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25/10/2015 10:32 CET | Aktualisiert 25/10/2016 07:12 CEST

Die Dialyse - der Lebensretter für die Nieren

Staras via Getty Images

Die Nieren sind ganz erstaunliche Organe, denn sie sind so etwas wie eine Reinigungskraft des Körpers. Die Nieren sorgen dafür, dass alle Abfälle gefiltert werden, die sich im Blut sammeln, um auf diese Weise den Organismus vor Vergiftungen zu schützen. Die Nieren können aber noch mehr, sie haben Einfluss darauf, wie viel Urin ausgeschieden wird, sie steuern den Mineralstoffhaushalt und sie sind zudem ein wichtiger Produzent, wenn es um die Hormone geht, die für die Bildung von Knochen und Blut gebraucht werden.

Die Nieren sind Multitasker, umso schlimmer ist es, wenn sie ihren Aufgaben nicht mehr pünktlich und gewissenhaft nachgehen können. Immer wenn das der Fall ist, dann müssen die vielfältigen Funktionen der Nieren von einer Maschine außerhalb des Körpers übernommen werden, es kommt zur Dialyse. Das Wort Dialyse kommt aus dem Griechischen und bedeutet Trennung oder auch Auflösung. Gemeint ist eine künstliche Blutwäsche, die entweder nur zeitweise oder auch dauerhaft die Arbeit der Nieren erledigt.

Warten auf die Transplantation

In Deutschland müssen rund 60.000 Menschen regelmäßig zur Dialyse, da ihre Nieren nicht mehr funktionieren. Die meisten werden ihr Leben lang von der künstlichen Blutwäsche anhängig sein, weil es zu wenig Organspender und damit auch zu wenig Nieren gibt. Während der Wartezeit auf ein neues Organ ist die Dialyse die einzige Möglichkeit um zu überleben, und die Betroffenen haben, nach Absprache mit dem behandelnden Arzt, die Wahl zwischen zwei unterschiedlichen Dialyse-Verfahren. Möglich sind eine extrakorporale, also eine Dialyse außerhalb des Körpers und eine intrakorporale, eine Dialyse innerhalb des Körpers.

Die meisten Nierenkranken entscheiden sich für die Dialyse außerhalb des Körpers. Bei der extrakorporalen Dialyse wird ein spezieller Gefäßzugang, ein sogenannter Shunt gelegt, der eine Vene mit einer Arterie verbindet. Um den Shunt zu legen, ist eine kleine Operation notwendig, aber die künstliche Verbindung macht die Dialyse für den Patienten einfacher. Während der Dialyse reinigt ein Filter, der Dialysator, das Blut von allen schädlichen Stoffen. Im Dialysator fließen zum einen das Blut und zum anderen das Dialysat, eine Art Spülflüssigkeit in entgegengesetzten Richtungen durch eine hauchdünne Membran.

Zwischen den beiden Seiten der Membran gibt es einen Konzentrationsunterschied, denn im Blut sind kleine Teilchen wie zum Beispiel Harnstoffe, die ausgefiltert werden müssen. Frisch gereinigt fließt das Blut dann in die Spülflüssigkeit und im Anschluss in den Körper zurück.

Die intrakorporale Dialyse

Die zweite Möglichkeit der Dialyse findet nicht außerhalb, sondern im Körper statt, wobei das Bauchfell die Funktion des Filters übernimmt. Das Bauchfell trennt die Schadstoffe und das überschüssige Wasser vom Blut und die Bauchhöhle ist so etwas wie der Behälter für die Spülflüssigkeit. Damit diese Form der Blutwäsche funktionieren kann, muss zuvor dauerhaft ein Schlauch in die Bauchdecke gelegt werden. Auf den ersten Blick klingt die intrakorporale Dialyse einfacher als die Dialyse, die außerhalb des Körpers stattfindet, aber diese Methode hat ihre Nachteile.

Während die Patienten, die sich für die extrakorporale Dialyse entschieden haben, mehrmals in der Woche für einige Stunden an die Dialyse angeschlossen werden müssen, muss derjenige, der die Dialyse innerhalb des Körpers wählt, mehrmals am Tag die Spülflüssigkeit wechseln. Das Dialysat fließt dabei in einen Beutel ab und wird dann durch neue Spülflüssigkeit ersetzt.

Der große Vorteil bei dieser Dialyse, die bei ca. fünf Prozent der Nierenkranken zur Anwendung kommt, besteht darin, dass die Patienten mobiler sind, da sie sich nicht ständig nach dem nächsten Termin für die Blutwäsche richten müssen. Geeignet ist die intrakorporale Dialyse hauptsächlich für ältere Menschen und für kleine Kinder.

Die Dialyse und ihre Nebenwirkungen

Menschen, die unter sehr starken Nierenschmerzen leiden und deren Nieren nicht mehr richtig arbeiten, sind auf die Dialyse angewiesen, aber sie müssen auch mit einer Vielzahl von Nebenwirkungen leben. Während die eigentliche Dialyse wenig Probleme macht, kann sich jedoch der Shunt entzünden, der bei den meisten Patienten drei- bis viermal in einer Woche punktiert werden muss.

Die Einstichstelle kann mit Bakterien infiziert werden und es können sich zudem Thrombosen bilden, die ein Blutgefäß verschließen und somit für die Dialyse unbrauchbar machen. Das Blutgerinnsel muss dann entfernt werden, damit der Shunt wieder durchlässig wird, und dieser operative Eingriff bedeutet für den Patienten zusätzlichen Stress.

Dialysepatienten müssen auf ihre Nahrung achten und dürfen pro Tag nur eine bestimmte Menge trinken. Alle Nahrungsmittel, die viel Eiweiß und viel Kalzium haben, sollten von der Speisekarte gestrichen werden, da sie unter Umständen lebensgefährliche Störungen im Stoffwechselhaushalt verursachen können. Alle, die unter einer Niereninsuffizienz leiden, haben oftmals zu viel Phosphat im Blut und das kann für schwere Schäden in den Blutgefäßen sorgen.

Es kommt nicht selten zur Arteriosklerose, einer Verkalkung der Gefäßwände, und auch das kann lebensgefährlich werden. Um die Phosphate effektiv binden zu können, kommen Phosphatbinder auf Aluminiumbasis zum Einsatz, deren Ablagerungen aber im Gehirn und in den Knochen zu Langzeitschäden wie Demenz führen können.

Die einfachste Lösung für Dialysepatienten ist eine neue Niere, aber die Zahl der Organspender geht, auch aufgrund der zahlreichen Skandale der letzten Jahre, immer weiter zurück.

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