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26/02/2015 08:52 CET | Aktualisiert 28/04/2015 07:12 CEST

Nahtoderfahrungen - Vorhof zum Himmel oder bloß Hirngespinste?

Thinkstock

Nahtoderfahrungen (NTE) gehören in die Kategorie der "Außergewöhnlichen Bewusstseinserfahrungen" (ABE).

„Echte" NTE treten in unmittelbarer Nähe des möglichen eigenen Todes auf. Manch ähnliche Phänomene aus der Kategorie ABE finden sich aber auch völlig unabhängig der eigenen Todesnähe: Sie kommen zum Beispiel in besonderen Stresssituationen vor. Dazu gehören häufig auch solche Momente, in denen ein geliebter Angehöriger mehr oder weniger kürzlich verstorben ist oder im Sterben liegt. In diesen besonderen Fällen spricht man auch von Nachtoderfahrungen.

Skepsis gegenüber NTE

Viele Kritiker sprechen derartigen Erlebnissen einen möglichen spirituellen und nicht durch das (materielle) Gehirn ausgelösten Charakter rundweg ab. Eines ihrer Argumente ist, dass die eigene unmittelbare Todesnähe eben nicht grundsätzlich entscheidend für ein solches Phänomen ist.

In der Regel stufen sie solche Erfahrungen als Halluzinationen ein. Hierfür geben sie verschiedene Gründe an: So seien sie durch Sauerstoffmangel induziert oder Folge von halluzinogenen Medikamenten, darunter auch solchen, die der Körper selbst produziert (sogenannte Endorphine oder Glückshormone).

Manch ein Kritiker versucht sogar, eine evolutionäre Ursache für NTE glaubhaft zu machen. So bereite uns die Evolution mit einer NTE noch eine Art Abschiedsgeschenk, bevor wir dann endgültig das „Zeitliche segnen" würden.

NTE haben keinen materiellen Ursprung

Ich bin da durchweg ganz anderer Ansicht und heute längst davon überzeugt, dass viele dieser Erfahrungen, egal ob sie in wirklicher Todesnähe oder unter extremen Stresssituationen gemacht werden, keinen materiellen Ursprung haben. Ich halte sie in vielen Fällen tatsächlich für spiritueller Natur oder, medizinisch ausgedrückt, vor allem in ihrer oft vorfindbaren, ganzen Komplexität nicht für neurophysiologisch erklärbar.

Diese Überzeugung hatte ich jedoch nicht immer. Vielmehr bin ich von meinem längst verstorbenen Vater vor inzwischen 39 Jahren mal gefragt worden, ob ich an etwas nach unserem Tod glauben würde. Damals hatte ich das genauso rundweg abgelehnt, wie es heute sehr viele Kritiker tun.

In den Folgejahren hatte ich dann aber selbst sogar gleich ein paar solcher ABE, und bis heute war ich dem eigenen Tod bereits fünfmal ziemlich nahe.

Das alles hat in mir allmählich ein 180-Grad-Umdenken bewirkt.



Zunächst versuchte ich zu ergründen, inwieweit die sogenannten „modernen Erkenntnisse der Naturwissenschaften" tatsächlich auf gesicherten Füßen stehen. Schon bald musste ich erkennen, dass dem in vielen Fällen nicht so ist. So beruhen zum Beispiel gerade viele der heute sehr populären Vorstellungen in der Kosmologie nach wie vor bloß auf puren Spekulationen als Folge oft sehr einseitiger Interpretationen tatsächlicher Ergebnisse und Beobachtungen - auch wenn sie uns allen dann in der Regel ganz anders „verkauft werden".

Ähnliches gilt für die „Erkenntnisse der Hirnforschung": Tatsächlich ist man von neurophysiologischen Erklärungen für die entscheidenden Grundlagen unseres „Selbst", für unser „Ich" oder für „Bewusstsein" weiter entfernt denn je.

Als 2004 namhafte deutsche Hirnforscher in einem „Hirnmanifest" verkündeten, dass auch diese Phänomene innerhalb von 10 Jahren erklärbar seien, so mussten sie 2014 kleinlaut einräumen, dass dem tatsächlich nicht im Geringsten so ist.

