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19/08/2015 07:57 CEST | Aktualisiert 19/08/2016 07:12 CEST

Scharia: 5 Punkte, die jeder Nicht-Muslim (und Muslim) darüber wissen sollte

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Dies ist die englische Übersetzung des ArtikelsShariah Law: The Five Things Every Non-Muslim (and Muslim) Should Know von Qasim Rashid, der am 01.04.2012 in der Huffington Post erschienen ist.

Was ist mit Scharia gemeint?

Scharia ist das koranische Gesetz und bedeutet wörtlich übersetzt „Weg zur lebenspendenden Wasserquelle". Spannenderweise bedeutet das Wort Yarrah (das ist die Wurzel des hebräischen Wortes Thora) genau das Gleiche. Somit ist die Scharia tief in der abrahmischen Tradition verwurzelt.

Die Scharia besteht aus fünf Teilen: adab (Verhalten, Moral, Sitte und Anstand), ibadah (rituelle Anbetung), i'tiqadat (Glaube), mu'amalat (Geschäfte und Verträge), `uqubat (Bestrafung). Diese fünf Begriffe vereint sollen eine Gesellschaft bilden, die auf Gerechtigkeit, Pluralismus und Justiz für jeden Einzelnen dieser Gesellschaft basiert.

Des Weiteren verbietet die Scharia, einen Menschen gegen seinen Willen etwas aufzuzwingen. Der islamische Gründer, Prophet Mohammed hat mit seinem Beispiel selbst gezeigt, dass die Scharia nur dann eingeführt werden darf, wenn die Menschen selbst bereit sind, sich dieser zu unterwerfen - niemals durch den Zwang irgendeiner Regierung.

Zusätzlich bevorzugt der Koran keine spezifische Regierungsform, aber verlangt, dass die Form die von den Mensch gewählt wird, auf adl oder auf „absolute Gerechtigkeit" basiert. Der Koran sagt:

„Allah gebietet Gerechtigkeit und uneigennützig Gutes zu tun und zu spenden wie den Verwandten; und Er verbietet das Schändliche, dass offenbar Schlechte und die Übertretung. Er ermahnt euch, auf dass ihr es beherzigt."

Beachtet, eine Bevorzugung aufgrund des Glaubens wird hier nirgends erwähnt.

Deswegen ist das Regieren mit absoluter Gerechtigkeit die Scharia, wie es zum Beispiel der gerechte jüdische König Solomon als Monarch getan hat basierend auf den fundamentalen Prinzipien des Scharia Gesetzes - Gerechtigkeit.

2. Wollen die Muslime die Scharia, um die westliche Hemisphäre zu regieren?

Nein, der Koran lehrt, dass die Religion nicht die Angelegenheit des Staates ist und in diesem Sinne eine laizistische Form bevorzugt. Scharia ist die persönliche Beziehung eines Menschen mit Gott. Prophet Mohammed hat es mit seinem Beispiel vorgelebt, als er de facto der Herrscher Arabiens war und im Vertrag von Medina festlegte, dass bei den Muslimen das Scharia Gesetz gilt und bei den Juden das Gesetz der Thora.

Keinem wurde das Scharia Gesetz aufgezwungen, weil dieser selbst dies verbietet. Der Koran legt ganz klar dar: „Es gibt keinen Zwang im Glauben." (2:257) Ferner die Scharia gebietet den Muslimen, loyal zu den Landesgesetzen zu sein, wo er lebt. Daher müssen zum Beispiel die amerikanischen Muslime die US-Verfassung als oberstes Gesetz einhalten, genau so die deutschen Muslime die Bundesverfassung.

3. Wenn die Muslime die Scharia gar nicht wollen, um in der westlichen Hemisphären regieren zu können, was spricht dann gegen einen Verbot?

