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24/11/2014 06:03 CET | Aktualisiert 24/01/2015 06:12 CET

Raus aus der Erziehungsfalle - Der Selbstversuch einer Mama

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Wir Eltern geben unseren Kindern Tag für Tag viel zu viele Anweisungen, wir dirigieren und befehlen rum. Es scheint uns einfacher dem Kind rasch zu sagen, was es in unseren Augen tun soll, als darauf zu warten, dass es ihm selber oder überhaupt nicht in den Sinn kommt.

Meist sind wir dabei zu schnell. „Kind, hör jetzt auf, so rumzuschreien. Sag bitte mit ruhiger Stimme, was du gern hättest." Dies hat zur Folge, dass ein Kind sich mit der Zeit daran gewöhnt. Erstens, weil wir fürs Kind das Denken übernommen haben und zweitens, weil meist nacheinander so viele Anweisungen kommen, so dass es diese gar nicht alle aufnehmen kann. Beim einen Ohr rein, beim andern raus...

Und dann das mit den Interviews. Ich weiß auch nicht, weshalb wir eigentlich unseren Kindern immer so viele Fragen stellen müssen. Kaum sind sie zur Tür rein geht's los: „Wie war es in der Schule? Hast du Hausaufgaben?". Und dann meist gleich noch die Anweisungen: „Geh dir die Hände waschen. Stell bitte die Schuhe richtig hin, dann kannst du gleich zum Tisch kommen."

Da mag man doch als Kind gar nicht mehr das erzählen, was wirklich interessant wäre. Es ist schon so... jener, der die Fragen stellt, fühlt sich mächtiger als jener, der darauf antworten muss.

Jetzt werde ich meinen Kindern eine Woche lang nur noch wenige und nötige Anweisungen geben und keine Interviews mehr führen. Das heißt konkret:

  • Weniger Anweisungen wie: komm/geh/mach/bring/hol schnell dies oder das.
  • Keine Interviews mit vielen Fragen, die beantwortet werden müssen.

Für mich ist das mit den Fragen immer ein wenig wie die Situation während einem unangenehmen Vorstellungsgespräch.

Deshalb täten uns wirklich gut daran, mal ein bisschen abzuwarten. Ich weiß, ich weiß, ich erzähl euch da überhaupt nichts Neues. Immer gilt es, abzuwarten und dem Kind und sich selber Zeit zu lassen. Aber es ist halt schon etwas, dass Eltern hin und wieder gern vergessen. Sich Zeit zu lassen. Und die Kinder ihre Geschichten dann erzählen lassen, wenn sie dazu bereit sind. Vielleicht nach 5 Minuten, nach ein paar Stunden oder noch später. Manchmal mag man einfach nicht reden, oder?

Und dann bitte ich euch, hört euch die Geschichte, die sie dann erzählen, bis zum Ende an. Wir brauchen dann auch nicht zu beurteilen: „Wer hat das getan? Wer ist schuld?" Meist ist das Erlebte dann einfach erzählt und es ist gut so. Ich sage dann oft: Und jetzt? Und mein Sohn darauf: „Jetzt ist nichts mehr!"

Also, nun gilt es für mich. Eine Woche lang werde ich alle Anweisungen, die ich den Kindern gebe, viel bewusster machen. Sie sollten direkt, klar und persönlich sein. Also nehme ich mir vor zu sagen „Ich möchte/oder ich will dass du ..." Und dann muss ich noch klar sagen, was mir wichtig ist. „Kind, ich will dass du jetzt deine Schuhe anziehst." Ist nämlich eh viel besser als „Kind! Machst du vorwärts? Du musst pressieren, sonst kommst du zu spät!"

Dies ist ein Selbstversuch. Also: Weniger Anweisungen wie: komm/geh/mach/bring/hol dies oder das. Keine Interviews mit vielen Fragen, die beantwortet werden müssen. Stattdessen werde ich persönlich und gebe direkte und klare Anweisungen wie: „Ich möchte, dass du ...". Ich werde den Kindern und mir Zeit zum selber erzählen und zuhören.

Wer mag darf gerne auch mitmachen! Ich freue mich darauf und bin gespannt, was ihr mir darüber erzählen werdet.

Dieser Text erschien ursprünglich auf Elternpower

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