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26/12/2016 10:07 CET | Aktualisiert 27/12/2017 06:12 CET

Das Märchen vom Bürgerkrieg

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Wer denkt der syrische Bürgerkrieg sei ein klassischer Bürgerkrieg, bei dem sich ein Teil der Bevölkerung gegen den anderen Teil der Bevölkerung wendet, der irrt sich gewaltig.

Mit über 1000 Rebellengruppen und rund 80 Ländern die auf unterschiedlichem Wege in diesem Land um die Herrschaft kämpfen, kann man keineswegs von einem normalen Bürgerkrieg sprechen, deswegen sind auch die syrischen Friedensverhandlungen so mühsam, da es so viele Konfliktparteien und Allianzen mit unterschiedlichen Interessen und Vorstellungen des zukünftigen Syriens gibt. Doch wie konnte es zu so einem schrecklichen Krieg kommen, der jetzt schon Hunderttausende Menschenleben gefordert und Millionen von heimatlosen Flüchtlingen verursacht hat?

Die Ursachen dieses überaus komplexen Krieges sind überraschenderweise sehr einfache Gründe: eine Erdgaspipeline, interreligiöse Hegemoniebestrebungen und eine alte Feindschaft. Denn im Nahen Osten müssen Sie wissen, gibt es zwei lokale Hauptakteure den schiitischen geprägten Iran und das sunnitisch, wahabitisch geprägte Saudi-Arabien.

Zudem kommen ihre zwei ausländischen Unterstützer USA und Russland dazu, die mit ihren Schützlingen den ganzen Nahen Osten dominieren. Diese beiden Gegnergruppen versuchen alles Mögliche, um ihre Vormachtstellung in der islamischen Welt und ihren Einfluss auszubauen und die andere Seite zu vernichten.

Und so kommen wir auch zu der besagten Erdgaspipeline. Dazu müssen Sie wissen, dass das sunnitisch geprägte Katar und der schiitisch geprägte Iran gemeinsam auf dem größten Erdgasvorkommen der Welt sitzen und da fängt der globale Konflikt schon an.

Denn im Gasmarkt lässt sich sehr viel Geld verdienen und dieser wird zurzeit von Russland dominiert, der größten und wichtigsten Rohstoffnation der Welt. Doch was würde passieren, wenn eine andere Nation die der USA sehr nahe steht, in den Gasmarkt einsteigen würde? Es wäre ein vernichtender Schlag für Russland, da der Rohstoffhandel die Haupteinnahmequelle der Russen ist. Und so eine einmalige Gelegenheit Russland dramatisch zu schwächen und die eigene Vormachtstellung auszubauen, kann sich doch die imperialistische USA nicht entgehen lassen.

Doch bevor dieser Plan umgesetzt werden kann, muss eine Gaspipeline zu den zahlungskräftigen Kunden in Europa gebaut werden und da fängt das Problem schon an, denn diese Gaspipeline müsste auch durch Syrien gehen und da die Assad-Familie traditionell gute Beziehungen mit Russland pflegt, hat Assad die Pläne der Saudis, Amerikaner, Kataris, Türken und der Europäer durchkreuzt, indem er die Pläne einer Pipeline von Katar Anfang der zweitausender Jahre ablehnte aus auf Rücksicht der russischen Interessen.

Sie wundern sich bestimmt, warum ich die Türken und Europäer aufliste, aber die sind natürlich auch mit dabei, die Türkei wäre dann das Transitland, bei dem das Gas durchlaufen müsste, um nach Europa zu kommen und da kann man natürlich Abgaben etc. verlangen.

Europas Interessen sind andere, durch so eine besagte Pipeline könnte Europa unabhängiger vom russischen Gas werden und das wäre nicht nur im europäischen Interesse. Gleichzeitig erlaubte Assad eine russische Gaspipeline vom Iran aus und mit dieser Entscheidung war das Schicksal Syriens besiegelt.

Diese Ablehnung wurde Syrien seit 2011 zum Verhängnis. Die Amerikaner, Saudis und Kataris trainierten, finanzierten und unterstützen unsere „moderaten Rebellen" von heute und begannen Jahre vor Beginn des Bürgerkrieges diese nach Syrien zu bringen, damit sie das Regime stürzen, infolgedessen eine Regierung eingesetzt werden könnte, die dem Bau einer Gaspipeline zustimmen würde.

Das Ergebnis ist eine der größten Flüchtlingsbewegungen aller Zeiten, viele Hunderttausend Tote, Millionen von traumatisierten Menschen und ein Land in Trümmern.

Thomas Schumacher

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