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01/04/2015 16:59 CEST | Aktualisiert 01/06/2015 07:12 CEST

Was mich beim Einkaufen in Deutschland einfach nur nervt

Erst heute habe ich es wieder gelesen: Das Bargeld sei das „Zahlungsmittel Nummer 1", die Deutschen würden es lieben.

Häh? Auf mich und meinen Alltag trifft das schon lange nicht mehr zu.

Ich zahle eigentlich fast nie mit Bargeld, nur noch mit Girokarte - egal ob das Duschgel in der Drogerie oder die Druckerpatrone bei Saturn, egal ob 0,60 Cent oder 19 Euro.

In vielen Geschäften geht das auch. Im Einzelhandel etwa an 75 Prozent der Kassen.

Doch eben auch an 25 Prozent der Kassen nicht. In anderen Bereichen wie dem Gastgewerbe dürfte der Anteil noch höher sein, scheint mir.

Genau hier beginnt für mich als Verbraucher der Ärger.

Neulich hatte ich Sonntagfrüh richtig Hunger auf frische Brötchen. Aber ich hatte kein Bargeld und mein Bäcker akzeptiert keine Karten. Jetzt hatte ich die Wahl: Gehe ich eine Viertelstunde zum nächsten Geldautomaten meiner Bank und hole Geld ab oder kaufe ich keine Brötchen. Ich habe keine Brötchen gekauft.

Schweden als bargeldlose Gesellschaft

In manchen Läden werde ich vom Kassierer auch belehrt, dass ich nur mit Karte zahlen kann, wenn ich für mindestens 10 Euro einkaufe. In der Straßenbahn kann ich an vielen Automaten auch nicht ohne Bargeld bezahlen. In manchen Bars kann man überhaupt nicht mit Karte zahlen, in manchen muss ich für 30 Euro etwas trinken.

Immerhin: Bei meinem Stammgriechen kann ich mit Karte zahlen - und wahrscheinlich ist es auch genau deshalb mein Stammgrieche. Weil ich nicht vorher nachschauen muss, wie viel Geld ich im Portemonnaie habe.

Deutschland ist bei der Kartenfrage schrecklich unübersichtlich - in vielen Fällen finde ich das fast hinterwäldlerisch. Die Schweden etwa lachen über solche Probleme, die sind längst auf dem Weg zu einer bargeldlosen Gesellschaft, die Japaner sowieso, und mehr als die Hälfte aller Amerikaner unter 30 findet Bargeld-Zahlungen genauso wie ich: total lästig. Und zahlt längst nicht mehr mit Karte, sondern per Apple Pay mit dem Smartphone.

Woran liegt es, dass noch so viele Händler den zeitgemäßen Weg des bargeldlosen Bezahlens nicht mitmachen, sich geradezu verweigern?

Weil es kostet - natürlich. Zu einem kostet die Mietgebühr für das Kartenterminal, 10 bis 15 Euro pro Monat. Und es sind Entgelte für die Autorisierung der Transaktion fällig. Die Transaktion selbst kostet natürlich auch mal was. Bei einer Girokarte sind das 0,25 bis 0,3 Prozent des Betrages, mindestens 5 oder 6 Cent. Bei Kreditkarten diktieren manche Karten-Herausgeber bis zu vier Prozent des Umsatzes.

Wahrscheinlich wird der Rat der Europäischen Union die Kreditkarten-Entgelte Ende April auf 0,35 Prozent des Umsatzes deckeln. Immerhin.

Die Händler könnten Kundschaft verlieren

Doch ehrlich gesagt: Ich als Verbraucher treffe meine Kaufentscheidung nicht auf Grundlage der fälligen Transaktionen, die der Händler zahlen muss. Da hält sich mein Mitleid in Grenzen.

Ich frage mich nur: Was spart der Händler, wenn er keine Karten akzeptiert, dafür aber immer mehr jüngere Kunden verliert, die eben nicht mehr wie noch ihre Eltern mit Bargeld herumlaufen?

Mein Vorschlag: Liebe Händler, erhöht ein bisschen eure Preise und akzeptiert dann Kartenzahlungen. Ihr werdet mehr Kunden haben, davon bin ich überzeugt. Mich habt ihr dann auf jeden Fall schon mal zurück.

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