BLOG
16/11/2015 13:12 CET | Aktualisiert 16/11/2016 06:12 CET

Kinder machen glücklich - So helfen wir ihnen, glücklich zu sein

LM Photo via Getty Images

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg

Wie kann es uns gelingen, dass alle Familienmitglieder gesehen, gehört und ernst genommen werden können? Haben wir es gut zusammen? Denn ist die Beziehung gut, geht es uns in der Regel auch gut. Je besser die Beziehung zu unseren Kindern ist, desto weniger Erziehungsmassnahmen müssen angewendet werden.

Kinder sind nicht für ihre Eltern verantwortlich

Laut dem Pädagogen Jesper Juul sind Kinder auf zwei Gebieten noch nicht kompetent. Das erste: Kinder bis etwa 10 Jahren können noch nicht für sich selber sorgen. Das zweite: Kinder dürfen nicht verantwortlich oder mitverantwortlich für die Qualität ihrer Beziehung zu den Eltern sein.

Dies ist nicht nur eine Meinung oder eine Philosophie, es ist eine etablierte Tatsache. Das kann jeder sehen, der eine Familie kennt, in der die Eltern keine Verantwortung übernehmen wollen.

In diesen Familien geht es den Kindern nicht gut und deren Entwicklung ist oftmals gestört. Für Generationen haben Eltern gedacht (oder denken es immer noch), dass wenn das Kind erfolgreich ist, dann sei das ihr eigener Erfolg.

Wenn das Kind nicht erfolgreich ist , beschuldigen sie das Kind und machen es damit schuldig. Dies hat wahrscheinlich bis heute sehr viel menschliches Leid verursacht.

Es muss nicht immer Harmonie herrschen

Dass wir Eltern immer verantwortlich sind für die Qualität der Beziehungen zu unseren Kindern heisst nicht, dass immer Harmonie, Zufriedenheit und Glück vorherrschen wird. Aber wenn unser Kind ununterbrochen frustriert, unglücklich oder wütend ist, schlage ich vor, die Verantwortung zu übernehmen.

Was kann ich nun konkret tun? Wie verändere ich denn mein Verhalten? Ich kann mir eine bestimmte Alltagssituation mit meinen Kindern vorstellen. Dann stelle ich mich vor den Spiegel und sage mir: „Ab heute übernehme ich die volle Verantwortung für die Qualität unserer Beziehung." Und wenn mir dies zu viel Angst macht, dann muss ich dann halt sagen: „Auch heute übernehme ich wieder nicht die Verantwortung!"

Wir können unser Verhalten nicht von heute auf morgen verändern.

Noch viel weniger können wir das bei unserem Partner oder den Kindern.

Am Besten konzentriere ich mich wirklich auf mich selbst. Wenn ich also mein Kind viel zu laut angebrüllt habe, ist es gar nicht so schwer, seinem Kind zu sagen: „Es tut mir leid, ich wurde heute so wütend. Ich werde versuchen, dich nicht mehr so anzubrüllen."

Was lernt dabei das Kind: So kann man sich verhalten. So kann man mit Gefühlen umgehen. Meine Mutter ist gerade so, damit muss ich leben, aber ich kann da nichts dafür.

Dabei geben wir dem Kind nicht die Schuld und fordern auch nicht sein Verständnis für unser Verhalten, sondern übernehmen die volle Verantwortung.

Konflikte oder einfach Tatsachen?

Gehen wir Konflikten in unserer Familie nicht aus dem Weg. Es ist völlig normal und gehört dazu, dass wir uns hin und wieder streiten, traurig oder wütend sind. Kinder bis zur Pubertät haben Eltern nötig, die den Mut besitzen, ihr grösseres Mass an Wissen, Einsicht und Erfahrung einzubringen. Sie lernen von uns, wie wir damit umgehen, wenn es mal nicht mehr so rund läuft. Und wir werden eher erfahren, woran wir bei den Kindern sind, wenn wir ein gut funktionierendes Verhältnis zu unseren Kindern besitzen.

Die Kinder sollten mit der Sprache, mit den Gefühlen und mit dem Körper reagieren können. Freude, Zorn, Euphorie, Trauer, Verzweiflung... alle Reaktionen sollten in unserer Familie Platz haben. Wenn die Gefühle unterdrückt werden müssen, dann können sie plötzlich explosiv zum Ausdruck kommen.

Wenn ich NEIN zu meinem Kind sage und das Kind sehr wütend reagiert, ist eine gute und mögliche Elternreaktion: "Hör mal zu. Ich bleibe bei meinem NEIN. Es gefällt mir nicht, dass du so aus der Haut fährst, damit bin ich eigentlich nicht einverstanden. Aber ich wusste gar nicht, dass dies dir soviel bedeutet! Komm doch mal zu mir und erkläre mir, was daran für dich so wichtig ist."

Wertvoll sein!

Es tut sehr gut, wenn wir erleben, für andere Menschen wertvoll zu sein, ohne uns verstellen oder etwas leisten zu müssen. Und wir Eltern können sehr viel dazu beitragen, dass sich unsere Kinder wertvoll fühlen! Wir können dem Kind helfen ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln.

Man kann es sich etwa so vorstellen: wer eine gefüllte Säule in sich trägt, ist stabil und stark. Ist die Säule jedoch leer, fühlt man sich schwach und unsicher.

Wir Eltern können fürs Wohlergehen unserer Kinder sorgen, in dem wir ihre Stärken und Schwächen kennenlernen und uns auf die Stärken konzentrieren. Wenn wir sie ermutigen und anerkennen. Dies drückt aus, dass ich ins Kind Vertrauen habe. Jedes Kind sollte mindestens eine wichtige Person in seinem Umfeld haben, die es bewusst „sieht" und akzeptiert" wie es ist.

Ich wünsche mir, dass alle in Ihrer Familie gesehen, gehört und ernst genommen werden und sich alle wertvoll fühlen dürfen.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch „Sollte aufräumen - will aber nicht" Inspiration für Eltern, von Tonia von Gunten, Blue Bubble Verlag.

2015-10-29-1446111691-9101179-Gluck2.png

Mehr Dinge, die glücklich machen, gibt es hier.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite

Laub im Herbst: Wer haftet für Unfälle auf rutschigen Blättern?