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30/11/2015 09:24 CET | Aktualisiert 30/11/2016 06:12 CET

Das wird an Psychosomatik immer noch falsch verstanden

Mark Douet via Getty Images

Krank sein ist immer ein Zustand, aus dem wir gerne schnellstmöglich wieder herauskommen möchten. Wir geraten in einen Zustand der Schwäche und Verletzbarkeit. Dabei gibt es unterschiedliche Bereiche, in die eine Erkrankung fallen kann:

  • Der somatische Bereich, der die körperlichen Leiden umfasst (und sich vom griechischen Wort „soma" für Körper ableitet),
  • der psychosomatische Bereich, der die Erkrankungen umfasst, die sich im Zusammenspiel zwischen Körper und Seele ergeben und
  • der psychische Bereich, der die seelischen Leiden behandelt (und sich ebenfalls aus dem Griechischen von dem Wort „psyche" für „Atem, Hauch" ableitet).

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In den letzten Jahren ist der Anteil an psychosomatischen Erkrankungen zunehmend gestiegen und Prognosen gehen davon aus, dass dieser Trend bestehen bleibt. Zu solchen Erkrankungen werden zum Beispiel Angststörungen, bestimmte Depressionsformen und posttraumatische Belastungsstörung gezählt.

Psychosomatisch: Körper und Geist eng verflochten

Aber was genau bedeutet „psychosomatisch"? Es bedeutet, dass Emotionen, Spannungszustände, allgemein das Seelenleben eng verflochten sind mit körperlichen Vorgängen und auf der körperlichen Ebene zu Symptomen führen können.

Häufig nehmen die Betroffenen zunächst auch nur diese körperlichen Symptome wie etwa Herzrasen, Schwindel etc. wahr und befürchten eine unheilbare Krankheit. Die meist zermürbende Ärzteodyssee beginnt.

Dass es einen Zusammenhang zwischen Seele und Körper gibt, zeigen auch Studien, die sich mit dem Einfluss von Depressionen auf das Herzinfarktrisiko beschäftigt haben und zu dem Ergebnis kamen, dass Depressionen mit einem höheren Risiko für einen Infarkt behaftet sind - unabhängig vom Rauchen, der Ernährung etc.

Leider haften den psychosomatischen Erkrankungen viele Stigmata an, allzu schnell werden Erkrankte in die „psychische Ecke geschoben" und selbst von erfahrenen Ärzten in ihrem Leiden nicht ernst genommen. Kaum wird das Wort „psychosomatisch" ausgesprochen, öffnet sich eine entsprechende Schublade und die Betroffenen müssen darum kämpfen, verstanden zu werden.

Dabei sind die psychosomatischen Erkrankungen eben nicht nur psychischer Genese, sondern haben ganz handfeste körperliche Symptome, die die Erkrankten quälen. Und diese Symptome abzusprechen, die Patienten als Simulanten hinzustellen oder mit dem Satz: „Das ist alles NUR psychosomatisch." abzuspeisen, ist für die Gesundung der Betroffenen fatal.

Nicht nur Einbildung

Stellen Sie sich einfach vor, Sie befinden sich vor einem wichtigen Gespräch (zum Beispiel ein Bewerbungsgespräch): Sie haben auf alles geachtet, tragen die korrekte Kleidung, Ihre Arbeitszeugnisse sind hervorragend und im Grunde ist Ihnen klar, dass Sie quasi außer Konkurrenz sind.

Trotzdem können Sie nichts dagegen tun, dass Ihr Herz schneller schlägt und Sie eine leichte Übelkeit verspüren. Als Sie Ihrem Gesprächspartner die Hand reichen, zittert diese und ist feucht. Bei den ersten Sätzen, die Sie sagen, zittern Ihre Mundwinkel und Ihre Stimme. Immer wieder müssen Sie sich räuspern, denn Sie haben das Gefühl, einen riesigen Knoten im Hals zu haben.

Alles nur Einbildung? Nein! Sondern ein einfacher Beweis dafür, dass die Verknüfung zwichen Seele und Körper existiert. Natürlich ist das nur ein simples Beispiel. Bei psychosomatischen Erkrankungen sind die Verflechtungen viel komplexer und meist auf einen chronischen, schon über lange Zeit bestehenden krankmachenden Zustand zurückzuführen.

Grundlagen der Psychosomatik

Das wird umso deutlicher, wenn man das Buch „Auf der Suche nach dem Wort, das berührt" von Dr. Wolfgang Kämmerer liest, das noch in diesem Dezember beim Springerverlag erscheinen wird.

Dieses Buch beschreibt in einer wundervollen und leicht verständlichen Weise zunächst die Grundlagen der Psychosomatik (Was ist die Psychosomatik? Was bedeutet es, psychosomatisch krank zu sein? Auf welche Spur führt das Symptom/die Symptome) und geht dann auf einen Therapieansatz ein, mit dem der Autor schon lange arbeitet:

Die Arbeit mit dem Fokus, die sogenannte Fokaltherapie. Hier geht es darum, durch eine besondere Vorarbeit mit dem und weitere Begleitung des Patienten die Quelle zu finden, die verbal eine Brücke schlägt zwischen dem, woran Seele und Körper leiden.

Herr Dr. Kämmerer hat so in den letzten Jahren erfolgreich schon viele Patienten behandelt, auch dann, wenn sie mit Rückschlägen zu kämpfen hatten. Denn der Fokus bleibt bestehen und kann immer wieder zum Einsatz kommen, vergleichbar mit einem Anker, den der Patient immer dann, wenn es nötig ist, in Anspruch nehmen kann.

Wichtig bei diesem Ansatz ist auch, dass der Patient ebenfalls in seinen körperlichen Beschwerden wahr- und ernstgenommen wird - eine, teilweise auch erneute körperliche Untersuchung ist also obligat.

Verbindung zwischen Seele und Körper

Auch wenn es im ersten Moment zu einfach scheinen mag, dass die richtigen Worte heilen helfen, so passt es doch zu dem Bild der Verbindung zwischen Seele und Körper. Denn wird die Seele durch den Fokus angesprochen, schwingt diese Ansprache auch im Körper nach - und sorgt, manchmal zunächst unbemerkt, für Veränderungen.

Dieses Buch sei allen wärmstens empfohlen, die sich in irgendeiner Weise mit der Thematik „Psychosomatik" auseinandersetzen möchten: Betroffenen, Angehörigen, Ärzten und anderen Helfern im Gesundheitsbereich.

Es ist aufgrund der sehr eingängigen und wirklich (!) verständlichen Schreibweise auch für diejenigen geeignet, die über kein spezielles medizinisches Vorwissen verfügen, andererseits aber auch für die Fachleute, die hier noch einmal eine andere Sichtweise und ein neues Konzept in ihre eigene Praxis integrieren können.

Ich habe es aus beruflichen Gründen gelesen und bin medizinisch wie menschlich hellauf begeistert! Man findet das Buch unter Amazon schon jetzt zum Vorbestellen (im Übrigen auch ein wunderbares nachträgliches Weihnachtsgeschenk): Wolfgang Kämmerer: Auf der Suche nach dem Wort, das berührt. ISBN-10: 3662478870, ISBN-13: 978-3662478875

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