird sich eine Session mit der Transformation und geeigneten Netzwerk-Strukturen und Plattformen für diese Transformation beschäftigen, damit der breite Wandel auch wirklich gelingt. Mehr Informationen dazu hier „Session digitale APO". In diesem Zusammenhang wird eine neue Huffington Post 4.0 sicher auch Thema sein!

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