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15/12/2015 08:17 CET | Aktualisiert 15/12/2016 06:12 CET

Demokratie: Warum es wichtig ist, dass wir Verantwortung übernehmen

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Die Stärke einer Gesellschaft definiert sich über innere Werte. Eine Gesellschaft die vor allem über staatliche Unterstützung funktioniert, funktioniert nicht mehr lange - sie wird sich das auf Dauer nicht leisten können.

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Gleichzeitig ist es oberste Bürgerpflicht in einer Demokratie Verantwortung zu übernehmen, alles andere ist undemokratisch. Zum Thema wird das aber leider häufig erst, wenn es um das Budget geht: „Hinten rechts" ist der Schmerz eben immer noch am stärksten.

Ideologischer Graben

Wie viel Staat darf es sein? Die Meinungen darüber gehen weit auseinander, dazwischen liegt nicht selten ein idelogischer Graben, manchmal fast so tief der Marianengraben.

Die Kluft zwischen Sozialromantikern und Neoliberalen ist riesig, zumindest in der Schweiz. Ausgetragen wird der Konflikt über die Finanzpolitik.

Es ist ein schwieriges Thema, die Grenze zwischen staatlicher und persönlicher Verantwortung ist fließend und je mehr die Ressourcen schwinden, umso intensiver wird der Verteilkampf ausgetragen. An den Bedürfnissen der Gesellschaft ändert das aber nichts, sie steigen, steigen und steigen.

Eigene Hilfsbedürftigkeit als Risiko

Unabhängig von diesem ideologischen Zwist: Nur motzen ist nicht, nein, Leistung ist gefragt. Dabei muss es nicht immer die große Geste sein, die für Schlagzeilen sorgt, wie bei Bill Gates oder Mark Zuckerberg. Auch im kleinen, unscheinbaren Bereich ist viel möglich.

Freiwilligenarbeit oder Nachbarschaftshilfe heißen die Zauberworte. Doch für das, was früher normal war, braucht man heute Kampagnen. Das ist ein Armutszeugnis. Wir entsolidarisieren uns. Das ist gefährlicher als Terror, denn die Wahrscheinlichkeit das wir eines Tages selber hilfsbedürftig sein werden, ist weit größer, als das wir einem Terroranschlag zum Opfer fallen.

Demografie wird unterschätzt

Eines der größten Risiken für unsere Gesellschaft ist die Demografie. Wir werden immer älter, stellen stets höhere Ansprüche. Gleichzeitig liegt in der Schweiz, ein großer Teil des Volksvermögens brach - bei den Senioren.

Sie bunkern Geld und es fehlt der Wirtschaft. Und weil immer weniger Junge einzahlen wird es schwieriger die Altersvorsorge zu finanzieren. Kommende Generationen werden kaum mehr die Möglichkeit haben, alle lebensnotwendigen Hilfen aus ihrer Reserve einzukaufen oder vom Staat zu erhalten. Sie werden sich vermehrt selber helfen müssen. Und diese Planung beginnt - heute.

Anonyme Gesellschaft

Ein Schlüssel zur Lösung des Problems liegt in der Freiwilligenarbeit oder Nachbarschaftshilfe. Das umfasst das Dienstleistungen wie sie früher die Großmutter oder eben der Nachbar übernommen haben.

Doch die Familie hat stark an Bedeutung verloren und den Nachbarn - „wie hieß er doch gleich?" - kennt auch nicht mehr jeder beim Namen oder spricht sogar mit ihm. Unsere Gesellschaft ist anonym geworden. „Es wird einsam um uns herum", dass gilt für immer mehr Menschen.

Politik ist mit sich selber beschäftigt

Leider kümmert sich die Politik wenig um dieses Thema. Damit kann man bei den Wählern nicht so punkten, wie mit der Sicherheit wegen des Terrors oder Flüchtlingen.

Eine langfristige, konstruktive Denkweise kann man vom Schweizer Parlament in den nächsten vier Jahren kaum erwarten. Es wird ein peinliches Links-Rechts-Gezerre, mit Tendenz von Rechtspopulisten als Sieger.

So wird es Aufgabe der Bürger sein, sich vermehrt zu engagieren - um am Aufbau für ein Alternativmodell mitzuarbeiten. Darauf sind, neben dem Alterswesen, auch andere gesellschaftliche Bereiche wie Vereine, Kirchen und so weiter angewiesen.

Persönliches Zeitkonto

Auf welcher Basis dieses Engagement basiert, spielt keine Rolle. Das kann offiziell oder inoffiziell sein, als ausgewiesene Freiwilligenarbeit, oder als Nachbarschaftshilfe.

Um diese Motivation zu fördern, plädiere ich für ein Modell, mit dem persönliche Zeit gewonnen wird - für später. Wer sich heute engagiert, hat morgen ein Zeitguthaben.

So können sich alle absichern, die nicht über ein bestimmtes Einkommen oder Vermögen verfügen und keine größere Erbschaft in Aussicht haben - also von Altersarmut und deren Auswirkungen bedroht sind. Wie gesagt: Das Risiko ist größer, als die Wahrscheinlichkeit Opfer eines Terroranschlages zu werden.

Fazit

Altersarmut wird bei kommenden Generationen ein zentrales Thema sein und die zu erwartende Politik des Parlamentes wird zur Verschärfung beitragen. Den Preis kann der Staat dann nicht mehr alleine zahlen, seine Ressourcen werden anderweitig eingesetzt oder gestrichen.

Persönliche Vorsorge ist mehr denn je gefragt, auch im eigenen Interesse. Gleichzeitig beweisen wir damit gesellschaftliche Stärke und sind Vorbilder für unsere Politiker.

Bildquelle: Benevol St. Gallen

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