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23/12/2015 05:25 CET | Aktualisiert 23/12/2016 06:12 CET

Vergessene Muslimische Helden Teil 2

Copyright by Ata Mohammad Adnan via Getty Images

Oft wird der Islam kritisiert, dass er gegenüber dem Judentum kritisch, wenn nicht sogar feindlich eingestellt wäre. Aber diese These entspricht alles andere als der Wahrheit. Der Islam lehrt, dass man seinen Mitmenschen - unabhängig ihrer Religionszugehörigkeit - mit Liebe und Mitgefühl behandeln sollte.¨

Die Lehre des Islam geht sogar so weit, dass er sagt, der Zweck des Lebens eines Muslimen der Dienst an die Menschheit ist. Die Taten von den „Islamisten", die beanspruchen, den Islam zu vertreten, sind daher von diesem Standpunkt aus betrachtet alles andere als islamisch.

In einer Reihe von Artikeln möchte ich aufzeigen, was für einen Dienst einzelne Muslime für das jüdische Volk während des zweiten Weltkriegs erbracht haben. In einer weiteren Reihe werde ich explizit auf die Beziehung des Islam zu anderen Religionen und Glaubensrichtungen eingehen.

Ein Beispiel hierzu wäre Ahmed Somia. Er war der tunesische Co-Direktor des French Muslim Hospital in Paris. Er organisierte Waffen für die Résistance sowie eine Funkübertragung und behandelte verletzte Widerstandskämpfer. Somia half vielen gestürzten Piloten, in dem sie in einem als getarnten Tuberkulosen Camp versteckt wurden, in denen sich die Nazis nicht hineinwagten.

Si Kaddour Benghabrit

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Er war der Gründer, sowie Imam der „Grande Mosquée de Paris". Er rettete das Leben von Hunderten Juden, indem er sie in der Moschee versteckte. Auch verschaffte er vielen Juden, muslimische Identitäten, damit sie aus Paris ausreisen konnten. Einer davon war Salim Halili, der später ein berühmter Sänger werden sollte. Er überzeugte viele Muslime, sich der französischen Widerstandsbewegung anzuschließen. Man geht davon aus, dass er über 1'600 Juden das Leben gerettet hatte.

Si Ali Sakkat

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Er war ein ehemaliger tunesischer Minister sowie der Bürgermeister von Tunis. 1940 genoss er seinen wohlverdienten Ruhestand in Jebel, Zaghouan. In der Nähe der Sakkat's befand sich ein judisches Arbeitslager.

Die Juden wurden gezwungen, auf dem Flugplatz zu arbeiten, der ständig von den Allierten bombardiert wurde. Die Araber waren gezwungen, anzusehen, wie die Juden häufig gefoltert und misshandelt wurden. 60 jüdisch jüdische Gefangene konnten während einer stark umkämpften Nacht fliehen.

Den ersten Zufluchtsort, den sie fanden, war die Farm von Sakkat. Sie klopften an der Tür und ihnen wurde Zuflucht gewährt. Sie durften bei ihm bis zur Befreiung von Tunesien durch die Alliierten bleiben.

Khaled Abdul-Wahab

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Er war der Sohn eines bekannten tunesischen Historikers. Als die Nazis Tunesien einnahmen, fungierte er als Vermittler zwischen den Nazis und der Küstenstadt Mahdia. Als er vernahm, dass deutsche Offiziere die Vergewaltigung einer örtlich wohnhaften Jüdin namens Odette Boukhris planten, versteckte er die Frau und ihre Familie, so wie zwei Dutzend weitere Juden auf seiner Farm außerhalb der Stadt.

Die Juden hielten sich bis zur Beendigung der Besatzung vier Monate lang dort versteckt. Abdul-Wahab wird oft auch als der „arabische Oskar Schindler" bezeichnet. 2009 wurden ihm zu Ehren zwei Bäume gepflanzt.

Einer der Bäume wurde in Adas, auch bekannt als Israels Garten der Gerechten, in Washington D.C gepflanzt. Der zweite Baum pflanzte man in „Garden Righteous Worldwide" gepflanzt. Seine Tochter Faiza nahm an der Zeremonie teil.

Shaykh Taieb el-Okbi

Taieb el-Okbi war ein Mitglied der Partei Algerian Islah, und war ein Freund des prominenten algerischen Reformisten Abdelhamid Ben Badis, der die Toleranz zu verschiedenen Religionen und Kulturen predigte.

Bed Badis gründete und führte die Algerian League of Muslims and Jews an. Er wurde vor der Einnahme Algeriens von Truppen aus Vichy getötet, daher nahm Taieb el-Okbi seinen Platz ein. Taieb El-Okbi fand heraus, dass die pro-faschistischen Führer der Légion Français des Combattants einen Progrom gegen die Juden durch muslimische Truppen planten.

