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11/02/2017 11:49 CET | Aktualisiert 12/02/2018 06:12 CET

Seit der Geburt meiner Tochter habe ich keine Zeit mehr für mich - und das ist auch gut so

Geber86 via Getty Images

Damals, als mein Bart noch nicht aussah wie die Sommerresidenz vom Weihnachtsmann und mein Haupthaar immer noch wohlwollend als „Out of bed"-Look durchging. Ungefähr zu der Zeit gab es etwas, das man „fomo" nannte.

Die Älteren erinnern sich vielleicht: „fear of missing out". Die Angst davor also, all deine Freunde und Aliens, die sich für deine Freunde ausgeben, könnten ohne dich feiern. Als Vater möchte ich keinem alten Leben nachhängen.

Soll's doch an mir vorüberziehen - ich bleib' lieber zu Hause. Was ich als Vater heute vermisse? Nichts! Und ich sag' Ihnen auch, warum...

Mit dem Alter kommt, nun ja, nicht die Geduld, nicht die Weisheit, sondern vorrangig erst einmal das Alter. Und damit eben auch der Verfall. Oder glauben Sie, ich verbringe zum Spaß derzeit im Schnitt einmal pro Woche meine Stunden beim Zahnarzt?

Zeit mit den Kindern verbringen - nicht mit dem Hobby

Davon einmal abgesehen frage ich mich natürlich schon manchmal: Was vermisse ich als Vater eigentlich? Statistisch betrachtet, verbringen Väter am Wochenende zwei Stunden mit ihren Kindern. Mindestens genauso viele Stunden mehr, verbringen sie nach der Geburt ihres ersten Kindes mit ihrem Hobby.

Wie passt das zusammen? Ist das Hobby wichtiger als das Kind? Ist es die Angst, selbst zu kurz zu kommen oder gar etwas Fundamentales zu vermissen?

Ich muss gestehen, wenn ich mir die Zahlen aus dem aktuellem Väterreport, wie auch anderer Studien anschaue, verstehe ich das Phänomen: Väter werden immer weniger. Für mich persönlich stellt sich das wesentlich einfacher dar!

Die Angst, etwas Grundlegendes bis Legen- wait for it -däres zu verpassen, ist seit der Geburt meiner „Frau Doktor Mama Löwe" (von noobs auch Tochter genannt) nach und nach der Freude gewichen. Der Freude daran, einfach so zu Hause bleiben zu können: „the joy of missing out" oder auch „jomo". Die hohe Kunst des Verpassens, einfach, weil man es kann.

Abenteuer satt: Als Vater einer Tochter

Ich vermisse die langen Abende nicht. Ich vermisse die Parties nicht, bei denen ich mich bis spät in die Nacht fragte, wer um Himmels Willen hier überhaupt für die Musik zuständig sei - „Und ob du lachst oder weinst, gleich gibt's Simple Minds"!

Ich vermisse es auch nicht, betrunken auf einer Parkbank aufzuwachen, nach Hause zu laufen, wieder zurückzulaufen, weil ich meinen Rucksack vergessen habe, verwirrt die Bank zu suchen, wieder nach Hause zu laufen, die Tür nicht aufzukriegen, im Treppenhaus einzuschlafen, wieder aufzuwachen, es nochmal zu probieren und irgendwann morgens um 07:00 Uhr in Klamotten auf dem Bett wieder einzuschlafen.

Ich vermisse ebenso wenig die überfüllten Silvesterparties, während der Bier mit Spülmittel gemischt wurde und man für den Rest des Abends nicht genau wusste, ob man den Giftnotruf oder doch lieber den Pizzaboy rufen sollte?

Doch genug von den Party-Geschichten. Wie Opa schon immer gerne sagte: Wer feiern kann, der kann auch arbeiten. Seltsam, denn: Ich vermisse auch die angebliche Karriere nicht, die mir durch das Kind entgangen sein soll.

"Hauptsache es geht weiter?" - Nein, danke

Dieses selbstoptimierend kapitalistische „Hauptsache mehr, Hauptsache es geht weiter", welches sich durch sämtliche Lebens- und Blogbereiche zieht. Nein, das will mir irgendwie nicht liegen.

Warum sonst habe ich ein zweites Studium begonnen und in mindestens fünf verschiedenen Bereichen gearbeitet? Eben, um es mal auszuprobieren. Ich spiele nicht, um zu gewinnen. Ich spiele, um zu spielen.

Es sei denn, es gibt Käsestreuselkuchen zu gewinnen. Dann sollten sie sich lieber in Luftpolsterfolie einpacken, wie man so sagt.

Ich vermisse es auch nicht, nächtelang Serien zu schauen. So, wie ich das mehrfach mit allen Staffeln von 24, LOST, Dexter, True Detective, Fargo, The Leftovers, Friends, Seinfeld, Breaking Bad, The Walking Dead, The 4400, Narcos, Preacher, Better Call Saul, The Young Pope The booth at the end, The Returned und vielen anderen getan habe.

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Aufmerksame LeserInnen merken sofort: Moment mal! Da sind ja ganz aktuelle Serien dabei! Das stimmt. Als Nachteule schaue ich nämlich immer noch heimlich zu mondscheinender Stunde Serien und Filmchen.

Mal nebenbei auf dem Rechner, mal auf dem großen Bildschirm. Das geht auch mit Kind immer noch ganz wunderbar. Solange man eben mit weniger als fünf bis sechs Stunden Schlaf pro Nacht auskommt.. uff.

Was ich stattdessen vermissen würde

Ich vermisse die großen Abenteuer, die mich an neue Orte bringen nicht. Vater einer Tochter zu sein, dass ist mir für's Erste einmal Abenteuer genug. Wann sonst wechseln sich kurze Momente der Ruhe und der Dankbarkeit mit eruptiven Wutausbrüchen ab - und zwar im Minutentakt?

Dann, wenn der Käse nicht korrekt auf der Brotscheibe liegt. Oder wenn der Rock, den sich die Tochter anziehen möchte in Wirklichkeit gar kein Rock, sondern eine Einkaufstüte ist und sie verzweifelt versucht, ihre Beine durchzustecken. Dann geht man eben die Schere holen und lacht später gemeinsam darüber - ohne den "Rock" wieder auszuziehen, ist ja klar.

Meine Zeit als Vater ist begrenzt. Solche Momente im Kindesalter sind einzigartig und lassen sich nur schwer wiederholen. Also lebe ich sie, ganz alltäglich und zwar ohne den Wunsch nach etwas anderem. So einfach ist das eben manchmal.

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Eine Sache aber vermisse ich vielleicht dann doch. Und das manchmal vielleicht sogar mehr, als ich derzeit bereit bin zuzugeben. Die Rede ist vom Meer. Das hat aber eigentlich nichts mit meiner Tochter und mir zu tun, wie ich vermute.

Vermisst nicht jeder von uns stets und immer und immer wieder das weite Meer? Aber nicht mehr lang und bald schon werden wir auch das gemeinsam tun. Also ans Meer fahren - und es dann vielleicht auch wieder vermissen.

Der Beitrag erschien ursprünglich auf Johnnys Papablog.