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30/06/2017 13:31 CEST | Aktualisiert 30/06/2017 13:31 CEST

Schwarzwälder Kirschtorte - in Indien ein echter Renner

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Im südlichen Indien, oder genauer gesagt im Nilgiris-District, ist es zwischen Ende März und Ende Juli so heiß, dass sogar Kaugummis in der Sonne schmelzen, der Käse einfach davon läuft und die Schokolade schon nach wenigen Minute so flüssig wie Wasser ist.

In dieser Region Sahnetorten zu backen und zu verkaufen, klingt etwas befremdlich, aber wer den kleinen Ort Ooty besucht, der wird dort ein wahres Tortenparadies finden.

Es werden aber nicht nur irgendwelche Torten angeboten, die Einwohner des Urlaubsortes wollen eine ganze spezielle Torte: Sie sind verrückt nach Schwarzwälder Kirschtorten.

Das Problem mit den Zutaten

Kirschwasser im Süden Indiens zu bekommen, ist so gut wie unmöglich und wenn importierte Ware gekauft wird, dann ist diese sündhaft teuer. Auch die Milch für die Sahne ist ein großes Problem, sie wird per Tanklaster aus anderen Regionen ins Hochland gebracht.

Die Kirschen kommen aus dem Kaschmir, das 2500 km weit entfernt liegt und auch die Schokolade, die für die Verzierung der Torte unverzichtbar ist, muss für teures Geld als Importware gekauft werden.

Allen Widrigkeiten zum trotz backen die Bäcker in Ooty den Black Forest Cake, wie die Schwarzwälder Kirschtorte in Indien heißt, wie am Fließband. Rund 20 Torten werden in den kleinen Cafés jeden Tag gebacken und für 500 Rupien, umgerechnet rund sieben Euro, an die Kundschaft verkauft.

Die Lust auf Torten hat Tradition

Warum sind die Menschen in Südindien so verrückt nach Schwarzwälder Kirschtorte? Die Antwort ist in der Kolonialzeit zu finden. Ooty war der bevorzugte Erholungsort für die britischen Kolonialherren im 19. Jahrhundert und die Offiziere samt Familie wollten nicht auf ihre Teatime mit Scones, Sandwiches und Kuchen verzichten.

In den 1930er Jahren kamen die Briten dann auf den vorzüglichen Geschmack der Traditionstorte aus dem Schwarzwald und fortan eroberte die Sahnetorte mit Kirschen und Schokolade den Süden des Subkontinents.

Bis heute wird die Torte nicht nur in Cafés verkauft, sie wird in den Hotels auch immer noch zur Teestunde angeboten und selbst die örtliche Filiale des amerikanischen Fast Food Riesen McDonalds kommt an den Torten aus dem Schwarzwald nicht vorbei und serviert einen „Black Forrest McFlurry in Schwarz, Weiß und Rot.

Die indischen Schwarzwälder Kirschtorten sind übrigens eckig und nicht rund, das Kirschwasser wird häufig durch einen Sirup aus Zucker und Rum mit Vanille-Aroma ersetzt, aber sonst ist alles, wie es sein soll.

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