Er tat alles, um dies zu verhindern und befahl den Muslimen, die Juden auf keinen Fall anzugreifen. Seine Taten werden mit denen von Erzbischofen Jules-Géraud Saliège und Pierre-Marie Gerlier verglichen.

Refik Veseli

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Die meisten der 2000 Juden wurden durch die albanische Bevölkerung geschützt. Refik Veseli, ein 17-jähriger muslimischer Junge, gewährte der Familie von Mosa und Gabriele Mandil, sowie ihren zwei Kindern Schutz. Die Flüchtlinge aus Belgrad stammen ursprünglich aus Novis Sad. Refik arbeitete im Fotoladen der Mandil in Tiran als Praktikant.

Als die Deutschen Italien besetzten, nahm er die Flüchtlinge, sowie eine weitere jüdische Familie, über die Nacht mit zu seinem Dorf namens Kruja. Dort wurden sie von seinen Eltern während des Krieges beschützt.

Neun Monate später schützten sie diese gegen die Partisanen der Enver Hoxha. Sein Beispiel folgte das ganze Dorf und die Dorfbewohner brachten ihr eigenes Leben für die Juden in Gefahr.

Im Jahre 1990, als in Albanien den Juden die Aliyah erlaubt wurde, erzählten viele Juden ihre Geschichten, wie sie von muslimischen Albanern gerettet wurden. Lediglich aus dem Grund, dass es ihre Pflicht war, als Muslime ihre Mitmenschen zu schützen. Seit diesem Tag werden mehr als 50 Albaner unter „den Gerechten" gezählt.

Das ist die Geschichte von einzelnen Muslimen, die nicht nur Muslime genannt wurden, sondern auch durch ihre Taten den wahren Islam praktizierten. Der Islam lehrt keineswegs, Andersgläubige oder Ungläubige umzubringen, stattdessen lehrt er uns gerecht zu sein und den Glauben anderer zu ehren.

Auch lehrt uns der Quran, dass es für Allah keinen Unterschied gibt, ob der Mensch Muslim oder Anhänger einer anderen Glaubensrichtung ist. Im Gegenteil, der Islam streckt Andersgläubigen die Hand für eine Zusammenarbeit und Freundschaft aus (Sure 3, Vers 65). Damit sind selbstverständlicherweise auch die Juden gemeint:

„Jene, die geglaubt haben, und die Juden und die Sabäer und die Christen - wer da an Allah glaubt und an den Jüngsten Tag und gute Werke tut -, keine Furcht soll über sie kommen, noch sollen sie trauern." (Sure 5, Vers 70)

Immer wieder wird vorgeworfen, der Islam verbiete die Freundschaft mit Andersgläubigen. Jedoch bezeugt der oben zitierte Vers, sowie die folgenden Verse, dass der Quran eine solche Freundschaft nicht verbietet, sondern eher befürwortet.

„Sie sind nicht (alle) gleich. Unter dem Volke der Schrift ist eine Gemeinde, die fest (zu ihrem Vertrag) steht; sie sprechen Allahs Wort in den Stunden der Nacht und werfen sich nieder (vor Ihm).

Sie glauben an Allah und an den Jüngsten Tag und gebieten das Gute und verwehren das Böse und wetteifern miteinander in guten Werken. Und sie zählen zu den Rechtschaffenen. Und was sie Gutes tun, nimmer wird es ihnen bestritten; und Allah kennt die Gottesfürchtigen wohl." (Sure 3, Verse 114-116)

Allah verbietet euch nicht, gegen jene, die euch nicht bekämpft haben des Glaubens wegen und euch nicht aus euren Heimstätten vertrieben haben, gütig zu sein und billig mit ihnen zu verfahren; Allah liebt die Billigkeit Zeigenden.

Allah verbietet euch nur, mit denen, die euch bekämpft haben des Glaubens wegen und euch aus euren Heimstätten vertrieben und (anderen) geholfen haben, euch zu vertreiben, Freundschaft zu machen. Und wer mit ihnen Freundschaft macht - das sind die Missetäter." (Sure 60 Vers 9-10)

Wie ich bereits erwähnt habe, der Dienst und Schutz an der Menschheit ist die Pflicht eines wahren Muslimen. Und diese Muslime, deren Geschichte ich in diesem Artikel erzählt habe, personifizierten, in welch einer Art und Weise, der Heilige Prophet Mohammed und der Quran uns lehren, wie ein wahrer Muslim mit seinen Mitmenschen, besonders mit denen die einer anderen Glaubensrichtung angehören umgehen sollte.

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