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09/08/2015 11:37 CEST | Aktualisiert 09/08/2016 07:12 CEST

Frau Bundeskanzlerin, machen Sie die Katastrophe der deutschen Pflegeheime zur Chefsache

Thinkstock

Haben Demente und Alzheimer-Kranke Gehirne aus Plastik? Sie und ich und sogar auch die Dementen dieser Welt haben Gehirne, die es lieben, sich unendlich selber zu formen und zu verästeln.

Man könnte vom Perpetuum Mobile sprechen. Denken Sie also künftig ehrfüchtig von Ihrem Oberstübchen! Diese Ehrfurcht könnte auch die grausige Welt der Pflegeheime revolutionieren. Ich verstehe nicht, warum das außer mir niemand schreibt, also schreibe ich es mal:

Plastizität des Gehirns

Das ist ein Ausdruck, den die Hirnforscher verwenden, steiles Wort, hat mit Plastikschüsseln nur insofern etwas zu tun, als die Wortherkunft gleich ist. Plassein heißt der griechische Wortursprung und das bedeutet "bilden und formen".

Wenn Hirnforscher von der Plastizität des Gehirns sprechen, meinen sie die geradezu wunderbare, umwerfende Eigenschaft unserer Großhirne, sich permanent weiterzuentwickeln. Das ist geradezu zwanghaft. Das Gehirn hört mit dieser Aktivität erst auf, wenn der Sauerstoff ausbleibt oder wenn etwa ein Felsbrocken auf so einen Kopf fällt und diesen mechanisch zerstört.

Freude, schöner Götterfunke

Freude und andere starke Emotion, auch so eine richtige Sauwut etwa bewirken, dass selbst demente, kalkrieselnde Großhirne energisch zu arbeiten anfangen. Das ist eine Frage von Hormon-Cocktails, die vollkommen automatisch im Gefühlshirn ausgeschüttet werden.

Tödliches Gleichmaß

Das lahme Gleichmaß, nach dem die deutschen Pflegeheime für ihre sogenannten Schutzbefohlenen streben, ist tödlich für das Gehirn, denn es erzeugt Emotionslosigkeit. Wir müssen hier noch gar nicht von der kriminellen Verabreichung von Ruhigstellungsmitteln sprechen, die bloß der Gipfel eines grottenfalschen Denkens sind.

Lachen und Weinen sind Menschenrecht!

Auch alte Menschen, die der Pflege bedürfen, haben das Recht auf Lachen und Weinen. Allerdings denken die Pflegeleute leider, dass dies ihre Arbeit verkomplizieren würde. Es geht aber nicht um das Befinden der Pflegeleute, es geht um das Befinden der alten Menschen, denn die zahlen eine Menge Kohle dafür, dass sie ruhiggestellt monate-, jahrelang auf irgendwelchen Stühlen rumhocken und vor sich hinbrüten, schweigend, so dass das Gehirn immer mehr vergammelt.

Dienstleistungsdenken statt Gnadenbrot im Armenhaus

Menschen in den Pflegeheimen haben in eine Versicherung eingezahlt. Sie haben ANSPRUCH auf Gegenleistung. Pfleger sind keine Mutter-Theresas und Franz-von-Assisis, sondern Menschen, die bezahlt werden dafür, dass sie einen Dienst leisten.

Heimträger kriegen eine Stange Geld - allein in der Pflegestufe I ist das pro Person durchschnittlich 2.700 Euro. Dafür darf man nicht so tun, als habe man es mit alten Gäulen zu tun, die man freundlicherweise so lange mit Gnadenbrot am Leben hält, bis sie (endlich?) von selber sterben. Das ist verdrehtes Denken und das ist unanständig. Dieses alte Denken aus dem 18. Jahrhundert muss weg!

Arsch hoch, Frau Bundeskanzlerin!

Ich fordere von Ihnen, die Katastrophe der deutschen Pflegeheime zur Chefsache zu machen. Ihr Vater war Pastor, Sie sollten also ein christliches Weltbild in der Seele tragen, das auf Nächstenliebe beruht. Nächstenliebe ist die Grundlage unserer Kultur in Deutschland. Sie mündet in den Zustand, den wir A N S T A N D nennen. Es fehlt an beidem.

Revolution!!!

Die Hirnforschung weist den Weg für eine Revolution des Pflegedenkens. Niemand kann behaupten, nichts gewusst zu haben. Wir - auch Sie - haben innovative Gehirne, die zu kreativsten Lösungen fähig sind.

Sofern man nicht, wie Sie, geehrte Frau Bundeskanzlerin, behauptet, bestimmte Dinge seien alternativlos, unabwendbar, hatten wir noch nie, wollen wir nicht, wir machen immer alles so, wie immer schon. Ehrfurcht für das Oberstübchen drückt sich darin aus, dass man es einschaltet.

Auch alte Menschen haben das Recht auf Lachen und Weinen, Anstand und Respekt, Glück und Zufriedenheit bis zum letzten Schnaufer!


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