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16/06/2015 04:58 CEST | Aktualisiert 16/06/2016 07:12 CEST

Arzt oder Promi: Warum das Medizinstudium für eine Showkarriere prädestiniert ist

Nach wie vor verdienen Ärzte gut, der Arbeitsplatz ist relativ sicher und Mediziner haben das schöne Gefühl, anderen Menschen zu helfen. Zusätzlich genießt der Arztberuf immer noch mit das höchste gesellschaftliche Ansehen.

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Wer nach dem Abitur ein Medizinstudium beginnen will, muss viel Wartezeit mitbringen oder - noch besser - über einen sehr guten Notendurchschnitt verfügen.

Je nach Jahrgang und Bundesland wird eine Abschlussnote von 1,0 bis 1,4 gefordert, um überhaupt zum Studiengang Medizin an einer Universität zugelassen zu werden.

Auf Medizinstudenten warten dann im Grund- und Hauptstudium Themengebiete wie Anatomie, Physiologie, Psychologie, Biologie und Physik, die allgemein als durchaus lernintensiv gelten.

Wer die in der Regel mindestens zwölf Semester und das praktische Jahr durchhält sowie die beiden Staatsexamen meistert, dem steht einer erfolgreichen Karriere im Krankenhaus, als niedergelassener Arzt oder in der Industrie nur noch wenig im Weg.

Nach wie vor verdienen Ärzte gut, der Arbeitsplatz ist relativ sicher und Mediziner haben das schöne Gefühl, anderen Menschen zu helfen. Zusätzlich genießt der Arztberuf immer noch mit das höchste gesellschaftliche Ansehen.

Neben Fachwissen gehören Eigenschaften wie Überzeugungskraft, Fleiß, Lernwille und Verbindlichkeit dazu, um ein Medizinstudium erfolgreich abzuschließen - Fähigkeiten, die sich auch auszahlen, wenn man in Politik und Showbranche erfolgreich sein will.

Genauso wie eine gewisse kommunikative Stärke, die Ärzte in Patientengesprächen mitbringen sollten, die ihnen aber leider häufig fehlt. Um es in bester Werbesprache auszudrücken: Alles in allem ist ein Medizinstudium eine gute Schule fürs Leben und vielleicht erklärt sich dadurch, dass eine Reihe bekannter Persönlichkeiten in Deutschland Medizin als Studienfach gewählt haben.

Bekannte Studienabbrecher

Es dürfte auf den ersten Blick überraschen, dass zwei der originellsten Sänger ursprünglich eine Arztkarriere angestrebt hatten.

Neben dem „König von Mallorca", Jürgen Drews, hat auch Roberto Blanco zwei Semester Medizinstudium hinter sich.

Beide haben ihr Studium abgebrochen, um sich ganz der "Musik" und Partymacherei zu widmen, die beim Blick in die Boulevardpresse auch im Leben von Veronika-Ferres-Ehemann Carsten Maschmeyer eine Rolle spielt.

Dieser wiederum hat sein Medizinstudium vorzeitig beendete, um anderweitig Karriere zu machen. Er entschloss sich, Finanzprodukte unters Volk zu bringen und lernte zahlreiche Politiker kennen.

Durchhaltewille wird belohnt

Wesentlich erfolgreicher hat Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen ihr Studium absolviert. 1987 hat sie ihr Medizinstudium in Hannover abgeschlossen und wurde anschließend Assistenzärztin in einer Frauenklinik.

Ihre Promotion zum Dr. med. erfolgte mit der Arbeit „C-reaktives Protein als diagnostischer Parameter zur Erfassung eines Amnioninfektionssyndroms bei vorzeitigem Blasensprung und therapeutischem Entspannungsbad in der Geburtsvorbereitung". Heute hat sie sieben Kinder.

Ihre Facharztausbildung hat sie allerdings ohne Abschluss beendet. Aktuell kann sie ihre anatomischen und medizinischen Fähigkeiten besonders in der Bewältigung des Skandals um die Beschaffung des fehlerhaften Sturmgewehrs G36 unter Beweis stellen.

