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15/11/2013 11:01 CET | Aktualisiert 15/01/2014 06:12 CET

Zeitkunst

Zeit beschäftigt mich zu fast jederzeit. Wie spät ist es? Habe ich noch Zeit? Schaffe ich das noch? Sommerzeit ist viel besser als Winterzeit! Oder vielleicht nicht? Vielleicht habe ich gerade im Winter mehr Zeit? Wieso kann ich eigentlich unterschiedlich viel Zeit haben?

Zeit, was ist das eigentlich? Kurz und knapp mit Albert Einstein gesagt:

„Zeit ist das, was man an der Uhr abliest"

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft und die Leistung wird über die Zeit berechnet. Das ist oftmals mit Stress und Angst verbunden. Schon in der Schule, beim Einsammeln der Klassenarbeiten sagte mein Lehrer immer: „Leistung ist erbrachte Arbeit pro Zeiteinheit und ihre Zeiteinheit ist jetzt um." Wäre meine Leistung schlechter gewesen, wenn ich 15 Minuten länger gebraucht hätte, philosophisch betrachtet? Vielleicht hätte ich in diesen 15 Minuten eine bedeutende Entdeckung gemacht und sie wäre als geniale Leistung in die Geschichte eingegangen. Wen hätten die 15 Minuten dann interessiert?

Zeit ist faszinierend!

Meine Gedanken kreisen ständig um sie. Ich habe kaum mal Zeit, nicht an sie zu denken. Sie ist meine ständige und oft nervende Begleiterin und nur selten kann ich sie abschütteln. Ob es ein Zufall ist, dass im deutschen Sprachgebrauch das Substantiv Zeit feminin ist? Ich glaube nicht, wer sonst kann so hartnäckig Einfluss auf mein Leben nehmen?

Es ist sicherlich auch kein Zufall, dass das Substantiv Schatten maskulin ist. Er ist da und stört nicht weiter.

Zeit, eine konstante physikalische Größe und trotzdem sind die Empfindungen so unterschiedlich. Aus einer Sekunde kann schnell eine Stunde werden oder umgekehrt. Es ist eben alles relativ.

Es ist November, es ist dunkel, sowohl auf dem Weg zur Arbeit als auch zurück, es ist kalt und regnerisch. Die ideale Zeit um Stress und Hektik zu vergessen, die ohnehin nichts bringen. Für kurze Zeit der Welt ihren Lauf gewähren, und sich nicht von jeder Nachricht beeinflussen zu lassen. Licht und Schatten sind Teil unseres Lebens und niemand geht nur auf der Sonnenseite spazieren.

Novemberzeit! Zeit zum Erzählen und Träumen, ohne zu wissen, ob es morgens oder abends ist.

„Das Gestern ist fort - das Morgen nicht da. Leb' also heute!"
Pythagoras von Samos

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http://art.graeber.se/de/art-work