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12/02/2017 09:51 CET | Aktualisiert 17/02/2017 08:25 CET

Deutschland auf der Couch: "Nicht die Ausländer sind das Problem, sondern wir Deutsche"

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Diese Kolumne wird nichts für schwache Nerven. Wie immer, wenn es um sich selbst geht. Das fällt uns Deutschen ja besonders schwer. Als hätten wir jedes Mal Angst vor uns selbst. Lieber über andere reden und schimpfen. Aber ich glaube, es ist allerhöchste Zeit für einen ehrlichen Blick auf und in uns. Das hat schon unser letzter erster Mann im Staat gesagt:

Wir gehören alle auf die Couch

Obwohl Joachim Gauck kein Psychiater, sondern Pfarrer ist, aber beide verbindet das Gleiche: Man beichtet ihnen seine innersten Geheimnisse. Und die liegen noch immer schwer in uns. Kein Wunder, nach zwei Diktaturen gleich hintereinander. Sogar drei, wenn man den Ostdeutschen glaubt, die gerne sagen:

Wir sind nur von einer Einparteiendiktatur in eine Mehrparteiendiktatur gewendet.

Von der inzwischen aber auch immer mehr Westdeutsche nicht mehr wirklich überzeugt sind. Und auch die nächste Generation, die erste gesamtdeutsche, fühlt sich darin längst nicht mehr vertreten. Weil auch sie längst das Gefühl hat, dass irgendetwas nicht mehr richtig läuft in unserem Land. Politisch wie moralisch, geistig wie kulturell.

In Deutschland sind nicht die Ausländer das größte Problem, sondern wir Deutsche.

Und warum? Weil wir keine mehr sind. Und warum sind wir keine mehr? Weil jedes Nachdenken darüber, was Deutsch sein heute eigentlich bedeutet sofort zerredet, zerschrieben, zersendet oder zerstritten wird, noch bevor es überhaupt begonnen hat. Auch deshalb gibt es diese Kolumne ab jetzt. Obwohl das im Deutschland von heute nicht ungefährlich ist. Weil inzwischen hier schon wieder gilt:

Jede Wahrheit braucht einen Mutigen der sie ausspricht

Das ist nicht nur peinlich für uns, es ist auch gefährlich. Sobald dieser Spruch in einer Demokratie gilt, ist sie ja keine mehr. Und so trifft es sich, dass gerade wieder Wahlkampf ist. Auch wenn das, wie schon gesagt und beklagt, hier nicht mehr viele glauben wollen oder können, aber?

Noch leben wir in einer Demokratie. Und in einer Demokratie sind Wahlen immer noch das beste Mittel um zu sehen wie ein Volk in seinem Inneren tickt. Noch gesund genug oder doch schon zu krank geworden um über sich selbst zu entscheiden?

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Die Spitzenkandidaten stehen ja schon bereit. Schwarze, rote, blutrote, grüne, gelbe, blaue, braune, die Wahl wird immer bunter, die Kandidaten immer mehr für unseren K-Tag. Dann heißt es für jeden Deutschen wieder: Ich muss mich entscheiden. Das fällt uns Deutschen ja auch immer schwer. Lieber erstmal dichten und denken, bevor man einfach sagt oder wählt, was man denkt oder will. Dabei ist es ganz einfach, gerade in Zeiten wie diesen:

Entweder will ich, dass alles so bleibt, also immer schlimmer wird? Oder will ich, dass sich endlich etwas ändert, damit es wieder besser wird?

Das eine bedeutet Angst vor dem Neuen, das andere Mut zu Neuem. Und je nachdem ob Sie zu den Angsthasen oder den Mutigen unter uns gehören, geben Sie dem Ihre Stimme, der wie Sie tickt.

Obwohl? Ganz so einfach ist die Qual der Wahl ja auch diesmal nicht. Weil wieder der fehlt, der wirklich etwas ändern will.

Vom "roten Martin" und der "schwarzen Angela"

Der "rote Martin" ist der Kandidat für ein Deutschland wie gestern, die "schwarze Angela" ist die Kandidatin für ein Deutschland wie heute, aber wo ist der Kandidat für das Deutschland von morgen?

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Der Kandidat, der damit anfängt, Deutschland wieder fit für die Zukunft zu machen, am besten mit Ideen, die seit über 200 Jahren nicht mehr gedacht wurden? Obwohl sie bis heute gelten:

In einem Lande wo alle Stände billig gegeneinander denken, wo niemand gehindert ist, auf seine Art tätig zu sein, wo nützliche Einsichten und Kenntnisse allgemein verbreitet sind: da brauchen keine Parteien entstehen.

Sagte mein ständiger Begleiter beim Erkunden der deutschen Seele, unser berühmtester Dichter und Denker, Johann Wolfgang von Goethe gerne zum Thema Staat und Politik. Leider steht er nicht zur Wahl. Er wäre nicht mal nominiert worden. Weder als unser Kanzler, noch als unser Präsident. Wer in Deutschland nominiert wird, entscheiden ja auch die Parteien. Die werden sich hüten vor einem, der sie alle abschaffen will. Obwohl er damit gute Chancen hätte:

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Dieses deutsche Ideal kennt man in Deutschland ja nur noch aus dem Fernseher. Dort haben wir jeden Tag die Wahl zwischen Putin und Trump. Beide geben sich stark. Aber stark bin ich selbst. Sie auch. Jeder ist stark. Solange er nicht schwach wird. So wie Deutschland gerade wieder. Das soll, das muss sich sogar ändern.

Deshalb ist es auch ganz egal wer in Moskau oder Washington regiert. Wichtig ist, wer hier regiert.

Und wer regiert hier? Immer noch wir. Und wer sind wir? Das Volk. Und wer ist das Volk? Jeder Einzelne. Und so zählt auch jeder Einzelne am Tag der Entscheidung.

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Wer dann gewinnt, wird uns führen. Zurück in die Vergangenheit? Stehengeblieben in der Gegenwart? Oder vorwärts in die Zukunft?

Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient. In sieben Monaten wird es soweit sein. Zeit genug also dabei zuzuschauen, wie wir wirklich ticken. Sie brauchen nur immer wieder kommen, ganz ohne jede Angst vor sich.

Bis zum nächsten Termin, ihr Dr. Top.

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