BLOG
10/10/2015 11:42 CEST | Aktualisiert 10/10/2016 07:12 CEST

Digitalisierung: Vergesst das Geschwätz, lest Tim Cole für Euren #NextAct!

Ein Flug voller Genuss

Selten geschieht es dem Autor dieses Beitrags, dass er einen Flug genießt. Und noch seltener genießt er Beiträge über die Digitalisierung. Meistens wird Geschwätz oder Redundantes präsentiert:

  • die Studie Nr. 213 zur Digitalisierung oder
  • das apokalyptischen Endzeitszenario Nr. 115 für die deutsche Wirtschaft oder
  • der Lobgesang Nr. 4.231 auf das Silicon Valley .

2015-04-25-1429957140-5172573-800pxAmazon.de_Versandhaus_Leipzig.jpg

Ikone der Bedrohung - Amazon (Quelle: Wikipedia, Medien-gbr)

Rühmliche Ausnahmen sind die Beiträge wirklich führender Experten ihres Faches (oft auch Huffington Post-Autoren!). Ein Johann Soder, ein Heribert Meffert oder die Mitglieder der Zukunftsinitiative Personal wie Gaby Hampel, Ralf Gräßler, Wolfgang Tomek, Stephan Schmid oder Thomas Eggert sind für den Autor dieses Beitrags immer wieder wichtige Erkenntnisquellen. Auch mit den vielen Digitalisierern der Technologie-Unternehmen und Beratungen wie Hannes Häfele (ORACLE) oder Uwe Weber (Detecon International) hatte der Autor dieses Beitrags schon viele fruchtbare Gespräche. Solche Köpfe erkennen hinter der Digitalisierung vor allem den Wandel der Wertschöpfung und zeigen auf, wie die nächste Stufe von Marketing, HR oder Industrie 4.0 zu gestalten ist.

Denn das Problem an Veröffentlichungen zur Digitalisierung ist oft „fundamental". Der Autor glaubt nicht daran, dass wir eine „digitale Transformation" als Selbstzweck brauchen, denn Müll bleibt auch digital Müll und manchmal erzeugt das Digitale sogar Extramüll. Was brauchen wir stattdessen? Wir brauchen eine Vision der neuen Wertschöpfung und eine Transformation in Richtung dieser neuen Wertschöpfung.

Für diesen Wandel ist die Digitalisierung der wichtigste Enabler, aber eben - zum Mitschreiben - kein Selbstzweck. Wer etwas anderes erzählt und die Digitalisierung ohne neue Wertschöpfung anpreist („Warum Sie auch auf Big Data setzen müssen", „Kein Unternehmen ohne Social Listening", ...) verkauft seine Werkzeuge, Beratungs- oder Speaker-Dienstleistungen als Glaskugeln an Orientierungslose.

Digitale Transformation jenseits des digitalen Geschwätzes

Und nun lobe ich das neu erschienene Buch von Tim Cole über allen Klee, das den Titel „Digitale Transformation" trägt und das dann auch noch mit Endzeitszenarien beginnt. Die Big-4 als apokalyptische Reiter und Deutschland im Abwehrkampf - da wird man zunächst etwas skeptisch, ob da mehr kommt.

Was also macht den Unterschied? Was hat mir das passive Absitzen meines Ryanair Fluges von Madrid nach Köln unmöglich gemacht und mich dazu gebracht, diesen Beitrag weitgehend während des Fluges zu erstellen?

2015-10-08-1444308182-5649096-Bhne_Interview_Cole_1680_670_2015.jpg

Aufklärer der digitalen Transformation, Tim Cole (Quelle: Detecon)

Es war etwas Ungewöhnliches im Meer der vielen Beiträge zum Thema: eine ungeheure Substanz jenseits des oberflächlichen Geschwätzes und für mich noch wichtiger: das Erkennen des Big Pictures hinter den Einzelphänomenen. Ich war so im Flow, dass ich sogar meinen Computer in Madrid in Gate C vergessen habe!

Fundamentale Botschaften für die Unerweckten und die Naiven

Tim Coles Buch „Digitale Transformation" ist ein Weckruf, nicht nur für die Noch-nicht-ausreichend-Digitalen, sondern vor allem für die Digital-Umherirrenden, die das Big Picture suchen. Es gibt einzelne Sätze, die ernst genommen, für sich allein schon essentielle Botschaften sind,

z.B. gegen das Ignorieren des Wandels, wobei hier auch andere missionieren:

Echter digitaler Wandel kommt von unten ...

