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07/12/2015 13:19 CET | Aktualisiert 01/03/2017 06:12 CET

Ich habe 15 Monate lang keinen Alkohol und keinen Kaffee getrunken und das ist mit mir passiert

Heute auf den Tag genau habe ich seit 15 Monaten keinen Tropfen Alkohol oder Kaffee zu mir genommen. Ein paar meiner Freunde haben mich auf Facebook und Twitter gebeten, meine Erfahrung aufzuschreiben, also mache ich das jetzt - zumindest die Kurzfassung.

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Nach mehr als einem Jahr ohne Alkohol und Kaffee sind mir ein paar Nebenwirkungen aufgefallen. Das sind meine Erfahrungen:

Ich spare jeden Monat 1000 Euro

Nach 2 Monaten fiel mir auf, dass ich gut 1000 Euro mehr auf dem Konto hatte. Ja, das ist viel, aber wenn man nachrechnet, fällt einem auf, dass es gar nicht so viel ist.

Ich lebe in New York. Um 1000 Euro für Alkohol auszugeben, muss ich hier 33 Euro am Tag ausgeben. Mal angenommen, dass ich jeden zweiten Tag 2 bis 3 Cocktails trinken gehe (davon kostet jeder 10 Euro plus Trinkgeld) und dazu kommen jeden Monat noch einige Flaschen Wein für Zuhause, dann komme ich ganz leicht auf 1000 Euro.

Einige würden jetzt sagen, dass wir hier von einem ernsten Alkoholproblem sprechen, aber glaubt mir, wenn ich sage, dass 1-2 Drinks am Tag in New York absolut normal sind.

Außerdem führt das regelmäßige Was-Trinken-Gehen dazu, dass man öfter spontan zum Essen oder zumindest einen Snack essen geht. Man trinkt ja nicht einfach - man wird auch hungrig und kauft sich was zum Essen. Und ehe man sich versieht, hat man 1000 Euro ausgegeben.

Weniger Geläster

Etwas, das mir schon sehr schnell auffiel, war die mangelnde soziale Interaktion, die meine neue Diät mit sich brachte. Das Folgende ist passiert:

1. Man geht nicht mehr wirklich aus. Es ist so anstrengend, wieder und wieder zu erklären, warum man nichts trinkt und NEIN, nicht mal einen Drink haben möchte.

2. Wenn eine Gruppe von Leuten mich einlädt, etwas trinken zu gehen, sage ich normalerweise ohne groß nachzudenken NEIN, weil ich mich als nüchterner Mensch nicht mit dem Geläster befassen möchte.

3. Wenn ich dann doch mal zum Trinken mitkomme, halte ich höchstens 1 Stunde aus, weil das meine Aufmerksamkeitsspanne ist, die ich als nüchterne Person in einer Gruppe betrunkener Leute aufbringen kann.

4. Auch wenn ich nie ein echter Partylöwe war, führte der Alkoholstopp dazu, dass ich noch weniger ausgegangen bin. Es ist schon erstaunlich, wie man bemerkt, dass die Trinkkultur sich ganz langsam aus dem eigenen Leben schleicht. Mir fiel dadurch auf, wie viele Freundschaften eigentlich vorrangig auf dem eigenen Alkoholkonsum basieren.

„Komm, wir gehen was trinken" ist in unserem Leben so fest verankert, weil nie jemand sagt: „Hey, lasst uns einfach mal nüchtern treffen und wir reden über irgendwas" - Warum zur Hölle sollte man so etwas tun? „Gehen wir was trinken" muss nicht weiter erklärt werden, denn das kennt man so. Jeder weiß, was als nächstes passiert.

Ich schlafe besser

Meine Schlafqualität hat sich stark verbessert, seit ich Alkohol aus meinem Leben gestrichen habe. Ich rede nicht vom Einschlafen, sondern von der eigentlichen Qualität des Schlafens.

Klar schläft man nach 1-2 Gläsern Bier oder Wein besser ein, aber die tatsächliche Schlafqualität kann darunter leiden. Ich schlafe besser und wache am nächsten Morgen mit mehr Energie auf. Früher ging es mir morgens überhaupt nicht gut - ich merkte es am Morgen, wenn ich am Abend zuvor auch nur 2 Bier getrunken hatte (Wer das hier liest und knapp über 20 ist, kann diesen Teil ignorieren: Das betrifft euch noch nicht).

Kein Kaffee, weniger Panik, weniger Stress

Dieser Punkt ist vielleicht etwas Persönliches, das nicht jeden betrifft. Aber dadurch, dass ich Kaffee aus meiner Ernährung gestrichen habe, wurde ich entspannter. Kaffee erzeugte bei mir immer Stress. Durch ihn neigte ich eher zu Unruhezuständen und auch meine Verdauung war buchstäblich am Arsch. Nun, da ich keinen Kaffee und kein Koffein mehr zu mir nehme, bin ich nicht nur viel entspannter, auch hinterum flutscht alles, wie es soll.

Abgesehen von diesen Punkten liebe ich den Geruch und Geschmack von Kaffee. Hin und wieder trinke ich also einfach einen entkoffeinierten. Im Sommer trinke ich jetzt Eistee und im Winter warmen Tee.

Mir wurde klar, dass dieses Kaffee-Trinken-Gehen eigentlich eine soziale Aktivität ist, bei der es weniger um die Sucht nach Kaffee geht. Behaltet also das soziale Verhalten bei, aber trinkt statt Kaffee einfach etwas anderes.

Insgesamt bin ich mit meiner Entscheidung sehr zufrieden und habe keineswegs die Absicht, wieder mit dem Trinken anzufangen. Ich möchte euch nicht vorschreiben, dass ihr das auch so machen sollt; wenn ihr damit zufrieden seid, wie euer Leben läuft, dann ändert nichts daran.

Ich habe aus Neugier mal mein Verhalten geändert und mir gefällt, was daraus geworden ist.

P.S.: Bevor jemand fragt: Ich rauche nicht, ich kiffe auch nicht. Ich nehme auch sonst keine Drogen. (Ich hab das Internet, das ist schon Sucht genug für mich.)

Euer Tobias

Dieser Blog ist ursprünglich bei der Huffington Post USA erschienen und wurde von Philipp Windgassen aus dem Englischen übersetzt.

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