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28/02/2016 07:16 CET | Aktualisiert 28/02/2017 06:12 CET

Qual aller Eltern: Warum die Schule erst um 9 Uhr beginnen sollte

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Ich gestehe: Ich bin ein totaler Morgenmuffel. Was damit zusammenhängt, dass ich einfach etwas später ins Bett gehe als die meisten Menschen. Ich liebe es, mich um Mitternacht an meinen Mac zu setzen, Emails zu beantworten, Facebook-Nachrichten zu checken oder zu schreiben. Ich wage sogar zu behaupten, dass meine Artikel nachts besser werden als tagsüber.

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Weil Ruhe herrscht. Auf meinem iPhone, in meinem Email-Postfach und bei mir zuhause. Liv und mein Freund liegen im Bett und schlafen, und alles ist so schön still. Nichts was ablenkt, klingelt oder plappert.

Vor einigen Jahren habe ich ein paar Tage im Monat nachts moderiert. Meistens von 2 bis 3 Uhr. Viele Freunde haben mich gefragt, wie ich das schaffe. Die Antwort war ganz einfach: Indem ich bis mittags schlafe.

Das Angebot für eine Morning-Show

Das Lustige: Als die Sendung irgendwann zu Ende ging hatte ich kurze Zeit später ein Casting bei einem Münchner Radiosender für eine Morning-Show. Ein paar Tage danach hatte ich ein Angebot vorliegen. Ich bat um drei Tage Bedenkzeit. Denn ich wollte mich selbst testen, wie es mir denn ergehen würde, wenn ich drei Mal hintereinander um 4 Uhr aufstehen muss.

Die erste Nacht war ich um 1 im Bett - dementsprechend müde bin ich aus demselben gekrochen, als drei Stunden später der Wecker geklingelt hat. Gut, dass es nur ein Test war - so konnte ich mich gleich wieder hinlegen. Die zweite Nacht war ich auf einen Geburtstag eingeladen. Um 22 Uhr hätte ich eigentlich spätestens nach Hause gehen müssen.

Drei Gin Tonics und viele nette Gespräche später bin ich dann um 2 Uhr nachts ins Bett gefallen. Wieder zu spät.

In der dritten Nacht hab ich es dann geschafft, um 22 Uhr ins Bett zu gehen. Mit dem Ergebnis, dass ich um kurz vor 1 Uhr eingeschlafen bin. Nach drei Tagen habe ich den Sender angerufen, mich für das nette Angebot bedankt und abgesagt. Menschen, die mich kennen wissen, dass ich recht kommunikativ bin. Aber halt eben nicht früh morgens.

Und dann kam Liv

Seitdem bin ich echt stolz. Sowohl auf meine Tochter als auch auf mich. Auf Liv, weil sie wirklich von 22 Uhr bis ca. 9 Uhr durchschläft. Auf mich, weil ich mittlerweile um 8.30 aufstehen kann, ohne eine Laune zu haben, als wäre die Heizung, der Lift und der Strom gleichzeitig ausgefallen.

Aber ich gestehe auch: noch früher wird schwierig. Und da wären wir beim eigentlichen Thema: SCHULE. Denn die beginnt ja bekanntlich spätestens um 8 Uhr. Was heißt: Etwa um 6.45 aufstehen, dem Kind das Frühstück herrichten und es dann - zumindest in der Anfangszeit - in die Schule fahren. 6.45 - eine Uhrzeit, zu der ich noch nicht mal fähig bin, ordentlich zu atmen geschweige denn zu denken. Also zumindest nicht TAGTÄGLICH.

Wäre ich jetzt die einzige Mutter, die damit ein Problem hat, würde ich die Klappe halten und mich danach richten. Doch irgendwie fluchen die meisten meiner Bekannten und Freunde, die Kids haben, über den frühen Schulbeginn. Und hierbei geht es nicht nur um die persönlichen Vorlieben und den Schlaf der Eltern.

Selbst Wissenschaftler haben sich für einen späteren Schulbeginn ausgesprochen und zahlreiche Studien belegen das

Eine Forschergruppe am Hasbro Kinderkrankenhaus im US-Staat Rhode Island hat herausgefunden, dass Jugendliche bereits mit einer halben Stunde mehr Schlaf am Morgen eine größere Motivation hätten und seltener den Unterricht schwänzen würden.

Hinzu kommt noch ein weiterer Punkt: Je älter die Kinder werden, umso mehr verschiebt sich ihre Einschlafzeit nach hinten. Till Roenneberg, der Leiter des Instituts für medizinische Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, plädiert aus diesem Grund schon seit Jahren dafür, die Schulanfangszeiten nach hinten zu verschieben.

Ältere, eingefahrene Pädagogen sind nicht bereit zur Veränderung

Jetzt kann man natürlich naiv die Frage stellen: Warum geht´s denn dann nicht einfach später los, wenn sich selbst renommierte Wissenschaftler für einen späteren Schulstart einsetzen? Die Antwort ist ein recht perfider Zweisatz: Ältere, eingefahrene Pädagogen, die nicht bereit sein, ihre Gewohnheiten zu ändern und die Fahrpläne des Nahverkehrs, die angepasst werden müssten.

Also beides Punkte, die man recht problemlos bewältigen könnte. Dennoch ist es oftmals so, dass sich der Schulbeginn sogar nach den Busfahrplan richtet. Mein Bekannter Daniel, der am Chiemsee wohnt, muss bereits um 5.30 Uhr aufstehen, da aufgrund des regionalen Busfahrplans dort die Schule sogar um 7.30 Uhr startet.

Natürlich kann es sein, dass ein späterer Schulbeginn strukturelle Auswirkungen hat

Die Schulen müssten Mittagessen anbieten, wenn sich der Unterricht bis in den Nachmittag hineinziehen würde. Was meiner Meinung nach auch kein großes Problem darstellt, da viele Mütter sicherlich froh wären, wenn der Nachwuchs ein gesundes Essen in der Schule bekommt, anstatt sich tagtäglich überlegen zu müssen, was mittags wieder gekocht und serviert wird. (Und die Mamis, die jeden Tag liebend gern kochen, können sich dann sicherlich ehrenamtlich in der Schule engagieren:)

Naja, auf alle Fälle habe ich noch Hoffnung. Liv wird in rund 5 Jahren in die Schule gehen und bis dahin drücke ich mir und allen ähnlich denkenden Eltern die Daumen, dass sich der Schulbeginn hier in Deutschland ENDLICH anderen Ländern wie Spanien, Frankreich oder Großbritannien anpasst und der erste Gong nicht vor 8.30 Uhr - besser noch 9 Uhr - ertönt.

Weitere Hintergründe könnt Ihr hier nachlesen:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/schule-frueher-unterrichtsbeginn-stoert-schlafrhythmus-a-1001597.html

http://www.spiegel.de/schulspiegel/unterrichtsbeginn-warum-die-erste-stunde-folter-ist-a-1042065.html

http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/schlafmuetzen-studie-spaeteres-aufstehen-macht-schueler-fitter-a-704819.html

Der Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin www.mommiesusesidedoor.de

Foto: Eric Remann

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