Als Erstes, Scharia ist die persönliche Beziehung zwischen einem Muslimen und Gott. Zum Beispiel, der erste Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten verbietet, dass Gesetze erlassen werden, die die freie Religionsfreiheit einschränkt - insbesondere die persönliche Freiheit eines jeden Einzelnen.

Zweitens, falls die Scharia verbannt werden sollte, dann könnten westliche Muslime nicht mehr gemäß der islamischen Riten heiraten, erben, Testamente setzen oder entscheiden, sich scheiden zu lassen.

Wenn ähnliche Beschränkungen über andere Glaubensgruppen verhängt würden, dann könnte kein kirchlicher Würdenträger eine Heirat abhalten können, kein Bischof könnte die letzte Ölung erteilen, kein Rabbi könnte eine rituelle Beschneidung durchführen und oder an einem jüdischen männlichen Säugling weil das sind, alles Judeo-Christlich religöse Gesetze.

Auch innerhalb des aktuellen Rechtssystems behandeln Juden oft ihre Rechtsangelegenheiten durch die rabbinischen Gerichte bekannt als „beit din". Amerikanische und europäische Muslime wollen lediglich auch die gleiche durch das Gesetz zugesicherte Rechte genießen.

4. Was sagt die Scharia über andere Religionen?

Die Scharia Gesetze sichert die absolute Gewissens- und Religionsfreiheit zu. Zum Beispiel geht der Koran so weit, dass er die Muslime verpflichtet hat für die Rechte der Juden, der Christen und anderer Glaubensgruppen zu kämpfen und deren Synagogen und Tempel vor Angriffen zu schützen. (22:41)

Die Scharia geht sogar so weit und sagt zu den Muslimen, dass sie bezeugen sollen, dass sie an alle vergangenen rechtmäßigen Propheten glauben, einschließlich Jesus, Moses, Abraham, Krishna und Buddha. Sie müssen deren Anhänger respektieren.

Als Prophet Mohammed auf friedliche Weise der Herrscher Arabiens wurde, hat er die persönliche Religionsfreiheit eines jeden einzelnen beschützt. Es war seine primäre Anordnung, dass ein jeder in Arabien, sei er nun ein Muslim, Christ, Jude oder Götzendiener seinen Glauben ohne irgendwelche Einschränkung oder Unterdrückung ausleben kann.

5. Was ist mit solchen Ländern, die andere unterdrücken, aber dennoch behaupten, sie würden die Scharia befolgen?

Solche Regierungen haben das Dogma der Gerechtigkeit ignoriert, die die Scharia innehat und haben im Gegenteil die Scharia als Ausrede missbraucht, um ihre Macht zu erweitern und religiös extremistische Sanktionen zu verhängen.

Nur um es klarzustellen: Es existiert derzeit kein Land, dass Scharia-konform ist(!) Amerika, Deutschland und andere westliche Länder sind islamischer als die so genannten „muslimischen Länder". Weil diese die Glaubens-, Rede-, Meinungs- und Gewissensfreiheit zusichern.

All das sind Kennzeichen des Scharia Gesetzes. Jene Nationen, die im Namen der Scharia unterdrücken stellen genau solche Forderungen wie die Sklavenhalter in der Bibel, die auf ihr Recht auf Sklaverei pochten.

Genau wie bei den „gewalttätigen" Versen aus dem Koran, die zugleich von den Kritikern und Extremisten zitiert werden. Eine ehrliche und ausführliche Auseinandersetzung dieser Verse lässt einen erkennen, dass diese von beiden völlig aus dem Konzept gerissen werden. Unglücklicherweise weigern sich Extremisten und Kritiker solche Grundprinzipien einzugestehen.

Kurz gesagt, die Scharia führt einen Muslim dazu eine persönliche Beziehung mit Gott einzugehen, genau so wie das Alte und das Neue Testament die Christen und Juden anleitet eine persönliche Beziehung mit Gott einzugehen. Von diesem Weg der lebenspendenden Wasserquelle gibt es nichts zu befürchten.


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