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07/12/2015 14:10 CET | Aktualisiert 30/03/2017 07:12 CEST

Wie schmeckt Toronto?

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© Tourism Toronto

Um sich gezielt durch die Hauptstadt der zweitgrößten kanadischen Provinz Ontario zu schlemmen, ist „Taste of Toronto" eine gute Gelegenheit - ein kulinarisches Festival vom 23. bis 26. Juni 2016.

Für einen ersten Gesamtüberblick und als geografischer Einstieg in Toronto ist der CN Tower der richtige Ort. Dort im 360 Grad- Restaurant ist während der einstündigen Umdrehung nicht nur das Ausmass der 5-Millionenmetropole der Hauptstadt der Provinz Ontario am gleichnamigen See zu erkennen, auch die Fisch- und Meeresfrüchte-Gerichte setzen Maßstäbe. Während ich speise, spazieren über mir auf der Plattform des 553 Meter hohen Wahrzeichens von Toronto eine Gruppe Mutiger freihändig an einer Sicherheitsleine auf dem „Edge Walk" einmal ganz herum.

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Höhenangst wäre hinderlich:

Der Edge Walk auf Torontos 553 Meter hohem CN-Tower.

© Tourism Toronto

Bei klarem Wetter ist freie Sicht bis zu den Niagara-Wasserfällen im US-Bundesstaat New York - die amerikanisch-kanadische Grenze verläuft mitten durch den See, seine Größe entspricht etwa der des deutschen Bundeslandes NRW. In der Sprache der Aboriginals bedeutet Ontario „Glitzerndes Wasser".

Er ist einer der fünf großen nordamerikanischen Seen, und hat durch den mächtigen St. Lorenz-Strom eine Verbindung zum Atlantik. Diese Wassermassen dürfen jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass die Kanadier sehr sensibel sind im sparsamen und bewussten Umgang mit Wasser.

Während des kulinarische Festivals „Taste of Toronto" präsentieren sich auf dem Gelände von „Fort York", einem historischen Platz im Zentrum, regionale Produzenten und knapp 50 Küchenchefs mit ihren Gourmet-Produkten, für mich eine ausgiebige, kulinarische Orientierung und eine wahre Verkostungs-Herausforderung.

Neugierig macht mich die „First Nations"-Küche der kanadisch-indianischen Ureinwohner. Sie begegnet mir hauptsächlich in Form von Tomahawk-Steaks, Bison-Burgern, Blaubeergerichten und Bannock, ein traditionelles Brot, das sowohl zum Tee als auch in Suppen genossen wird. Überraschenderweise entdecke ich ausgezeichnete Weine aus den nahen Nigeria-Falls und Prinz Edward Counties, Kanada war mir bislang überhaupt nicht als Weinproduzent bekannt.

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Wein aus der Provinz Ontario in Kanada: Die Prinz-Edward-Winery

© Tourism Toronto

Schlemmen im Quadrat

Durch das übersichtlich, quadratische Straßenrastersystem fällt die Orientierung in Toronto leicht. Man bewegt sich ähnlich wie in NYC von Block zu Block, mit einem hochmodernen U-Bahn- und Straßenbahnsystem - und sehr viel Platz für die vielen Radfahrer.

Mit dem ehemaligen Chefkoch Scott Savoie mache ich eine Down Town Food Tour, wir beginnen mit dem St. Lawrence Market von 1803. Gerade wurde der Hallenmarkt von National Geographic zur Number One der weltweit zehn besten Märkte gewählt. Auf drei Ebenen schlemmen wir uns durch alle Zutaten dieser Erde, kosten von Anton Kozliks 33 Senfsorten, lernen eine jüdische Bagelbäckerei und Backwaren von Mennoniten-Farmern kennen.

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An erster Stelle bei der Märkteauswahl der Welt von National Geographic:

Der St. Lawrence Market in Toronto

© Tourism Toronto

Schnell fühle ich mich „wie Zuhause", denn die Torontonians lieben die Küchen der Welt, insbesondere die Küchen, Weine und Zubereitungsarten Europas. Als Europäerin muss ich bei „European Delight" die angeblich besten Vanilletörtchen außerhalb Portugals probieren und kann bestätigen: es stimmt!

In der Mittagspause stehen wir Schlange bei „Kangas" in der Duncan Street für die sagenumwobenen „Aussie Meat Pies" - die Fleischtörtchen nach australischem „Think Big"-Rezept sind so mächtig, dass für mich nur mit Mühe die Hälfte zu schaffen ist.

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Kanadier lieben Mahlzeiten ebenso riesig wie Australier:

Aussie Meat Pies bei "Kanga" in der Duncan Street

© Ksenija Hotic

Quer durch Toronto: Die Queen Street

Ich arbeite mich durch die Queen Street. Sie zieht sich parallel zum Lake kilometerlang quer durch die City. Die örtliche Gepflogenheit, vor dem Dinner in einer Bar einen Aperitif-Cocktail zu nehmen, greife ich gern auf. Ich beginne in der „Rush Lane Bar", noch jung aber schon sehr erfolgreich im Bargeschäft ist Zak Doy. Er entdeckte seine Barkeeper-Leidenschaft auf einem Europatrip und avancierte mit seiner Bar in kürzester Zeit zum Hot Spot in der Queen Street wegen seiner kreativen Cocktailkreationen. "Godess" zum Beispiel, mit Aviation-Gin, Ingwer, Limette, Gurke, Honig, Sellerie und Schwarzem Pfeffer. Stichwort für eine Bestellung mit Überraschung: Iceball!