Auf eine politisch besonders beeindruckende Karriere kann der ehemalige FDP-Vorsitzende und Vizekanzler Philipp Rösler verweisen. Von 1993 bis 1999 studierte er in Hannover Medizin.

Er begann eine fünfjährige Facharztausbildung zum Augenarzt am Facharztzentrum der Bundeswehr in Hannover und promovierte mit einem Thema zu "Rhythmusstörungen nach Herz-Operationen und deren medikamentöse Behandlung" zum Dr. med. Dass ein Medizinstudium auch die Kommunikation schulen kann, zeigte Rösler in einem der schreckllichsten Talkshow-Auftritte eines Politikers aller Zeiten.

Tierärztliche Kompetenz stellte er mit seiner Frosch-Parabel unter Beweis. Zusätzlich hat er es als erster FDP-Vorsitzender geschafft, die Partei aus dem Deutschen Bundestag in die Bedeutungslosigkeit zu führen.

Der Allroundkünstler - Kabarettist, Autor und Moderator - Eckart von Hirschhausen ist sicherlich der präsenteste Arzt im deutschen TV - neben den Politikern von der Leyen und Karl Lauterbach von der SPD vielleicht.

Seine Showkarriere sieht von Hirschhausen als logische Fortsetzung seiner medizinischen Laufbahn getreu dem Motto „Lachen ist gesund". Er studierte Medizin in Berlin und Heidelberg und arbeitete bis 1994 in einer Kinderklinik.

Seine Promotion befasste sich mit dem Thema „Wirksamkeit einer intravenösen Immunglobulintherapie in der hyperdynamen Phase der Endotoxinämie beim Schwein." Medizin und Wissenschaft ziehen sich durch sein gesamtes künstlerisches Wirken.

Von Hirschhausen moderiert in der ARD unter anderem die Wissensshows „Frag doch mal die Maus" und „Hirschhausens Quiz des Menschen". Seine Stiftung „Humor hilft heilen" setzt sich für mehr Freude und Lachen in Krankenhäusern ein.

Von der Praxis zum Tatort

Maria Furtwänglers Paraderolle als Schauspielerin ist die der Tatort-Kommissarin Charlotte Lindholm.

Furtwängler studierte Humanmedizin an der Universität Montpellier in Frankreich - aus Begeisterung für Naturwissenschaften, wie sie heute sagt.

1996 hat sie an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit einer Arbeit über den Einfluss eines Spontanaborts auf das Erleben einer nachfolgenden Schwangerschaft und den Einfluss einer Schwangerschaft auf die Verarbeitung eines vorangegangenen Aborts promoviert.

Als Ärztin hat sie in München gearbeitet, bevor die Schauspielerei einen immer größeren Raum einnahm. Für die Organisation „German Doctors" sammelt sie heute regelmäßig Spendengelder für soziale Projekte.

Das enge Verhältnis von Schauspielerin Christiane Paul zur Medizin liegt in der Familie. Der Vater ist Chirurg, die Mutter Anästhesistin - und selbstverständlich heirate sie auch einen Mediziner.

Eine richtige Arztfamilie also. Sie selbst promovierte an der Charité in Berlin, widmete sich nach zwei Jahren aber komplett der Schauspielerei. In der ZDF-Reihe „Der Doc und die Hexe" spielte sie eine alternative Ärztin.

Der Schriftsteller Rainald Goetz hat Geschichte, Theaterwissenschaft und Medizin in München und Paris studiert.

„Das Reaktionszeit-Paradigma als diagnostisches Instrument in der Kinderpsychiatrie" lautete das Thema seiner Dissertation. Als Schriftsteller veröffentlichte er Romane und kommentiert als "teilnehmender, begeisterter oder polemischer Beobachter" verschiedene Tendenzen der Gegenwart wie beispielsweise die Technokultur.

International hat der Zahnarzt und Sänger Dr. Alban sicherlich dazu beigetragen, dem Arztberuf Ruhm und Ehre zu verschaffen. Seine Lieder "It's my Life" und "No Coke" sind Klassiker der Populärkultur.

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