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18/04/2016 07:02 CEST | Aktualisiert 19/04/2017 07:12 CEST

Wenn der Selbstzweifel dein Leben bestimmt

Jupiterimages via Getty Images

Kennst du diese kleinen zweifelnden Stimmen, die dir zuflüstern, du bist noch nicht so weit, du bist nicht gut genug?

Du musst noch mehr geben, noch mehr machen, dich mehr anstrengen, besser werden, noch mehr lernen. Sie entmutigen dich, bevor den ersten Schritt überhaupt gemacht hast. Sie lassen dich umkehren auf deinem Weg.

Und wenn du dich so umschaust, siehst du in deiner Umgebung all die großartigen Menschen, die scheinbar nie solche Gedanken haben, die keine Zweifel haben.

Sie führen selbstbewusst und glücklich ihre Beziehung, im Job sind sie erfolgreich und selbstsicher. Das lässt dich noch kleiner fühlen. Oh, ich versteh dich so gut!

Jeder führt ein erfolgreiches Leben - nur ich nicht

Du schaust auf deine Timeline bei Facebook und siehst, „die Person hat geheiratet", „Die Person hat eine glückliche Familie mit Kindern.", „ Die Person hat keine Kinder und macht Urlaub in den USA.", „ Die Person hat ein erfolgreiches Business." - du schaust auf dich und denkst, jeder führt ein erfolgreiches Leben. Nur ich nicht! Das Gefühl, das hochkommt, ist Scham.

Scham baut eine Mauer um dich herum, trennt und isoliert dich von anderen. Die Überzeugung, nicht gut genug zu sein, lässt dich ständig auf der Hut sein. Du überprüfst deine Schwächen und Mängel und versuchst, die Kontrolle zu behalten.

Du versuchst alles, um den Schmerz und das Gefühl zu vermeiden, nicht gut genug zu sein. Du entwickelst Strategien, um mit deinem Selbstzweifel umzugehen.

1.) Selbstoptimierung

Wir bemühen uns, den gängigen Schönheitsidealen zu entsprechen. Hier eine Diät, dort eine Schönheits-Operation. Im Sportstudio geht es um den Muskelaufbau und die perfekten Proportionen.

Wir belegen Weiterbildungsmaßnahmen. Treiben uns auf der Arbeit zur Höchstleistungen an. Unsere To-do-Listen sind lang und voll. Wir lesen Bücher, machen Kurse - wie wir noch besser werden können.

Keine Frage, all diese Aktivitäten können auf gesunde Art und Weise unternommen werden. Doch oft entstehen sie aus dem Mangelgefühl. Aus dem Gefühl, nicht gut genug zu sein.

2.) Immer auf Nummer sicher

Kinder sind neugierig, wissbegierig und lernbereit. In meiner Praxis als Logopädin sehe ich oft Kinder, die sich nicht trauen. Das kann ich nicht. Das schaffe ich nicht. Sie verweigern sich. Das machen sie nicht aus Trotz, sondern aus dem Gefühl, nicht gut genug zu sein.

Das berührt mich sehr und macht mich traurig zu sehen, wie früh der Same des Mangels schon gelegt wird und wie sehr es die Entwicklung bremsen kann.

Das Leben bietet immer ein gewisses Risiko und Fehler sind oft unvermeidbar. Auf Nummer sicher zu gehen erfordert, riskante Situationen zu vermeiden.

Damit betrifft es fast alle Bereiche im Leben: die Führung und die Verantwortung bei der Arbeit übernehmen, wirkliche Nähe und Intimität in der Beziehung zulassen, Kreativität ausleben, sagen, was wir meinen und die Gefühle zeigen.

3.) Flucht in den Bienchen-Modus

Sich beschäftigen und ablenken ist heutzutage so leicht wie nie. Wenn wir nicht gerade arbeiten, bieten die Social-Media-Kanäle, Emails checken oder Fernsehen genug Möglichkeiten zur Ablenkung.

Beschäftigt sein ist unserer Leistungsgesellschaft eine weit verbreitete und positiv bewertete Möglichkeit, unserem Schmerz und den Gefühlen der Verletzlichkeit und der Unzulänglichkeit zu entweichen.

Einfach mal Nichtstun hört sich so leicht an, ist allerdings unglaublich schwer. Denn plötzlich kommen alle Gefühle hoch, die man sich so gar nicht anschauen möchte.

4.) Der andere ist schuld

Oft entstehen Konflikte aus dem Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit heraus. Alltagssituationen werden aufgebauscht. Eine kleine Geschichte aus dem Beziehungsleben: Der Partner schaut in den Kühlschrank und stellt fest, wir haben nichts zum Essen im Haus.

Schnell entsteht eine Diskussion darüber, wer wie viel im Haushalt macht und was man noch für Pflichten hat, wie oft man sich um den Einkauf kümmert und der andere doch auch mal dafür sorgen kann, dass etwas zu Essen im Haus ist.

Doch in Wahrheit läuft diese kleine Geschichte ab: ich bin nicht gut genug, ich bin nicht organisiert und unzuverlässig. Die Möglichkeit, dem Schmerz darüber zu entgehen ist, dem anderen die Schuld zu geben.

Wenn wir uns bedroht fühlen, flüchten wir in die Beschuldigung des anderen oder wir geben vor, dass es uns nicht interessiert.

Von Herzen liebe Grüße

Veronika

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