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26/08/2015 09:24 CEST | Aktualisiert 26/08/2016 07:12 CEST

Nein, bei Pitbulls kommt es nicht nur auf die Erziehung an

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Letzte Woche ist es wieder passiert. In der Bank.

"So ein schöner Hund! Wie heißt er?"

"Danke, er heißt Theodore. Er ist brav, Sie können ihn gerne streicheln."

(Streichelt meinen Hund, während er sich mit den Schwanz wedelnd an sie schmiegt.) "Er ist so hübsch -- ist er ein Boxer-Mischling?"

"Er ist ein Pit Bull."

"Oh, wow. Die haben ja so einen schlechten Ruf! Aber es geht ja nur darum, wie man sie erzieht."

Jetzt fühle ich mich unwohl. Sie meint das als Kompliment -- Ich bin eine Frau mittleren Alters mit den Taschen voller Leckerli und mein Hund ist gehorsam und freundlich. Offensichtlich bin ich der Grund, warum Theodore so großartig ist.

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Viele Hunde stehen nicht auf Knuddeln. Dieser hier schon!

Aber sie hat Unrecht. Theodore wurde vor zwei Jahren im Zuge der zweitgrößten Razzia gegen Hundekämpfe des ganzen Landes beschlagnahmt. Er wuchs bei einem Mann auf, der Hundekämpfe veranstaltete. Einem Mann, der sechs Wochen alte Welpen an Tonnen kettete. Als er gerettet wurde, war er noch jung. Dann verbrachte er weitere acht Monate in einer ASPCA-Auffangstation für Streuner und wartete darauf, dass die Bürokratie sich in Gang setzte. Ich arbeitete dort als Helferin und lernte ihn dort kennen.

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Screenshot aus einem verstörenden Video der ASPCA, namens Leben an der Kette

Bei der Arbeit mit den Opfern von Hundekämpfen, versuchen Trainer und Verhaltensforscher, den angsterfüllten Hunden zu helfen. Sie arbeiten darauf hin, die Hunde zu sozialisieren, ihren beizubringen, dass die Welt nun auch für sie ein sicherer Ort ist und sie dazu zu bringen, ihr aggressives, unangebrachtes Verhalten gegen neu Erlerntes einzutauschen.

Theodore war von Natur aus hilfsbereit. Er raufte mit den verspielten Hunden, machte sich für die schüchternen Hunde kleiner und verstand es wie von selbst, die Aggressionen der schwierigeren Fälle abzuwenden. Wie die meisten gamebred Hunde, die ich getroffen habe, wedelte er mit dem Schwanz und war auch zu Menschen freundlich. Ich war ganz hingerissen von ihm. Meine Freundin Amy sagte mir, "Dieser Hund muss zu einem Trainer gehören."

Als der Fall abgeschlossen war und die Hunde nach und nach die Auffangstation verließen, rief ich bei Bully Project, einer großartigen Hilfsorganisation in New York an. Ich erzählte ihnen, wie toll Theodore war. Eines Morgen lud ich ihn mit einer Schachtel mit seinen Lieblingsspielzeugen und einem neuen Halsband in einen Transporter auf dem Weg nach New York.

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Theodores erstes Sofa im Bully Project Tierheim

Ihr wisst, wie die Geschichte endet. Mein Mann Barry und ich fuhren hin und adoptierten diesen fröhlichen kleinen Fleischklops. Theodore ist jetzt seit über einem Jahr bei uns (oder vielleicht sind wir auch nur seit über einem Jahr seine Bediensteten).

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Theodore begeistert uns. Er liebt alle -- Menschen, Hunde, Pferde und sogar Katzen. Er fühlt sich sowohl in der Stadt als auch in der Natur wohl und (seit wir ihm das Zerkauen des Sicherheitsgurts abgewöhnt haben) ist Autofahren mit ihm auch kein Problem mehr. Er liebt Wanderungen und gehorcht auch ohne Leine.

Dieser kleine Razzia-Findling ist unglaublich schlau, emsig und hat viel Unsinn im Kopf. Für viele Haushalte wäre er wahrscheinlich viel zu aufgeweckt. Er ist auch immer fröhlich, charmant, albern und kreativ. Kein Hund hat mich je so sehr oder so oft zum Lachen gebracht wie Theodore es tut. Und auf Facebook bringt er mit seinen Eskapaden noch viele andere Menschen zum Lachen.

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"Schuh? Welcher Schuh?"

Theodore hilft mir unglaublich bei meiner Arbeit mit Tieren. Seine Verhandlungssicherheit in Hundisch überwältigt mich immer wieder.

Fragt mal einen Verhaltenstrainer was wichtiger ist, Natur oder Erziehung. Er wird "beides" sagen. Einige Hunde können nach dem Handbuch erzogen werden, mit allem und jedem sozialisiert werden und dennoch gefährlich aggressiv werden.

Andere, wie Theodore, können eine schreckliche Vergangenheit haben, die auf Frust und Aggression ausgelegt ist, aber trotzdem behält ihre natürliche Ausgeglichenheit und Freude die Überhand.

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Theodore und sein Doberman-Bruder, Duncan

Also bitte, liebe Pit Bull Freunde, hört auf mit dem "Es ist alles eine Frage der Erziehung". Ich weiß, ihr meint es gut. Aber wenn ihr wirklich glaubt, was ihr da sagt, könnte kein Hund mit einer Vergangenheit wie Theodore je adoptiert werden. Seht euch doch nur einmal den Erfolg von Michael Vicks ehemaligen Kampfhunden an.

Wenn ihr wirklich glaubt, dass es "alles nur eine Frage der Erziehung" sei, könnte keinem Streuner oder misshandelten Hund je ein neues Zuhause gegeben werden. Ich habe mit vielen Hunden gearbeitet, die misshandelt wurden -- einige sind schwierig, das stimmt -- aber viele von ihnen sind genauso friedfertig wie Theodore.

Manchmal führt auch ein idyllisches Welpenleben zu einem aggressiven, gefährlichen Hund. Ich habe auch solche Hunde getroffen. Und die meisten fallen irgendwo zwischen diese beiden Extreme. Die Umgebung ist wichtig, aber auch die Gene. Letztendlich sind alle Hunde Individuen und so müssen wir sie auch wahrnehmen.

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Die meisten von uns wissen, dass Pit Bulls, vor allem die, die zum Kämpfen gezüchtet werden, zu den am schlimmsten misshandelten Hunden der Welt gehören. Aber Theodore und ich wissen auch, dass sie auch die Rasse sind, die am besten Verzeihen kann. Ich freue mich so, dass zumindest ein paar der Kampfhunde eine Chance auf ein Leben als Schoßhund bekommen.

Ich weiß noch immer nicht, was ich der netten Dame in der Bank antworten soll. "Er wurde von einem Kampfhundzüchter erzogen," sage ich und Theodore holt sich ein Leckerli bei seinem Lieblingsbankberater ab.

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"Ich möchte diesen Scheck einreichen und zwei Kekse abheben, bitte."

Trish McMillan Loehr, MSc, CPDT-KA, CDBC llebt in Asheville, NC.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.

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