Aber leider fehlt in Deutschland die Aufbruchstimmung,

um einen Boom wie in den USA zu tragen.

Statt Chancen zu erkennen und sie zu ergreifen,

verfallen deutsche Unternehmen beim Stichwort „Digitalisierung"

in eine Art Angststarre.

Und selbst, wenn ein junger Deutscher eine Idee hat,

werden ihm bei der Realisierung

regelmäßig Knüppel zwischen die Beine geworfen.

„Geht ein Start-Up-Gründer zur Bank"

lautete in den letzten Jahren

der kürzeste Witz in der Finanzbranche.

und noch viel spannender die Aussagen gegen die digitale Naivität:

Nicht jede Investition in ...

Big Data, Social Media und mobile Anwendungen

zahlt sich automatisch aus.

...

Sie (Big Data ...) müssen im Gesamtzusammenhang

des Unternehmens und seiner Geschäftstätigkeit

gesehen, eingebunden und nutzbar gemacht werden.

...

Digitale Transformation hat deshalb weniger mit Technologie

und mehr mit Infrastruktur, mit Organisationsmodellen

und Führungsqualitäten zu tun.

...

Das heißt (als Beispiel, Ergänzung des Autors),

nicht das Sammeln von Daten ist wichtig,

sondern die Kompetenz, Zusammenhänge besser zu verstehen.

Von Daten über das Wissen zur Kompetenz, von den Inseln zur Vernetzung

Hier deutet sich nicht mehr und nicht weniger an, als das eigentliche Big Picture der Transformation, wo die Digitalisierung nur ein Werkzeug ist. Die neue Qualität der Wertschöpfung bedeutet vielfachen Wandel:

  • Von den vielen, oft ungenutzten Daten (über das Wissen) zur neuen produktiven Kompetenz!
  • Von der Datenverarbeitung zum kognitiven System, auch jenseits der IT
  • Von tayloristischen Inseln/Silos zur Vernetzung und Kollaboration als Unternehmensprinzip!
  • Von Management durch Kontrolle zum Miteinander im Vertrauen!
  • Von der Chefsache zur Sache aller im Rahmen der neuen Sinn-Organisationen und -Märkte!

So werden neue Unternehmen geschaffen, die nicht nur allgemein effizienter und effektiver sind, sondern vor allem agiler, offener, empathischer, individualisierender, interaktiver, smarter und kollaborativer. Die früheren Alternativen der Transaktionsdatenverwaltungs-Unternehmen, der Beton-Organisationen, der ökonomisierten Militär-Apparate ... sie werden der entstofflichten und entgrenzten und vor allem enorm beschleunigten Ökonomie des permanenten Wandels, ihrer neuen Technologie und Werte nicht mehr gerecht.

Wer nicht mehr diesem neuen Bild, diesem Big Picture der #NextEconomy entspricht, wird verschwinden, selbst wenn er mit einem digitalen Zuckerguss den morbiden Kern einer nicht mehr relevanten Wertschöpfungs-Logik kaschiert.

Was besonders erfreulich ist: Jahrelang hat der Autor dieses Beitrags versucht, seinen Lesern mit komplizierten Sätzen und Begriffen das Bild dieser zukünftigen Competence-Networking-Ökonomie zu erläutern, wo das ungenutzte Potenzial unseres „Wissens" und unserer „Ecosysteme" durch die neue Synchronisation und Vernetzung unserer Kompetenzen im kollaborativen Netzwerk gehoben wird.

Schon so einen Satz liest eigentlich niemand gerne. Eigentlich hätte der Autor dieses Beitrags sich das auch sparen können, denn Cole formuliert viel einfacher und klarer, wobei die Colesche Welt auch noch ein Extra an Kybernetik und Metaphysik braucht. Insofern geht auch die Competence-Networking-Mission mit komplizierten Begriffen und Sätzen weiter ;-)

Natürlich geht es auch konkreter ... Vertrieb, ..., Logistik

Aber jetzt kann der Autor des Beitrags jeden zunächst auf ein Werk verweisen, dass im Konkreten das Allgemeine erkennen lässt.

Denn natürlich beschränkt sich Tim Cole nicht auf Grundaussagen. Jenseits der abstrakten Dogmatik leistet Cole nämlich auch den besseren Transfer der Transformation durch konkrete Beispiele. Sein Buch ist in 7+1 Kapitel aufgeteilt, die zunächst in 2 Kapiteln Grundsätzliches behandeln und dann aber - etwas versteckt - das Thema „funktional" ausdifferenzieren.

Normalerweise ist der Autor dieses Beitrags kein Freund der funktionalen Teilsichten auf die #NextEconomy, weil sich Abteilungen wie Vertrieb, Marketing, HR, ... wie wir sie heute noch kennen, immer stärker auflösen werden.

Cole beleuchtet aber eben nicht Abteilungen, sondern Teilwertschöpfungen, die digitalisiert werden im Sinne des oben beschriebenen Bildes, und dann ist es legitim, die Aufgaben Vertrieb, Marketing und Logistik im Detail zu betrachten. Zwei relevante Kompetenzhäppchen aus den wichtigen Funktions-Teilbereichen Vertrieb („Social Selling") und neue Arbeit („Kollaboration") als Appetizer:

Social Selling ... wird viel zu eng

als Verkaufen auf Facebook definiert -

als ob die Technologien des Social Web genügen würden.

Das Stichwort lautet „Empathie" ...

Wie schaffe ich es, dass mein Kunde mein Freund wird?

Jedenfalls nicht durch ein polterhaftes Auftreten,

sondern eher durch aktives Zuhören.

...

Dieser Weg (der neuen Arbeit, Anm. Autor)

wird auf einem vernetzten Wertschöpfungsprozess basieren ...

So werden ganze Organisationen ... zu Teams zusammengeführt

und bilden damit eine Art virtuelle Organisation auf Zeit.

Natürlich werden solche Aussagen im Buch detailliert und es gibt zudem diverse Ausführungen zu allen relevanten Topics der Transformation wie Industrie 4.0, Industrial Big Data, 3D-Druck, Arbeiten 4.0, Social Shipping, Customer Journey, Employer Branding, Inbound Marketing, Instant Gratification etc. Hier bleiben fast keine relevanten Themen undiskutiert.

Jenseits der vielen Einzelaspekten und Teilbereichen, wird aber vor allem beim Lesen deutlich wohin grundsätzlich die Reise geht.

2015-04-25-1429968261-7804736-ProfessorAnderlVortragitsOWL20140423.PNG

Industrie 4.0 (Quelle: Professor Anderl, TU Darmstadt)

Zum Schluss etwas Strukturelles

Last, but not least sei jenseits des inhaltlichen Flows auch die Struktur des Buchs gelobt: Jedes Kapitel verdichtet die wichtigsten Botschaften zu Beginn und schließt mit zusammenfassenden Fragen zum Schluss.

Fast lehrbuchartig wird so das notwendige Wissen, vielleicht sogar Kompetenz vermittelt. Dass dabei immer wieder auf führende Denker der Transformation zurückgegriffen wird und auch unbekanntere Erfolgsbeispiele die dargestellten Perspektiven belegen, ist ein weiterer Gewinn.

#NextAct für die Digitale Transformation Deutschlands!

Was ist also jetzt noch nach der Lektüre des Buches zu tun? Einzelne Botschaften von Tim Cole wurden von Vordenkern wie Niels Pflaeging und Anne Schüller im Detail durchdekliniert. Was könnte das für ein Flow sein, wenn diese Köpfe kompetenz-vernetzt werden.

Deswegen bringen wir im nächsten Akt Deutschlands 100 wichtigste Denker und Macher zusammen, damit aus der Emergenz der vernetzten Kompetenz der vielen das Kreative, das Neue entsteht! Natürlich werden wir darüber berichten und die Botschaften multiplizieren, auf das dieser nächste Akt möglichst viele andere #NextActs inspiriere.

2015-10-02-1443773229-379966-NextActLogo2015091070.jpg

Der nächste Zug? (Quelle: Competence-Site)

Im Vorfeld versammeln wir zu #NextMarketing, #NextHR, #NextIndustry, ... bereits alle wichtigen Vordenker. Und wenn man das am Ende unter dem Label „digital" tut und nicht als „Competence Networking" erkennt, ist das auch gut ;-) Worte sind nur Schall und Rauch, die Vorstellungs-Netzwerke dahinter zählen. Möge der Wandel gelingen und möge die Kompetenz dafür mit uns sein.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite