BLOG
03/09/2015 09:06 CEST | Aktualisiert 03/09/2016 07:12 CEST

Die Zukunft des Autos

Sean Gallup via Getty Images

Wenn es um die Zukunft der Mobilität geht, wird meist viel von Ressourcen, Umweltaspekten, technischen Entwicklungen und Finanzierbarkeit gesprochen.

All diese Bereiche sind zweifellos wichtig und werden die Art unserer Fortbewegung entscheidend prägen. Wie aber sehen die Bürger die Zukunft der Mobilität, welche Bedürfnisse und Vorstellungen haben sie?

Fakt ist zunächst einmal die enorm hohe Bedeutung des Unterwegsseins. Schließlich waren die Menschen mobil, ehe sie sesshaft wurden. Und auch in Zukunft wollen die Bürger nicht untätig in ihren eigenen vier Wänden sitzen, sondern das eigene Umfeld vorübergehend verlassen, den Alltag hinter sich lassen und Neues entdecken.

Das häufigste Transportmittel ist und bleibt hierbei das Auto. Grund genug sich dieses einmal etwas näher anzuschauen.

Weltweite Nachfrage

„Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten", so äußerte sich Gottlieb Daimler vor gut 100 Jahren zur Zukunft des Autos. Mittlerweile fahren über eine Milliarde Autos auf unserem Planeten und jeden Tag kommen über 220.000 neue Autos dazu. Wir Deutsche sind dem Auto dabei besonders zugetan.

Auf unseren Straßen sind über 43 Millionen Autos unterwegs - weltweit haben nur die Amerikaner mehr Autos pro Haushalt als wir. Jährlich werden hierzulande über drei Millionen neue Pkws zugelassen, für die wir im Durchschnitt über 27.000 Euro ausgeben. Insgesamt sind rund 460.000 Arbeitnehmer im KfZ-Gewerbe tätig und erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von 138 Milliarden Euro.

Summiert man alle PKW-Kilometer, die pro Tag in Deutschland gefahren werden, könnte man damit 82.000-mal die Erde umfahren. Die Straßen hierfür haben wir allemal, reicht doch das deutsche Straßennetz sechsmal um die Erde (unser Schienennetz übrigens nicht einmal). Allein in deutschen Städten werden pro Jahr 170 Milliarden Kilometer mit dem eigenen Auto zurückgelegt.

Wir lieben unsere Autos

Diese Zahl ist sicher etwas schwer einzuordnen, daher sei angemerkt, dass man hiermit 220.000-mal zum Mond und zurück kommen würde. All diese Zahlen verdeutlichen eines: Wir lieben unsere Autos. Wie aber stellen sich die Bürger das Auto der Zukunft vor? Dieses soll in erster Linie sparsam im Verbrauch sein, denn die Angst ist groß immer mehr für die Tankfüllung zahlen zu müssen.

Diese Sorge ist durchaus berechtigt, hat sich doch der Benzinpreis seit 1990 fast verdreifacht. Angemerkt sei an dieser Stelle aber auch, dass Autos heute deutlich spritsparender unterwegs sind als in der Vergangenheit und die Benzinkosten lediglich rund ein Drittel der jährlichen Gesamtkosten ausmachen.

An zweiter Stelle wird das Thema Sicherheit angeführt. 2013 gab es rund 2,4 Millionen Straßenverkehrsunfälle in Deutschland und damit einen neuen Höchststand.

Jedoch sank die Anzahl von Verkehrstoten auf den niedrigsten Stand seit Einführung der Statistik 1951. Das liegt nicht zuletzt daran, dass mittlerweile 90 Prozent aller Autos mit ABS und 70 Prozent mit ESP ausgestattet sind (von Airbags ganz zu schweigen). Dennoch starben im letzten Jahr täglich neun Menschen durch Verkehrsunfälle - das sind jeden Tag neun zu viel.

Selbstfahrende Autos

Überraschend ist die Tatsache, dass selbstfahrende Autos nur von sehr wenigen erwartet werden. Dabei arbeiten zahlreiche Unternehmen seit Jahren an fahrerlosen Mobilitätskonzepten. Unter anderen auch Google mit ihrem Driverless Car, dass u.a. in Nevada zu Testfahrten zugelassen ist.

Bis zu 20 Google Autos sind derzeit auf den Highways dort unterwegs und fahren über 15.000 Kilometer pro Woche - nahezu Unfallfrei (alle bisherigen Zusammenstöße sollen andere Verkehrsteilnehmer verursacht haben).

Doch die Faszination des eigenen Fahrens scheint zumindest den Deutschen deutlich wichtiger zu sein als mögliche Vorteile wie Zeitersparnis, Kostenreduzierung oder sogar mehr mögliche Sicherheit.

Und auch der alte Traum von fliegenden Autos muss vorerst verschoben werden. Sowohl das Interesse als auch die Erwartung an solch eine Weiterentwicklung ist lediglich für jeden 50sten Bürger von Bedeutung.

Fazit:

Neben den beiden Kernforderungen Sparsamkeit und Sicherheit halten sich die Vorstellungen der Bundesbürger an das Auto des 21. Jahrhunderts in überschaubaren Grenzen. Ob geräuscharm oder umweltfreundlich, modisch im Design oder multimedial ausgestattet - die Bürger scheinen mit der derzeitigen Ausgestaltung mehr oder weniger zufrieden zu sein und äußern nur geringen Optimierungsbedarf.

Ich selber könnte mir übrigens eine deutliche Weiterentwicklung von Autos in den kommenden Jahrzehnten vorstellen. Ob mit alternativen Energiequellen angetrieben, je nach Bedarf und Stimmung variabel in Form, Design und Größe oder selbstfahrend - all dieses würde ich begrüßen.

Und wenn man eines Tages sogar mit dem eigenen Auto in die Stadt fliegen könnte, gebe es weniger überfüllte Straßen und man wäre schneller am Ziel. Denn heute ist man in vielen Großstädten nur unwesentlich schneller unterwegs als mit der Postkutsche vor 200 Jahren.

Lesenswert:

Video:Mobilität: Das ist Daimlers Weltneuheit

Video:Technik der Zukunft: Dieses Flugzeug bringt Sie in 60 Minuten von Berlin nach New York

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite