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05/01/2016 06:16 CET | Aktualisiert 05/01/2017 06:12 CET

Darum bist du noch nicht verheiratet

Tetra Images via Getty Images

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Du willst heiraten. Es hat eine Weile gedauert bis du das zugeben konntest. Es laut auszusprechen - selbst nur in deinen Gedanken - fühlt sich irgendwie verzweifelt an. Irgendwie unfeministisch, irgendwie so gar nicht du oder zumindest nicht so, wie du dich kennst.

Denn du bist überhaupt nicht wie diese Mädchen im Reality-TV-Programm, die "Ja" zu ihrem perfekten Brautkleid sagen und du würdest auch nie um einen Mann kämpfen wie es diese erbärmlichen Mädels bei Der Bachelor tun.

Du hast nie von einem türkis-blauen Schächtelchen geträumt.

Aber dann ist etwas passiert. Vielleicht mal wieder ein Geburtstag. Eine Trennung. Die Hochzeit deines Bruders. Seine Braut bat dich, eine ihrer Brautjungfern zu sein und plötzlich landetest du auf dem Gang zum Altar. Als 36-Jährige in einem halbwegs annehmbaren Kleid von J Crew, das du mit einer Jeansjacke und ein paar süßen Stiefeletten nochmal tragen könntest.

Zum ersten Mal in deinem Leben hast du gespürt, dass du nicht verheiratet bist.

Ungefähr da hast du angefangen, die Braut zu hassen. Sie war so verdammt glücklich ... und zum ersten Mal in deinem Leben hast du gespürt, dass du nicht verheiratet bist. Bisher war dir das recht egal gewesen. Aber plötzlich (es war so plötzlich) dachtest du darüber nach, ... Tief, tief einatmen ... warum du nicht verheiratet bist.

Nunja, ich weiß, warum.

Wieso? Im Endeffekt ist es so: Ich habe dreimal geheiratet. Ja, drei. Zuerst einen sehr netten BWLer als ich 19 war, dann einen sehr netten Pfarrerssohn mit 32 (und schwanger) und dann, mit 40, einen netten Lügner und Fremdgeher, der genau war, wie mein Vater gewesen wäre, wenn er nach Harvard gegangen wäre, anstatt mehrfach im Gefängnis zu landen.

Ich wurde gewissermaßen geboren, um zu heiraten. Das aufwachsen im Heim hat dabei eine wichtige Rolle gespielt. Der Wunsch nach Sicherheit hat mich dazu gebracht, ganz bestimmte Eigenschaften in Männern zu suchen, mit denen ich ausging. Eigenschaften, die - wie sich herausstellte - überraschend oft zur Ehe führen.

Ohne es wirklich zu versuchen, wurde ich zu einer Art Pflichtverteidigerin für Beziehungen. Ich musste so viel Arbeit in meinen eigenen Fall stecken, dass ich dir nun mit deinem helfen kann.

Das Problem sind nicht die Männer, das Problem bist du.

Aber ich werde nicht lügen. Das Problem sind nicht die Männer. Das Problem bist du. Natürlich gibt es da draußen die falschen Männer, aber die stehen dir eigentlich nicht im Weg.

Denn Fakt ist, würde dein jetziges Verhalten dazu führen, dass du heiratest, hättest du schon längst einen Ring am Finger. Also lass uns, ohne weitere Umschweife, einen Blick auf die sechs häufigsten Gründe werfen, warum du noch nicht verheiratet bist.

1. Du bist eine Zicke.

Mit Zicke meine ich, du bist wütend. Wahrscheinlich glaubst du, dass du nicht wütend bist. Du glaubst, du bist super schlau oder - falls du viele Therapiesitzungen hinter dir hast - du würdest Grenzen setzen.

Aber die Wahrheit sieht anders aus: Du bist stinksauer. Auf deine Mutter. Auf den militärisch-industriellen Komplex. Auf Sarah Palin. Und das schlägt Männer in die Flucht.

Es ist nämlich so: Die meisten Männer wollen jemanden heiraten, der nett zu ihnen ist. Ich bin die Mutter eines 13-jährigen Jungen und das ist in etwas so, wie mit der Einzeller-Urtier-Version eines Ehemannes zusammenzuleben.

Dies sind die Dinge, die mein Sohn vom Leben will: Käsemacaroni, ein Videospiel und Kim Kardashian. Hast du Kim Kardashian schon mal wütend gesehen?

Weibliche Wut löst Männern Angst ein.

Dachte ich mir doch. Du hast Kim Kardashian lächeln, herumwackeln und ein Sex Tape drehen gesehen. Weibliche Wut flößt Männern Angst ein.

Ich weiß, es scheint nicht fair, dass du die Ängste und Unsicherheiten eines Mannes umschiffen musst, um zu heiraten. Aber ehrlich gesagt, ist das ziemlich perfekt! Denn die Ängste und Unsicherheiten eines Mannes zu umschiffen macht einen großen Teil der Dinge aus, die du als Ehefrau tun wirst.

2. Du bist oberflächlich.

Wenn es darum geht, einen Mann zu finden, ist nur eine Sache wirklich so richtig wichtig: Charakter. Dann sollte der Charakter auch an oberster Stelle auf deiner Liste mit Wunscheigenschaften stehen, oder?

Wenn du aber nicht verheiratet bist, weiß ich jetzt schon, dass das nicht so ist. Denn würdest du nach einem Mann mit Charakter suchen, hättest du mittlerweile einen gefunden. Männer mit Charakter wollen quasi per Definition sesshaft werden.

Stattdessen suchst du jemanden, der groß ist. Oder reich. Oder jemanden, der weiß, was ein Lounge Chair ist. Leider denkt so keine Ehefrau. So denkt ein Teenager-Mädchen.

Und Männer mit Charakter wollen keine Teenager-Mädchen heiraten. Denn Teenager-Mädchen sind nie glücklich. Und sie haben auch nie Lust, zu kochen.

3. Du bist eine Schlampe.

Mit einem Typen in einem Whirlpool auf einer Dachterasse rumzumachen ist für Mädchen vom Jersey Shore in Ordnung. Aber die versuchen auch nicht, zu heiraten. Du tust das aber. Und das bedeutet leider: Wenn du außerhalb einer ernsthaften Beziehung Sex hast, musst du damit aufhören. Warum? Weil Gelegenheitssex ab einem gewissen Alter wie ab und zu Heroin zur Entspannung ist -- es bleibt nicht lange bei ab und zu zur Entspannung.

Das liegt teilweise an Oxytocin - einem Bindungshormon, das ausgeschüttet wird, wenn Frauen a) ihr Baby stillen oder b) einen Orgasmus haben. Dieses Zeug macht euch einen Strich durch die Gelegenheitssexrechnung.

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Der perfekte Zeitpunkt: Sie wollen eine Scheidung vermeiden? Dann heiraten Sie in diesem Alter!

Das ist der Grund, warum du eine Bettfreundschaft mit einem Typen anfangen kannst, der dir eigentlich gar nicht so gefällt und plötzlich bist du völlig besessen von ihm. Und du hast keine Ahnung, wie das passieren konnte.

Und da die Natur leider nicht zwischen idealen Ehemännern und Charlie Sheen unterscheiden kann, wirst du in Zukunft viel wählerischer sein müssen als du es im Moment bist.

4. Du bist eine Lügnerin.

Normalerweise läuft es so: Du triffst einen süßen Typen, der dich mag, aber er will keine richtige Beziehung. Es gibt irgendeinen Grund, warum es völlig unmöglich für ihn ist, eine Beziehung zu führen. Zum Beispiel, weil er verheiratet ist oder auf einen Skateboard durch die Stadt fährt. Vielleicht ist er aber auch ganz direkt und sagt etwas Kryptisches mit viel Interpretationsspielraum, wie "Ich kann mich im Moment nicht auf eine richtige Beziehung einlassen."

Du weißt, wenn du ihm die Wahrheit sagst - nämlich, dass du bereit für die Ehe bist - wird er dich nicht mehr anrufen. Meistens noch am selben Tag. Und das willst du nicht. Also sagst du ihm einfach, wie perfekt dir das passt, weil du ja auch nur ein bisschen Sex und Spaß haben willst! Du liebst Spaß und Sex! Und du willst echt überhaupt keine Beziehung gerade! Du schwörst es sogar!

Etwa zehn Minuten später setzt das Oxytocin ein. Du willst mehr. Aber du sagst es ihm nicht. Das bleibt dein Geheimnis - zwischen dir und etwa 22.000 deiner engsten Freundinnen.

Stattdessen hast du weiterhin Sex mit ihm und wartest darauf, dass er feststellt, dass er nicht ohne dich leben kann. Eilmeldung: Er wird es niemals feststellen. Er weiß bereits, dass er ohne dich leben kann. Und du weißt es auch. Sonst hättest du ihn von vorn herein nicht anlügen müssen.

