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31/10/2015 08:10 CET | Aktualisiert 31/10/2016 06:12 CET

Deutsch-französischer Plan: 15 Schritte für ein digitales Europa

scyther5 via Getty Images

Gemeinsam mit dem „Nationalrat für Digitales" (Conseil national du numérique, CNNum) hat der „Beirat Junge Digitale Wirtschaft" (BJDW) einen deutsch-französischen Aktionsplan für Innovation (API) mit dem Titel „Digitale Innovation und Digitale Transformation in Europa" entworfen und auf der gemeinsamen Konferenz zur Digitalen Wirtschaft am 27. Oktober 2015 an Sigmar Gabriel, Bundesminister für Wirtschaft und Energie und Emmanuel Macron, Minister für Wirtschaft, Industrie und Digitales übergeben.

Zu der Konferenz im Élysée-Palast hatte der Staatspräsident der Französischen Republik François Hollande gemeinsam mit der Deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeladen.

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Überreichung des Aktionsplans (v.l.n.r.) Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, Prof. Dr. Tobias Kollmann als Vorsitzender des Beirats Junge Digitale Wirtschaft im BMWi, Emmanuel Macron, Minister für Wirtschaft, Industrie und Digitales in Frankreich und dem Vorsitzenden des französischen Conseil national du numérique (CNNum) Benoît Thieulin (Foto: Simon, Pressestelle Élysée-Palast)

Der Aktionsplan enthält 15 konkrete Vorschläge für den gemeinsamen digitalen Binnenmarkt in Europa zu den Themen Ausbildung und Förderung von Digitalen Kompetenzen, Aufbau eines europäischen Ecosystems für digitale Startups, Finanzierung von digitalen Innnovationen, Etablierung eines Europäischen Digitalen Marktes und Digitale Transformation der Europäischen Wirtschaft. Im Zuge der Übergabe durfte ich im Elysée-Palast die folgende Rede halten:

Die gemeinsame deutsch-französische Initiative für Digitale Innovationen und die Digitale Transformation ist nicht nur für unsere beiden Industrie-Nationen wichtig, sondern eben auch für ganz Europa dringend notwendig!

Dieser Ort ist hierfür hoch symbolisch. 1963, wurde hier im Elysée-Palast der große deutsch-französische Freundschaftsvertrag unterzeichnet. Mehr als 50 Jahre später, brauchen wir erneut genau diesen politischen Willen und die geteilte Vision von De Gaulle und Adenauer, um diese Freundschaft in eine neue Dimension zu führen.

Welches Objekt ist dafür besser geeignet als die grenzüberschreitende Herausforderung der Digitalisierung?

Digitale Technologien haben unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft tiefgreifend verändert! Sie beeinflussen die Art und Weise, mit denen Informationen geteilt werden, eine gesellschaftliche Kommunikation gestaltet wird und wirtschaftliche Transaktionen durchgeführt werden.

Leider müssen wir aber dabei feststellen, dass die großen Internet-Unternehmen und die meisten innovativen Startups nicht aus Europa kommen und wir weltweit den Anschluss in der Digitalen Wirtschaft verloren haben.

Europa ist die Digitale Stecknadel im Online-Heuhaufen! Irgendwo sind wir, aber man kann uns nur schwer finden...

Um hierfür nur ein Beispiel zu nennen: Die 5 großen Online-Player aus den USA haben zusammen eine größere Marktkapitalisierung als die deutschen DAX30-Unternehmen und sie erwirtschaften schon heute die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes von Frankreich.

Europa erkennt erst jetzt, wie wichtig eine gesellschaftliche, wirtschaftliche aber auch politische Souveränität im Netz für seine Staaten ist. Spät, aber nicht zu spät...

Europa kann seine eigene Digitale Transformation gestalten und alternative Modelle hervorbringen. Wir haben die dafür notwendigen Fähigkeiten, auf die wir aufbauen können: eine kreative, mutige und qualifizierte Jugend, weltweit anerkannte Erfinder, Entwickler und Innovatoren sowie gemeinsame Werte, wie der Respekt von Meinungsfreiheit und Vielfalt.

Es ist an der Zeit, dieses Potenzial auch für die Digitale Welt zu heben.

Denn während Europa mal Nordamerika als den realen „Wilden Westen" erobert hat, erobern die USA nun mit ihren Internetunternehmen den digitalen „Zahmen Osten" in Europa. Unsere Antwort ist im Moment ein heterogener Kontinent im Hinblick auf digitale Infrastruktur sowie auf rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen für den Online-Wettbewerb.

Wir denken im digitalen Bereich noch nicht groß genug - wir denken nicht europäisch!

Wir brauchen dafür zunächst eine breite digitale Kompetenz für die Menschen in ganz Europa, wir brauchen mehr Digitale Köpfe für innovative Online-Startups, die von Anfang an international denken und auch über Europa hinaus expandieren wollen.

Wir brauchen aber auch eine Digitale Transformation unserer klassischen Industrie, damit unsere alte Stärke der Old Economy auch eine neue Stärke der Net Economy wird.

Entsprechend brauchen wir Digitalkunde als Fach in den Schulen, berufsbegleitende Aus- und Weiterbildungsprogramme für digitale Kompetenzen in den Unternehmen, duale und europäische Studiengänge zur Digitalen Wirtschaft sowie Lehrstühle für E-Entrepreneurship an den Hochschulen, um mehr Gründungen in diesem Bereich nach dem Studium zu motivieren.

Wissen ist nun einmal auch für die Digitale Welt die notwendige Basis für den Einsatz und die kompetente Nutzung von digitalen Technologien, die Entwicklung von neuen innovativen Online-Startups sowie die Digitale Transformation unserer klassischen Industrie und unserem Mittelstand.

Allen diesen Akteuren - egal ob Produzent oder Konsument - müssen wir es ermöglichen, dass sie ein gemeinsames digitales Europa erleben dürfen! Sie müssen darauf vertrauen sowie auch international aufbauen können! Dafür brauchen wir aber einen gemeinsamen europäischen Handlungsrahmen.

Wir brauchen einen gemeinsamen Aktionsplan für Digitale Innovationen und die Digitale Transformation in Europa! Lassen Sie uns gemeinsam digital sein! Warum? Weil wir es können und weil wir es müssen!

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Der Aktionsplan für Innovation (API): Digitale Innovation und Digitale Transformation in Europa

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