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12/08/2015 07:35 CEST | Aktualisiert 12/08/2016 07:12 CEST

Der Löwe Cecil und die ignoranten Tierschützer: Eine Ode an die Trophäenjagd

ullstein bild via Getty Images

Abgesehen von militanten Jagdgegnern ist die "normale" Jagd auch in der heutigen Gesellschaft anerkannt. Die Hegeaufgaben werden anerkannt und die Beschaffung von Fleisch wird akzeptiert. Nur in einem Fall machen Menschen normalerweise einen Unterschied: Bei der Trophäenjagd .

So schrieb beispielsweise ein geschätzter Freund auf Facebook: "Trophäenjagd ist krank", verbunden mit Hobby-Psychoanalyse, dass es auf kleine Genitalien, Minderwertigkeitskomplexe oder Wahnsinn zurückzuführen sei.

Jagd war immer auch rituell

Erklären kann ich dies nur mit der heutigen postheroischen und überzivilisierten Welt bei uns im Westen. Während früher das Beweisen der eigenen Männlichkeit noch üblich war, sei es beim Preisboxen oder auch nur bei einer kleinen, aber zivilisierten, Keilerei, bei der keine Waffen zum Einsatz kamen und auf am Boden Liegende nicht eingetreten oder eingeschlagen wurde, gilt das Demonstrieren solcher Männlichkeit heute als anstößig. Erst Recht, wenn die "Männlichkeit" auch bei der Jagd auf Tiere demonstriert wird.

Dabei war Jagd immer auch rituell. Seitdem Menschen von Tieren zu Menschen geworden sind, hatte die Jagd immer auch eine Komponente, die weit über die Beschaffung von Fleisch hinaus ging. Nicht nur, dass Naturvölker seit jeher auch Tiere nur für ihr Fell jagen, sei es als Statussymbol oder zur Bekleidung.

Leopardenhut als Statussymbol und Fichtenzweig als "letzte Äsung"

Nein, auch eine rituelle Komponente war schon immer bei der Jagd ein Teil des Jagens. Noch vor wenigen Jahren verbot Mobutu Sese Seko gar jedem Anderen in Zaire, einen Leopardenhut zu tragen, weil er allein ihm als Statussymbol vorbehalten sein sollte.

Ob als Initiationsritus oder als Beweis der Männlichkeit, das Erlangen seltener oder gefährlicher Statussymbole war immer Teil der Menschheit, ja es lebt selbst bis heute am Rande in unserer Gesellschaft fort.

Seiner Angebeteten ein seltenes Edelweiß zu schenken ist bis heute ein Zeichen großer Verehrung im südlichen Bayern, während Trachtenträger sich durch einen möglichst opulenten Gamsbart wie ein Pfau der Weiblichkeit präsentieren. Dem geschossenen Wild wird auch hierzulande ein Fichtenzweig in das Maul gelegt, als "letzte Äsung".

Verehrte Naturvölker

Bis heute jagen überall weltweit Menschen aus rituellen Gründen, darunter auch die verehrten Naturvölker. Verehrt deshalb, weil ein weltweiter Konsens zu bestehen scheint, die verbliebenen Naturvölker möglichst weit vor einem Einfluss der Moderne und der Zivilisation zu schützen. So werden beispielsweise bis heute die Jarawa auf den Andamanen abgeschieden gehalten und vor der Zivilisation "geschützt".

Doch auch in der Zivilisation wird die rituelle Jagd weiter anerkannt, beispielsweise die Waljagd auf den Färörinseln, auf Grönland, in Kanada, Russland, den Vereinigten Staaten, St.Vincent und die Grenadinen oder in Indonesien.

Ginge es alleine um die Ernährung, so ließe sich ja bei der kleinen Zielgruppe eine Versorgung mit subventionierten Lebensmitteln problemlos durchführen. Stattdessen wird jedoch die Tradition anerkannt und die Jagd erlaubt.

