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09/04/2016 09:50 CEST | Aktualisiert 10/04/2017 07:12 CEST

Eine Theater-Empfehlung

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Das Gericht - Foto: Matthias Baus

Wie's ausgeht, bestimmen die Zuschauer

HAMBURG. „Terror" ist eines der besten Stücke der Saison. Es spielt im Gericht. Angeklagt ist ein Major der Bundeswehr, ein Kampfpilot. Er war mit seiner Rotte aufgestiegen, weil ein Lufthansaflug von Berlin nach München von einem Terroristen gekapert worden war. Das Flugzeug soll in ein vollbesetztes Fußball-Stadion rasen.

Gegen den ausdrücklichen Befehl der Verteidigungsministerin schießt der Rottenführer das Lufthansaflugzeug ab. Er hat abgewogen: 164 Passagiere gegen Tausende im Stadion. Die Staatsanwältin hält ihm vor, niemand dürfe Leben gegen Leben rechnen, er müsse wegen Mordes verurteilt werden.

Es ist die Stärke des Stücks, dass beide Argumente ausführlich entfaltet und gegeneinander gesetzt werden - die Sprache ist kristallklar, das Gegeneinander szenisch sinnfällig: links sitzt die Anklage, rechts die Verteidigung, die Richterin in der Mitte. Die Entscheidung müssen wir treffen, die Zuschauer: Wir sind die Schöffen.

Auch dies eine Stärke des Dramas: Das Publikum wird nicht entlassen mit der Möglichkeit, dies und jenes unverbindlich zu meinen. Jeder einzelne Zuschauer wird genötigt, sich zu entscheiden, Partei zu ergreifen - also kein schlussloses Denken.

Die Inszenierung im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg greift die geradezu preußische Kargheit des Stücks als Formprinzip auf; es gibt keinen Regisseur, die Handlung und die Verortung im Gericht geben genug Hinweise für die Dramaturgen (Jörg Bochow, Rita Thiele), den Bühnenbildner (Jo Schramm) und die Küstümbildnerin (Astrid Klein). Allerdings wäre es besser gewesen, den Schauspielern mehr als nur zwei Wochen Probenzeit einzuräumen - die Texte saßen am Donnerstag bei der Quasi-Premiere noch nicht so richtig. Insbesondere Karoline Bär als Staatsanwältin musste noch allzu häufig den Text zu Rate ziehen - dadurch litt die Überzeugungskraft ihrer Argumente.

Der Verfasser, Ferdinand von Schirach (*1964), ist Jurist, er hat auch Kurzgeschichten und Romane geschrieben, „Terror" ist sein erstes Stück - und gleich ein großer Wurf. Ich will hier gar nicht lange schreiben, das wichtigste ist: Der Besuch lohnt sich. Sie sollten sich „Terror" unbedingt anschauen! Vermutlich finden Sie in Ihrer Nähe ein Theater, das das Gerichtsdrama aufführt, es wird von vielen Bühnen gespielt.

Ulrich Fischer

P.S. In Hamburg wurde der Kampfpilot am Donnerstag freigesprochen - wenn auch nur knapp.

Aufführungen am 18. April.; 7., 8. und 14. Mai - Spieldauer: knapp 2 Stunden.

Kartentel.: 040 24 87 13 - Internet: www.schauspielhaus.de

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