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29/01/2016 13:29 CET | Aktualisiert 29/01/2017 06:12 CET

Das Schmuckstück der deutschen Sprache - der Apostroph oder die Apostroph`s?

ullstein bild via Getty Images

Wie aktuell doch die Autokorrektur bei Microsoft Word 2010 zu sein scheint: Zumindest beim Plural-s sind wir uns doch heute hoffentlich alle einig. In diese Überschrift gehört definitiv kein Apostroph!

Doch manchmal scheint es, als gebe es kein Halten mehr vor diesem Strich, dem Accessoire der deutschen Sprache: Firmennamen machen es doch vor: Beck`s oder Dickmann`s. Was alle machen, scheint doch dann auch nicht aus dem Nirgendwo zu kommen?

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts nämlich, wurde der allseits so beliebte Haken nur hinter solchen Namen benutzt die auf einen s-Laut enden: Grass` Blechtrommel oder Max` Auto zum Beispiel geben die korrekte Verwendung des Apostrophs wieder. Allerdings muss dabei beachtet werden, dass bei der Mitverwendung von Artikeln kein Apostroph gesetzt wird: Die Blechtrommel des Grass, das Auto des Max.

Aber wäre die deutsche Rechtschreibung nicht auch zu einfach gewesen, wenn sie sich nicht im Laufe der Jahre selbst widersprechen würde? Aber genau dafür haben wir ja unsere Kultusminister, die gegen den Willen des Bundestages sowie den größeren Teil der Bevölkerung die Rechtschreibreform 1996 beschlossen.

Nun heißt es nämlich laut Duden „Nicht als Auslassungszeichen, sondern in Verdeutlichung der Grundform eines Personennamens wird der Apostroph gelegentlich in folgenden Fällen gebraucht: [...] Vor dem Genitiv-s." Huch was haben wir denn da? Sie haben richtig gelesen, so ganz hat man ihn uns nun doch nicht verboten: Wer künftig also seinen besonders schönen Eigennamen betonen will, darf dies gerne tun: Emma`s Laden und Willi`s Würstchenbude dürfen sich also seit 1996 hochoffiziell so nennen.

Aber nun liest man weiter im Duden: „Normalerweise wird vor einem Genitiv-s kein Apostroph gesetzt. Das gilt auch für Genitiv-s und Plural-s bei Initialwörtern und Abkürzungen." Nun ja, so ganz einig war man sich also auch nicht und wer auf der sicheren Seite sein will, benutzt lieber keinen.

Doch wie geht`s uns damit? Oder wie gehts uns damit? Selbst diese an sich so einfache Frage wirft nun schon das nächste Problem auf. Laut Duden ist das Häkchen in diesem Fall „entbehrlich", aber seien wir doch mal ehrlich: Irgendwie sieht das doch ohne ganz schön besch...eiden aus. Aber halten wir fest: Bei der Verkürzung von „es" zu „s" ist es dem Schreibenden freigestellt, wie er es schreibt.

Wobei ich hinzufügen muss, dass Words (ohne „`"!) Autokorrektur in mein „gehts" automatisch einen Apostroph reinhaut und mir es jetzt unterschlängelt. Tja, was soll man machen, Computer sind halt auch nur Menschen und machen Fehler... Das Gleiche gilt übrigens für „ein" und „`n" bzw. „n": So (`)n Blödsinn aber auch!

Ein Apostroph kann, aber sollte nicht mehr bei wegfallendem -e in der ersten Person Singular und im Imperativ gesetzt werden. Wie sangen die Ärzte passend zu dieser Gelegenheit schon? „Ich bin nicht blind, ich seh es nur nicht ein." Tja, Word scheint es auch nicht einzusehen, denn dies wird schon wieder als falsch markiert, aber damit stehen die Ärzte und das Rechtschreibprogramm wohl nicht allein auf weiter Flur, wenn man sich die übliche Überschwemmung von Häkchen so anschaut.

Absolut tabu ist der Apostroph bei der Verschmelzung von Präposition und Artikel. Wer hat denn schon mal unterm Tisch einen gefunden? Oder doch eher auf dem Weg ins Haus? Ich hoffe niemand, denn obwohl der Apostroph ein Auslassungszeichen ist, ist er in dieser Konstellation absolut verboten und es darf auch keiner selbst entscheiden, was er nun schöner findet. Genauso unerwünscht ist er hinter LKWs oder CDs oder DVDs, hier handelt es sich schließlich nur um ein Plural-s und das haben wir doch schon zu Beginn in der Überschrift aus unserem Denken radiert.

Doch wer´s glaubt oder nicht (ja, ich hätte jetzt auch „wers" schreiben können) es gibt tatsächlich noch Wendungen, in denen unser liebstes Schmuckstück wirklich notwendig ist: Bei Auslassungen mitten im Wort nämlich: Wer zu faul ist Mönchengladbach oder Kurfürstendamm auszuschreiben, ist dazu verpflichtet M`gladbach und Ku`damm zu schreiben. Das sähe sonst ja auch richtig komisch aus.

Zusammenfassend ist der Apostroph im Deutschen nur in wenigen Fällen wirklich nötig: Beim Genitiv bei Worten, die auf einen s-Laut enden und bei Auslassungen mitten im Wort. In allen anderen Fällen ist es erlaubt oder sogar Pflicht, ihn wegzulassen. Somit kann sich nun hoffentlich der eine oder andere besser im Irrgarten der deutschen Sprache zurechtfinden!

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