Außerdem begann ich, mich auch intensiv den NTE und anderen Phänomenen aus der Gruppe der ABE zu widmen und lernte, meine eigenen Erfahrungen weder zu verdrängen, noch zu ignorieren, sondern als real zu akzeptieren. Nicht zuletzt auch im Rahmen eigener Beobachtungen und Forschungen kann ich heute ein paar Feststellungen machen, die viele Kritiker trotz ihrer Korrektheit weiterhin ignorieren:

  1. Sauerstoffmangel kann zwar für ein paar einzelne Phänomene innerhalb einer komplexen NTE durchaus verantwortlich sein. Das komplexe Phänomen einer NTE wird damit jedoch nicht erklärt. Viele NTE werden heute in Kliniken beobachtet, häufig gerade auch unter OP-Bedingungen. Sauerstoffmangel scheidet hier gewöhnlich als Ursache aus.
  2. Halluzinationen setzen noch funktionierende Sinnesorgane voraus, wenn es sich um optische oder akustische Wahrnehmungen handelt. Außerdem lassen sich bei Halluzinationen stets rege elektrische Hirnaktivitäten messen. Nahtoderfahrungen finden wir aber auch bei Blinden und Tauben, ja sogar bei Geburtsblinden und -Tauben. Außerdem gibt es zahlreiche nachgewiesene Fälle, bei denen die NTE unter annähernder oder kompletter elektrischer Inaktivität auftrat.
  3. Die Inhalte von NTE werden von den Betroffenen regelmäßig lebenslang detailliert erinnert. In vielen Fällen führen sie zu erheblichen Veränderungen in ihrem späteren Leben. Und fast alle verlieren danach die Angst vor dem Tod. Derartig gravierende Einflüsse finden sich nirgendwo sonst.
  4. Viele NTE-ler haben keine halluzinogenen Medikamente erhalten. Solche Drogen führen praktisch immer auch zu Einschränkungen des Bewusstseins. NTE-Betroffene geben jedoch zu etwa 80 Prozent an, viel klarer und höher orientiert gewesen zu sein. Und fast alle stufen ihre Erfahrungen als völlig real ein. Unter Medikamentenzufuhr haben Erlebnisse aber stets traumhaften Charakter und werden auch als nicht real erkannt. Größere Klarheit und höhere Orientiertheit findet sich unter Medikamenteneinfluss genauso wenig wie in den gerne zitierten Übergangsstadien zwischen Bewusstheit und Bewusstlosigkeit.
  5. Auch die Behauptung, NTE seien besondere Formen von Träumen, muss widersprochen werden; denn NTE besitzen inhaltlich sehr eigene und spezielle Muster, die unabhängig von kulturellen oder religiösen Hintergründen sind. Dagegen haben Träume immer und durchweg individuellen Charakter.
  6. Schließlich findet sich bei NTE oft das Phänomen „außerkörperlicher Erfahrungen" (AKE) - oder im englischen „Out-of-Body-Experiences" (OBE) genannt. Bei manch einer OBE kommt es zu Beobachtungen, die sogar nachweislich darauf schließen lassen, dass sie nicht am Unfallort oder vom OP- Tisch aus gemacht worden sein können. Zwar wird heute in vielen Medien leider weiterhin kritiklos eine Arbeit des Schweizer Kollegen Olaf Blanke aus dem Jahr 2002 zitiert, nachdem derartige OBE sogar experimentell stimulierbar seien. Das ist aber falsch. Schon bei dem damals vorgestellten Einzelfall handelte es sich nicht um eine „echte OBE", sondern um eine in der Psychiatrie bekannte Halluzinationsform, die bloß als OBE fehlgedeutet wurde.

Nach all meinen inzwischen zahlreichen persönlichen Erfahrungen und meiner intensiven Auseinandersetzung mit allen möglichen, gerade auch naturwissenschaftlichen Grundlagen in mittlerweile mehr als 30 Jahren, komme ich für mich heute zu dem Schluss, dass unser Leben mit dem Tod nicht endet. Es geht sicher irgendwie weiter, wenngleich kaum so, wie durch manche Religionen oder in der heute so modernen Esoterik verkündet.

In nunmehr 16 Sachbüchern innerhalb der letzten 16 Jahre, davon 6 in englischer Sprache, versuche ich, die ganze Komplexität dieser „Materie", und auch der von NTE, ganzheitlich und plausibel zu ergründen. Da ich selbst die Erfahrung gemacht habe, dass sich viele Menschen nicht wirklich gerne mit Sachbüchern auseinandersetzen, habe ich vor wenigen Tagen im Februar 2015 meinen ersten Roman mit dem Titel „Unser Schlüssel zur Ewigkeit" herausgegeben. Er soll die gesamte Thematik in spannender und bewegender Weise für jeden leicht verständlich und gut lesbar näherbringen:

Taschenbuch: ISBN 978-3-936624-16-8, 316 Seiten; E-Book: ISBN 978-3-936624-27-4). Auch soll dieses Buch in Kürze ins Englische übersetzt werden.

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