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15/12/2015 06:57 CET | Aktualisiert 15/12/2016 06:12 CET

Wie die Flüchtlingskrise unser Verantwortungsgefühl stärkte

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Mein Berliner Wahlkreis ist das, was man gutbürgerlich nennt. Viele Menschen engagieren sich ehrenamtlich - im Kleingartenverein oder in der Bürgerstiftung, im Sportverein oder beim Technischen Hilfswerk, im Förderverein einer Schule oder im Nachbarschaftszentrum, in einer Bürgerinitiative oder in einer Kirchengemeinde.

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Hier wurde eines der ersten Willkommensbündnisse für Flüchtlinge in Deutschland gegründet, obwohl es zunächst weniger Sammelunterkünfte gab als in anderen Stadtteilen, weil - wie sich inzwischen herausstellte, zu Unrecht - zunächst davon ausgegangen wurde, dass Wohlhabende bzw. Alteingesessene weniger Bereitschaft zeigen, Flüchtlinge in ihrer Nachbarschaft zu unterstützen als die Bewohnerinnen und Bewohner der "bunten" Stadtteile mit hoher Fluktuation und hohem Anteil von Menschen, die aus anderen Kulturen stammen.

Viele Notunterkünfte in Berlin eingerichtet

Inzwischen werden in Berlin alle halbwegs geeigneten Gebäude für Not- oder Gemeinschaftsunterkünfte genutzt bzw. für eine Nutzung hergerichtet, zusätzlich werden Fertigbauten errichtet, weil es kaum leerstehende Mietwohnungen unterhalb des Luxussegmentes gibt. Auch Sporthallen wurden als Notunterkünfte belegt.

So sind inzwischen in Steglitz-Zehlendorf ca. 3.000 Flüchtlinge in Sammelunterkünften untergebracht. Das hat zu einer Welle von Hilfsbereitschaft geführt und dazu, dass viele Menschen sich in der Flüchtlingsarbeit neu, wieder oder verstärkt ehrenamtlich engagieren.

Die Motive sind sehr unterschiedlich, bei manchen spielt die Familienbiografie mit der Erinnerung an Flucht und Vertreibung um das Ende des zweiten Weltkriegs herum eine Rolle, andere haben einige Zeit im Ausland gelebt und erinnern sich daran, wie fremd sie sich dort zunächst fühlten.

Soziales und politisches Verantwortungsgefühl

Dazu kommen soziales oder politisches Verantwortungsgefühl und der Wunsch, ganz konkrete Hilfe zu leisten mit direktem Kontakt zu den Menschen, denen geholfen wird.

Viele der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer bringen berufliche oder in früheren Ehrenämtern erworbene Qualifikationen ein und erleben es als persönliche Bereicherung, dazu beizutragen, dass Deutschland denjenigen hilft, die vor Bürgerkrieg oder extremer Not geflohen sind.

Wie überall, wo Ehrenamtliche mit Hauptamtlichen zusammenarbeiten und dazu noch zum Teil komplizierte und sich verändernde Verwaltungsakte und -vorschriften zu beachten sind, gibt es unterschiedliche, oft widersprüchliche Ansätze, Koordinierungsschwierigkeiten, Konflikte. Aber es gibt auch die Freude über das, was gelingt, über neue Erfahrungen und über neue soziale Kontakte.

Die Arbeit geht weiter

Unabhängig davon, wie viele Flüchtlinge im nächsten Jahr noch dazu kommen, wird diese Arbeit weitergehen, den Bezirk und die Menschen, die darin leben, verändern - vor allem die, die sich aktiv engagieren und damit zeigen, dass Bürgerinnen und Bürger ihr soziales Umfeld aktiv gestalten und verändern können.

Dieser Text ist Teil der Reihe "Wie geht es uns?" Ein Jahr lang hat die Politik in Berlin, die Krise in Syrien und der Konflikt mit Moskau die Schlagzeilen beherrscht. Wie aber geht es Ende dieses irren Jahres den Menschen in Deutschland? Wie blicken die Menschen in unserem Land in die Zukunft? Das will die Huffington Post herausfinden - und hat alle Redakteure als Reporter durch das Land geschickt. Sie führen Interviews, besuchen Menschen, denen sonst niemand zuhört - und berichten über Menschen, die dabei helfen, die größten Probleme zu lösen.

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