Wie, wenn nicht rituell, ist darüber hinaus die Arbeit der Falkner zu bezeichnen? Wer mit Adlern oder Falken Kleintiere und Vögel jagt, der isst sie in der Regel nicht. Oft wird bestenfalls das Fell durch den Menschen weiter verwertet, während der Greifvogel das geschlagene Tier verspeisen darf. Fuchs, eine beispielsweise in der Mongolei beliebte Jagdbeute bei der Falknerei, wird und wurde wohl nur in Zeiten von Hungersnöten gegessen.

Wenn aber die rituelle Jagd überall in der nicht-westlichen Welt akzeptiert und geduldet wird, warum sollen dann diejenigen, die einen Löwen bei der Trophäenjagd erlegen, "krank" und mit "kleinem Penis" ausgestattet sein?

Wie, wenn man nicht ein Rassist nach dem Schema des "Edlen Wilden" ist, soll die Billigung der Jagd durch andere Kulturen akzeptiert und schützenswert sein, wenn sie gleichzeitig für jemanden aus dem Westen ein Verbrechen oder eine Störung der geistigen Gesundheit attestiert?

Trophäenjagd schützt Tiere

Dabei ist die Trophäenjagd nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Länder, die sie erlauben. Sie dient auch der Arterhaltung. In Botswana leben beispielsweise 130.000 Elefanten, während die Landfläche eine nachhaltige Population von nur 30.000 bis 40.000 Tieren ermöglicht.

Mit einem Nahrungsbedarf von 200 kg Grünzeug täglich, fressen die Tiere dort nicht nur den Bauern die Ernte und ihren Nutztieren die Nahrung weg, ihr großes Gewicht und ihr enorme Kraft zerstören dazu Zäune, Plantagen und Felder.

Wie aber soll ein von vielleicht nur 2 Dollar am Tag lebender Botswaner davon überzeugt werden die Tiere nicht als Nahrungskonkurrenten auszurotten, wenn ernicht unmittelbare finanzielle Anreize erhält? Diese erhält er jedoch bei der Trophäenjagd.

Namibia machte Schlagzeilen

Namibia machte dagegen Schlagzeilen, als es den Abschuss eines Nashorns für 350.000 Dollar versteigerte. Was militanten und ignoranten Tierschützern entgeht ist, dass eine Jagd im Rahmen einer wissenschaftlich kontrollierten Populationspolitik die Tierarten rettet. Die Jagd auf Leoparden ist in Namibia erlaubt, der Bestand ist der weltweit größte. Dafür wurde das Land 2014 sogar vom WWF ausgezeichnet.

In Kenia wurde dagegen die Jagd 1977 vollständig verboten, was den Schutz aller Tiere außerhalb der wenigen Nationalparks uninteressant für die Bevölkerung machte. Der Bestand der "Big Five" (Löwe, Leopard, Nashorn, Büffel, Elefant) ist dort seither um 60 bis 70% zurückgegangen.

Dass das hoch gefährdete Spitzmaulnashorn in zwei Ländern seine Population vergrößern konnte, sollte eine großartige Nachricht für jeden Naturschützer sein. Nach meinen Zeilen wird es daher wohl nicht mehr verwundern, wenn die einzigen beiden Länder mit einer einem Wachstum des Nashornbestands Namibia und Südafrika sind, die beide die Jagd auf das Tier erlauben

Wo also ist das Problem?

Wo also ist das Problem mit der Trophäenjagd? Eine wissenschaftlich kontrollierte Trophäenjagd kann somit erwiesenermaßen den Erhalt von Tierarten nutzen, ja sie scheint in einigen Fällen die einzige Garantie dafür zu sein. Die Länder mit Trophäenjagd sind sehr oft sehr arm, sodass es zugleich eine Menge Geld in diese Volkswirtschaften spült und den Bevölkerungen direkt und indirekt nutzt.

Kein Mensch muss Tiere allein für seine Trophäen jagen. Eine solche Dramatisierung dieser Jagd und ein solcher Hass gegen die Jäger ist jedoch mitnichten gerechtfertigt - zumindest wenn man an dem Erhalt der Tierarten interessiert ist, den Menschen in armen Ländern helfen möchte und charismatische Tiere nicht vermenschlicht.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf torstenh.de

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