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09/11/2016 10:28 CET | Aktualisiert 10/11/2017 06:12 CET

So teuer wird Trump für uns

scarletsails via Getty Images

Trump hat seiner Außenpolitik einen griffigen Slogan gegeben: "America first". Transatlantische Freundschaft ist für ihn kein Wert an sich - sie muss sich auch für die USA auszahlen. Im Wahlkampf hat er immer wieder auch darüber gesprochen, was das für die Beziehungen zu Deutschland bedeutet. Hier Trumps fünf Maßnahmen, die am teuersten für uns werden:

1. Trump will 400.000 Arbeitsplätze zurück in die USA holen

Trump sagte im Wahlkampf: "Billionen unserer Dollar und Millionen unserer Jobs sind ins Ausland gegangen. Ich bin in viele Städte quer durchs ganze Land gekommen, in denen ein Drittel oder sogar die Hälfte aller Jobs in der Industrie gestrichen wurden. Heute importieren wir Güter im Wert von 800 Milliarden Dollar mehr als wir exportieren. So können wir nicht weitermachen. Das ist keine von der Natur verursachte Katastrophe, das ist eine von Politikern verursachte Katastrophe. So einfach ist das. Aber das kann wieder ausgebessert werden, und zwar schnell."

Das größte Handelsbilanzdefizit haben die USA mit China. Das zweitgrößte mit Deutschland: 74 Milliarden Dollar pro Jahr. Vor allem unsere Autos, Maschinen und Medikamente verkaufen sich gut auf der anderen Seite des Atlantik.

Für die amerikanische Gesellschaft ist das aber ein schlechter Deal. Denn es bedeutet: Die US-Bürger zahlen für die Produkte, aber die Arbeitsplätze entstehen bei uns in Deutschland. Und zwar in riesigem Ausmaß. Laut US-Regierung entstehen für jede Milliarde Dollar Export rund 6.000 Jobs. Das heißt: Als Folge einer liberalen Handelspolitik und dem Outsourcing von Jobs ins Ausland finanzieren die USA derzeit mehr als 400.000 Arbeitsplätze in Deutschland. Und diese Jobs will Trump jetzt wieder zurückholen, durch Strafzölle und die Neuverhandlung von Handelsabkommen. Für uns bedeutet das: Abbau von Arbeitsplätzen - und entsprechend weniger Steuereinnahmen.

2. Wir sollen für das US-Militär zahlen

"Wir geben ein Vermögen aus, um Deutschland zu verteidigen", sagte Trump in einem TV-Interview. Die USA zahlen 7,9 Milliarden Dollar pro Jahr für ihre Militärpräsenz in Deutschland, so eine Untersuchung des US-Senats im Jahr 2013. Trump findet: Deutschland müsse die Kosten für seinen Schutz selbst übernehmen. "Warum erstatten sie uns nichts? Warum zahlen sie nicht einen guten Teil der Kosten?" Wenn Deutschland dazu nicht bereit sei, müsse er das Militär eben aus Deutschland abziehen: "Wenn wir gehen müssen, dann müssen wir gehen."

Auch in einem anderen TV-Interview sagte er: "Wie lange und zu welchen Kosten werden wir noch Japan und Deutschland und viele andere Länder verteidigen? Derzeit bezahlen sie uns für diesen Schutz nicht annähernd den Betrag, den wir aufwenden."

Und auch hier drohte er wieder: "Irgendwann werden die sich sonst selbst verteidigen müssen. Würde ich das besser finden? Nicht unbedingt. Aber wir können uns das nicht leisten. Wir haben Schulden von 19 Billionen Dollar, bald 21 Billionen."

3. Wir sollen für Flüchtlingslager in Syrien zahlen

Trump will Schutzzonen für Flüchtlinge in Syrien einrichten. In einem Interview mit der New York Times sagte er: "Wir können die Leitung übernehmen, aber ich will nichts dafür bezahlen, denn wir haben kein Geld. Unser Land hat kein Geld." Seine Lösung: "Ich würde die Golfstaaten und andere dazu bringen, das Geld dafür auf den Tisch zu legen. Ich meine, Deutschland sollte Geld aufbringen."