5. Du bist egoistisch.

Wenn du nicht verheiratet bist, stehen die Chancen gut, dass du viel über dich selbst nachdenkst. Du denkst an deine Oberschenkel, deine Kleidung, dein Philtrum.

Du denkst an deine Karriere und wenn du keine Karriere hast, denkst du darüber nach, eine Yoga-Lehrer-Ausbildung zu machen. Manchmal denkst du darüber nach, wie sich all deine Probleme lösen lassen würden, wenn du einen wohlhabenden Mann heiraten würdest - oder zumindest einen mit einem wirklich guten Job.

Wie dem auch sei, eine gute Ehefrau, ja auch eine halbwegs anständige Ehefrau verbringt die meiste Zeit nicht damit, über sich slebst nachzudenken. Sie hat zu viel zu tun, vor allem wenn sie einmal Kinder hat.

Das ist der Grund, warum so viele Celebrity-Frauen einen Mann finden, nachdem sie ein Kind adoptiert haben. Ein Kind macht einer Frau klar: Hallo? Es geht nicht mehr nur um dich! Und nachdem sie dann ein oder zwei Jahre mal nicht nur an sich selbst gedacht haben, kommt plötzlich Brad Pitt oder Harrison Ford vorbei und beschließt, sie zu ehelichen.

6. Du bist nicht gut genug.

Oh, ich glaube das nicht. Du glaubst es. Ich kann das sagen, weil du nicht nach einem ebenbürtigen Partner suchst. Nein, du willst jemand, der besser ist als du. Der besser aussieht, eine bessere Familie hat und einen besseren Job.

Was du wissen solltest, ist: Du bist genau so gut genug.. Punkt. Wenn du das nicht weißt, ist das ein großes Hindernis auf deiner Suche nach einem Mann.

Denn Frauen, die ihren eigenen Wert nicht kennen, sind schreckliche Ehefrauen. Warum? Du kannst eine Weile so tun, aber letztlich kannst du deinen Mann nicht mehr lieben als du dich selbst liebst. Kluge Männer wissen das.

Ich sehe das in der künstlerisch-progressiven Schule meines Sohns. Von 183 Kindern haben vielleicht sechs Kinder eine Mutter, die so toll ist, wie du es gerne wärst. Sie sind attraktiv, klar. Sie sind keine Objekte. Ihre Ehemänner haben sich wegen ihres Charakters in sie verliebt, nicht wegen ihrer Körbchengröße.

Du musst endlich aufzuhören, dir einzureden, dass dich die Ehe glücklich machen wird.

Ok, also das war die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist: Ich glaube, dass jede Frau, die es wirklich will, einen tollen Partner finden kann. Du musst nur endlich aufhören, dir einzureden, dass dich die Ehe glücklich machen wird. Das wird sie nicht. Wenn erst einmal das anfängliche Hoch abebbt, wirst du wieder nur du sein. Nur mit doppelt so viel dreckiger Wäsche.

Denn letzten Endes geht es bei der Ehe nicht darum, etwas zu bekommen - es geht darum, etwas zu geben. Seltsamerweise verstehen Männer das besser als wir Frauen.

Wahrscheinlich weil für sie Ehe bedeutet, ihren größten Schatz aufzugeben - ein ungebundener Mann zu sein. Und für uns ist es die Krönung einer Prinzessinnen-Fantasie.

Letztendlich ist die Ehe nur eine Langzeit-Möglichkeit, jemandem Liebe zu schenken, selbst in den Momenten, in denen er sie nicht verdient. Denn die meiste Zeit wird dein chaotischer, furzender, Käsemaceroni essender Mann nicht das tun, was du gerne von ihm hättest.

Aber indem du ihn trotzdem liebst, (weil du etwas verstanden hast und zu einem lieben, ehrlichen, aufrichtigen, selbstlosen und vor allem akzeptierenden Menschen geworden bist, der sich selbst so nimmt wie er ist) wirst du schließlich das bekommen, was du eigentlich die ganze Zeit wolltest:

Liebe.

Tracy McMillan ist Autorin beim Fernsehen und schreibt unter anderem für Mad Men und The United States of Tara. Ihre Memoiren "I Love You and I'm Leaving You Anyway" sind bei Harper Collins/It Books erschienen. Sie lebt mit ihrem 13-jährigen Sohn in Los Angeles. Folgt ihr auf Twitter.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.

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