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Hot Spot Rush Lane Bar von Zak Doy in der 563 Queen Street.

© Rush Lane Bar

Ein Abend gilt dem „Furlough", ein in diesem Jahr eröffnetes, schmales Restaurant im französischen Bistrostil, mit einer enormen Auswahl an Kräuterschnäpsen, sehr guter Weinauswahl und Seafoodgerichten, aber auch typisch kanadischen Spezialitäten. Dort finde ich nur einheimische Gäste, auf der Speisekarten die typische Ontario-Butter-Tart oder Pie, gebacken mit Ahornsirup und Pekannüssen, Pfirsichen und Rosinen. Ebenso der für die Niagara-Region beliebte „Mixed Greens with Icewine Vinaigrette & Peaches", gemischter grüner Salat mit Eiswein-Vinaigrette und zerbröseltem Ziegenkäse. Einzige europäische Zutat ist französischer Dijonsenf.

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Bar und Restaurant: das neueröffnete "Furlough" in der 924 Queen Street.

© Tourism Toronto

Der Welt teuerstes Rindfleisch und ein 17-Gänge-Menü

Etwas nördlicher finde ich am nächsten Abend das „Kasa Moto", im Mai erst eröffnet. Gut, dass ich einen Tisch reserviert habe - die Warteliste des japanischen Restaurants im Szeneviertel Yorkville reicht scheinbar durch ganz Ontario. Im Verlauf des ultramodernen Sechsgang-Dinners mache ich Bekanntschaft mit Wagyu Beef, der Welt teuerstem Rindfleisch- Chef Michael Parubocki serviert es unprätentiös, mit gerösteten Zwiebeln und Schnittlauch.

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Die Warteliste für einen Tisch im frisch eröffneten "Kasa Moto" im Szeneviertel Yorkville ist bestimmt so lang wie die Queen Street.

© Kasa Moto

Ich wechsle den Stadtteil, schlicht von außen aber unter Gourmets ein heißer Tipp ist das „Splendido" in der Harbord Street. Chefkoch und Besitzer Victor Barry kreiert jeden Abend ein neues Menü, es kann bis zu 17! Gängen haben. Ontario-Regenbogenforelle zum Beispiel, gegrillt, über Blaufichte geräuchert, mit Forellenrogen in Ahronsirup. Oder Suppe aus doppelt geschälten Erbsen mit Vanille-Molke, angebratene Foie Gras mit Rhabarber-Comsommé ...Zu jedem Gang kredenzt der Sommelier einen anderen Wein, vielfach aus Europa. Einige der organischen Weine aber kommen aus Kanada, aus der Kellerei von Benjamin Bridge nahe Toronto.

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Klein aber fein:

Acadian-Stör-Kaviar aus der Provinz New Brunswick, hier auf gedünsteter Brioche.

© Amber Gibson

Sind die Portionen auch nur winzig, so kitzeln sie die Geschmacksnerven ungemein, munden köstlich, machen neugierig und tatsächlich Appetit auf noch mehr aus Victors Küche. Das „Splendido" ist jeden Abend ausgebucht. Bislang gibt es in Kanada kein Restaurant-Sterne-System. Sollte ich für meine kulinarischen Toronto-Erfahrungen welche vergeben müssen, hier ließe ich einige funkeln.

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Morgens schwamm sie noch im Fluss: die Ontario-Regenbogen-Forelle.

© Amber Gibson

Im Norden Torontos doch immer noch im Stadtkernbereich liegt das "Casa Loma". Der Nachbau einer kanadischen Illusion eines europäischen Schlosses der frühen 1900ter Jahre mutet an wie ein Disney-Dornröschenschloss. In dem prächtigen Garten, von dem aus es eine herrliche Sicht über Toronto hat, findet zeitgleich zum "Taste of Toronto" das Summerlicious-Festival statt. Ontarios Farmer stellen hier ihre Naturprodukte vor, Chefköche verarbeiten diese unter den Augen der Gäste und so probiert man sich von Leiterwagen zu Heuballen oder Gartenpavillon, umgeben von einem Blütenmeer.

Gute Nacht in Toronto

Wo logiert man Toronto? Aus der überwältigenden Fülle verlockender Hotels habe ich mich für das erst in diesem Jahr eröffnete „Thompson Boutique Hotel Toronto" im Entertainment District entschieden. Dort, im sechzehnten Stock aus dem spektakulären rooftop pool heraus, lasse ich die gewaltige Skyline auf mich wirken und am Abend des 1.Juli, des "Kanada Day" auch noch das Feuerwerk über der Stadt. Das angeschlossene Restaurant „Colette" versetzt mich mit französischer Haute Cuisine vorübergehend nach Frankreich - und der Weg zur restaurierten Harbourfront und den Ausflugsschiffen ist auch nicht weit.

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Schwimmen zwischen Himmel und Erde:

Der Rooftop Pool des Thompson Boutique Hotel Toronto.

© Thompson Toronto Hotel

Toronto schmeckt nach allen Ländern dieser Erde, ist anregend, jung, übersichtlich und lange nicht so hektisch wie New York. Ein Besuch ersetzt beinahe eine kulinarische Weltreise. „Triff Deine Nachbarn" heißt es überall auf Plakaten - und die Nachbarn, das sind alle Nationen. „Taste of Toronto" findet in diesem Jahr vom 23. bis 26. Juni zum vierten Mal statt.

Infos unter http://tasteoftoronto.com/.

Die Reise wurde unterstützt von „Toronto Tourism" und „Air Canada".

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