Die Golfstaaten sollen zahlen, weil sie viel Geld haben und weil sie bisher kaum Flüchtlinge aus ihrer eigenen Region aufgenommen haben. Deutschland soll zahlen, weil wir von den Schutzzonen stark profitieren. Schließlich würden die Flüchtlinge dann in Syrien bleiben und nicht mehr nach hier kommen, wo sie laut Trump nur Probleme verursachen: "Schauen Sie sich an, was mit Deutschland passiert ist. Ich habe Freunde aus Deutschland, die dort nicht mehr zurückgehen wollen. Deutschland wird zerstört durch Merkels Naivität oder Schlimmeres. Deutschland wird zu einem völlig anderen Land und das wird zu Problemen in Deutschland führen. Die Deutschen werden nicht hinnehmen, was dort passiert. Es gibt Leute, die von dort auswandern. Es gibt kolossale Verbrechen dort."

Wie viel wir für die Schutzzonen in Syrien zahlen müssen, lässt sich schwer abschätzen. Erstens muss die Infrastruktur für die Flüchtlinge dort neu aufgebaut werden. Zweitens müssen die Menschen versorgt werden. Allein dafür benötigt das UNHCR bei 4 Millionen Flüchtlingen aus Syrien pro Jahr 4,5 Milliarden Dollar. Und drittens müssen die Schutzzonen vor Angriffen des IS und anderer Kriegsparteien in Syrien geschützt werden.

4. Wir sollen für den Schutz der Ukraine zahlen

Bei einer TV-Debatte sagte Trump: "Wenn es um die Ukraine geht: Wir haben eine Gruppe von Ländern einschließlich Deutschland - einem kolossalen wirtschaftlichen Riesen - also warum machen wir immer die ganze Arbeit? Ich bin voll und ganz für den Schutz der Ukraine, aber wir haben Länder rund um die Ukraine, die gar nichts machen. Die sagen zu uns: 'Macht weiter, macht weiter ihr Dummköpfe, macht weiter und beschützt uns.' Wir müssen zur Vernunft kommen. Wir können nicht mehr der Weltpolizist sein. Wir sind mit 19 Billionen Dollar verschuldet, unser Land fährt zur Hölle, unsere Infrastruktur fällt auseinander, unsere Straßen, unsere Brücken, unsere Schulen, unsere Flughäfen. Wir müssen damit anfangen, Geld in unser Land zu investieren."

Die USA haben die Ukraine unter anderem mit Raketenabwehr und gepanzerten Humvee-Fahrzeugen ausgerüstet. US-Soldaten helfen auch bei der Ausbildung der ukrainischen Armee. Die Kosten lagen allein laut einem Beschluss des US-Kongresses im Jahr 2014 bei einer Milliarde Dollar.

5. Wir sollen die Bundeswehr aufrüsten

Eigentlich hatten die NATO-Staaten vereinbart, dass jedes Land mindestens zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für Rüstung ausgibt. Aber die meisten Länder halten sich nicht daran, darunter auch Deutschland. Bisher hatte ein Verstoß gegen die Abmachung keinerlei Konsequenzen. Doch so wird es unter Trump nicht weitergehen.

Trump sagte: "Unsere Alliierten zahlen nicht ihren fairen Anteil, und darüber habe ich zuletzt eine Menge gesprochen. Unsere Alliierten müssen die finanziellen, politischen und menschlichen Kosten unserer kolossalen Sicherheitslasten mittragen. Aber viele von ihnen machen das einfach nicht. Sie glauben, dass die USA schwach sind und ihnen alles verzeihen. Sie fühlen sich nicht verpflichtet, ihre Vereinbarungen mit uns einzuhalten. Nur vier der 28 übrigen Mitgliedsstaaten der NATO geben zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Verteidigung aus. Über die Jahre haben wir Billionen Dollar ausgegeben für Flugzeuge, Raketen, Schiffe, Ausrüstung - wir haben unser Militär aufgebaut, um Europa und Asien stark zu verteidigen. Die Länder, die wir verteidigen, müssen die Kosten für diese Verteidigung tragen, andernfalls müssen wir darauf vorbereitet sein, dass sie sich selbst verteidigen. Es gibt keine Alternative."

Deutschland gibt derzeit 35 Milliarden Euro pro Jahr für Verteidigung aus, das entspricht 1,2 Prozent der Wirtschaftsleistung. Um auf die geforderten zwei Prozent zu kommen, müsste Deutschland also jedes Jahr 23 Milliarden Euro zusätzlich für die Bundeswehr ausgeben.

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