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24/06/2015 08:35 CEST | Aktualisiert 24/06/2016 07:12 CEST

Verrückte Jobtitel - Hält der Quatsch Einzug in unsere Büros?

Thinkstock

Unsere Arbeitswelt wandelt sich ständig, und so auch die Beschreibung dessen was wir machen. Durch die rasante Entwicklung der Technologien gibt es erstaunlich viele Jobs, die es vor fünf bis zehn Jahren noch gar nicht gab oder geben konnte, während andere einfach nur abenteuerlicher heißen.

Wie bei vielen neuen Trends orientieren wir uns auch auf dem Arbeitsmarkt gerne an Amerika.

An Controller, Auditors und Key Account Manager haben wir uns ja schon längst gewöhnt, und ob wir Customer Support, Customer Success oder Customer Happiness machen ist vielleicht eher an unseren Einstellungstermin gekoppelt als unser Arbeitsfeld.

Aus HR Managern wurden in den letzten Jahren Manager für People und Talents, aus Sales-Mitarbeitern Sales Crusader.

Auch Business Angels fliegen schon seit geraumer Zeit durch unsere Büroräume und Netzwerke, und biblische Evangelisten, die Verkünder der guten Nachricht im Marketing-Bereich, bekehren heute auch niemanden mehr wirklich.

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Aber wer etwas recherchiert, kommt dann doch ins Staunen. Da gibt es einen Firmenchef in Toronto, der ist Cross-Pollinator („Quer-Bestäuber"), und ein Jobportal-Anbieter in Brasilien hat eine Chief of Unicorn Devision, also Chef der Einhorn-Einheit. Der Gründer einer Accounting Firma in North Carolina ist seit Jahren Emperor of Enlightenment und damit Kaiser der Aufklärung, während es dafür in Deutschland jemanden gibt, der seit „15 Jahren Praktikant" in seiner eigenen Firma ist.

Sinnlos betitelt?

Unter- sowie Übertreibungen, Begriffe aus der Mythologie und Fabelwelt, aberwitzig zusammengefügt; der Kreativität im Jobtitel-Ausdenken scheinen keine Grenzen gesetzt.

Ob sinnentfremdeter Ulk oder übermäßiger Praxisbezug, eines haben die Neukreationen gemein:

Es ist Erfindergeist am Werk. Die Abenteuertitel werden vor allem in der High-Tech-Branche vergeben (wenn auch nicht nur), und natürlich steht dahinter eine klare Botschaft: Wir sind cool, bei uns macht Arbeiten Laune, wir sind eine moderne, innovative Firma.

Eine Großzahl der Bezeichnungen haben sich die Mitarbeiter selbst ausgedacht, und egal ob Spaßmacher oder Angeber, ihre Businesstitel erregen die gewollte Aufmerksamkeit.

Angefangen hat alles bei Apple, wo man schon in den 80er Jahren mit fantasievollen Namen festgefahrene Strukturen verändern wollte.

Der legendäre Guy Kawasaki war der erste Evangelist auf dem internationalen Arbeitsmarkt, und nach seinem Titel-Erfolg durften sich alle Apple-Mitarbeiter zwei verschiedene Visitenkarten drucken lassen. Das ging solange gut, bis einer der jungen Mitarbeiter sich selbst als „Chairman" betitelte.

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Phantasievolle Jobtitel können durchaus ein effizientes Werkzeug sein, um Mitarbeiter anzuziehen oder zu binden, aber es ist Vorsicht geboten.

Wer zu viele Erwartungen schürt oder gar Kreativität und Innovation verspricht, ohne diese auch wirklich in der Firmenkultur zu leben, kann seine Kollegen schnell enttäuschen. Der Gimmick allein wird nicht reichen, Mitarbeiter auf Dauer zu motivieren.

Feel Good?

Deshalb kommt man im Silicon Valley schon lange wieder weg von spaßigen Jobbezeichnungen und kümmert sich lieber um das nachhaltige Wohlgefühl der Mitarbeiter.

Flexible Arbeitszeiten, Ruheräume und Spielecken sind selbstverständlich, aber es gibt auch ein breites Angebot an Serviceleistungen, die nur mittelbar mit der Arbeit zu tun haben, die die Life-Work-Balance allerdings sehr positiv beeinflussen: zum Beispiel kostenfreie Verpflegung und firmeninterne Ärzte und Kitas.

Auch in Deutschland gewinnt das Thema an Bedeutung, und nicht nur Start-ups holen sich vermehrt die Feel Good Manager ins Haus.

Hinter der Bezeichnung „Feel Good" steht zur Abwechslung mal ein durchaus ernstzunehmender Job, der in der Arbeitswelt von heute immer wichtiger wird. In Deutschland soll es schon mehr als 50 dieser Wohlfühlmitarbeiter geben.

Ingrid Kadisch, Ausbildungsleiterin für Feel-Good-Management am Institut für Wertekultur in der Wirtschaft in Bremen, sagt es mit Albert Schweitzer: "Das Heil der Welt liegt nicht in neuen Maßnahmen, sondern in einer anderen Gesinnung."

Der Obstkorb in der Küche und das Company Event reichten nicht aus, sagt sie, es komme auf eine werteorientierte Führungsstruktur an. Mit ihren Seminaren und Workshops verhilft Ingrid Kadisch sowohl mittelständischen Unternehmen als auch großen Konzernen zu einem werteorientierten Gesundheitsmanagement.

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Es geht darum, in Mitarbeitern nicht nur uniforme Top-Leistungsträger zu sehen, sondern Bedingungen zu schaffen, mit denen es sich auch dauerhaft gut beruflich leben lässt.

Wer also durch Spaßtitel versuchen sollte, einem Kandidaten oder Kollegen einen sonst spröden und öden Job schmackhaft zu machen, für den wird die Sache irgendwann nach hinten losgehen.

Wer aber in einer coolen Firma arbeitet und seinen Jobtitel zu langweilig findet, für den gibt es jetzt eine Lösung: Der einarmige Jobtitel-Bandit von Spiegel.de.

Dieser Jobtitel-Generator für Angeber verhilft jedem in Nullkommanix zu einer neuen beruflichen Identität, welche dann auch gleich auf Visitenkarte gedruckt werden kann. Mein Favorit: Vice Administrator of Bullshit Services.

Wir sollten uns vielleicht alle einfach nicht zu ernst nehmen.


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